Festivals & Live Reviews


Foto: Alex Kuehr (Promo)

Festivals & Live Reviews 05.04.2019, 13:13

AVANTASIA - Berlin, Huxleys Neue Welt

Der Gig im Huxleys stellt einen besonderen Auftritt im Rahmen der „Moonglow“-Tour dar. Wie auch von AVANTASIA-Mastermind Tobias Sammet erwähnt, handelt es sich bei der gemütlichen Neuköllner Location nämlich um den mit Abstand kleinsten Saal der Tournee. Es ist nicht schwer, der Aussage zu glauben, wenn man die Räumlichkeiten des Clubs mit den Bildern aus Prag oder Mailand vergleicht. Aber dieser Umstand hat auch etwas für sich: Egal, wo man sich in den ausverkauften räumlichen Gegebenheiten befindet, der Blick auf die Bühne ist in jedem Fall gut. Beste Voraussetzungen also, um den ungefähr 1500 Zuschauerinnen und Zuschauern drei Stunden bombastischen Melodic Metal zu präsentieren.

Nach Beethovens 'Freude Schöner Götterfunke'‘ erfolgt der Auftakt in Form von 'Ghost In The Moon', der Eröffnungsnummer des aktuellen Drehers „Moonglow“. Die Nummer wird von Tobias und der Band noch ohne Gastauftritte bestritten, ist aber bereits richtungsweisend für die gute Laune und Spielfreude aller Beteiligten am heutigen Abend. Vorab durfte man besonders gespannt sein, wie der Mittelteil des überraschend harten 'Book Of Shallows', der in der Studioversion von Kreator-Frontmann Mille Petrozza performt wird, live klingen würde. Die Antwort: Ein bestens aufgelegter Ronnie Atkins (Pretty Maids) teilt sich die Passage mit Background-Sängerin Adrienne Cowan, die ihre Lines fast noch giftiger herauskeift als Mille selbst. Überhaupt muss die bärenstarke Leistung der US-Amerikanerin an dieser Stelle erwähnt werden. Schließlich überzeugt sie am heutigen Abend nicht nur mit Gekeife, sondern tritt auch noch in die Fußstapfen von Candice Night ('Moonglow') und Within Temptation-Frontfrau Sharon den Adel ('Farewell'). Hut ab!

Doch auch die weiteren Gesangsperformances lassen keine Wünsche offen. Die norwegische Rockröhre Jørn Lande mimt im untrennbar mit ihm verbundenen AVANTASIA-Klassiker 'The Scarecrow' und in 'Lucifer' den charismatischen Mephisto, Bob Catley (Magnum) verzaubert wie gewohnt in 'Lavender' und 'The Story Ain’t Over' das Publikum als Märchenonkel und Ex-Queensrÿche-Sänger Geoff Tate sorgt mit seiner emotionalen stimmlichen Darbietung in 'Invincible' für Gänsehaut. Auch Eric Martin (Mr. Big) kann mit seinen melodischen Rock-Vocals glänzen, sodass das „Flashdance“-Cover 'Maniac' und der Hit 'Dying For An Angel' im Duett mit Meister Sammet ordentlich Party-Stimmung aufkommen lassen. Und natürlich sollen an dieser Stelle auch nicht die Leistungen von Tobias unerwähnt bleiben. Wie der AVANTASIA-Kopf mit unerschütterlicher Energie 22 der 24 gespielten Songs in Höchstform mit seinen Gästen performt, über die Bühne fegt, Ansagen macht und das Publikum zur Beteiligung animiert, ist einfach faszinierend. Aber auch, wenn der Mastermind einmal nicht auf der Bühne ist, sorgen unter anderem Jørn und Eric Martin dafür, dass die Partystimmung dauerhaft erhalten bleibt.

Auf eine markante Stimme im AVANTASIA-Kosmos muss allerdings dieses Mal leider verzichtet werden: Michael Kiske ist aufgrund anderweitiger Arbeiten leider verhindert. Dieser Umstand fällt allerdings überhaupt nicht ins Gewicht, da zum Beispiel beim Kiske-Signature-Track 'Shelter From The Rain' Gitarrist und Background-Sänger Olli Hartmann in den Fokus rückt und mit einer großartigen Performance punkten kann.

Besonders erwähnenswert ist darüber hinaus das wunderschöne Bühnenbild der „Moonglow“-Tour. Während im Hintergrund Motive von jedem Album ab „The Scarecrow“ auf die Leinwand projiziert werden, besteht die zweistöckige Bühne aus einem Setting, das an eine nächtliche Straße im viktorianischen England erinnert. Abgesehen davon kann sich Tobi in seinen Ansagen leichte Sticheleien gegen die ebenfalls heute in Berlin auftretenden Manowar nicht verkneifen: „Ich glaube, wir sind doch heute die einzige richtige Metal-Band, die in Berlin spielt, oder?“ Nachdem im späteren Verlauf des Abends ein Plastikbecher seinen Weg auf die Bühne gefunden hat, entgegnet der Band-Kopf scherzhaft: „Also, wenn ich Joey DeMaio wäre, wär das Konzert jetzt vorbei.“ Aber der Gig ist natürlich noch lange nicht vorbei. Erst nach dreieinhalb Stunden, von denen selbst abzüglich der Ansagen eine Nettospielzeit von über drei Stunden bleibt, und dem klassischen Rausschmeißer-Medley 'Sign Of The Cross/The Seven Angels' endet ein Konzert, das keine Fan-Wünsche offenlässt. Songs von jedem Album außer „Angel Of Babylon“ und „The Mystery Of Time” finden ihren Weg in die Setlist und bieten das Rundum-sorglos-Paket. Anlass zur Kritik bietet höchstens die Reihenfolge der Songs zu Beginn der Setlist. Abgesehen von 'Lucifer' und 'Reach Out For The Light' werden zunächst acht Songs vom aktuellen (starken) Output „Moonglow“ zum Besten gegeben. Hier wäre es vielleicht sinnvoll gewesen, die Lieder vom neuen Album und ältere Tracks mehr miteinander zu durchmischen. Aber ganz ehrlich: Wen stört das schon ernsthaft bei der hier gebotenen Qualität und Quantität?

SETLIST

Freude Schöner Götterfunken (Intro)
Ghost In The Moon
Starlight
Book Of Shallows
The Raven Child
Lucifer
Alchemy
Invincible
Reach Out For The Light
Moonglow
Maniac
Dying For An Angel
Lavender
The Story Ain’t Over
The Scarecrow
Promised Land
Twisted Mind
Avantasia
Let The Storm Descend Upon You
Master Of The Pendulum
Shelter From The Rain
Mystery Of A Blood Red Rose
Lost In Space

++++

Farewell
Sign Of The Cross/The Seven Angels

Bands:
AVANTASIA
Autor:
Lukas Höpfner

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