Interview

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AXXIS - Auf Schlager-Rallye mit Costa Cordalis

Als die Dortmund/Lünen-Connection AXXIS 1989 mit “Kingdom Of The Night³ raketenmäßig durchstartete, rechnete jeder mit einer ganz großen Karriere. Doch trotz vorhandenem Hitpotential, einem Major-Label im Rücken und einigen erfolgreichen Tourneen wurde es nach den immensen Anfangserfolgen zunehmend ruhiger um die Band.

Nun macht sich das Quintett auf, verlorenen Boden zurückzuerobern. Der Kreis schließt sich, und passenderweise ist der Albumtitel “Back To The Kingdom³ Programm: Melodischer, teils sehr poppiger Rock mit hohem Flauschfaktor zeichnet die Band auch im neuen Jahrtausend aus. AXXIS bleiben sich treu.

Nach einigen durchaus erfolgreichen Jahren beim Major EMI und einer fast dreijährigen Szene-Abstinenz hat man mit Massacre Records nun einen neuen Brötchengeber gefunden. Klingt im ersten Moment verdammt nach Rausschmiss und dem verzweifelten Versuch, mit einem Indie-Label noch mal von vorne anzufangen...

 »Dahinter steckt eine komplexe Geschichte«, berichtet Keyboarder Harry Oellers. »Wir haben lange überlegt, ob wir bei Massacre unterschreiben sollen, da wir auf den ersten Blick nicht zusammen passen. Allerdings wollten wir nach unserem letzten EMI-Release “Voodoo Vibes³ (der mächtig floppte - d.Verf.) etwas ganz Neues probieren. Man muss natürlich auch sehen, dass es für die großen Labels heutzutage viel einfacher ist, die schnelle Kohle mit irgendwelchen Techno- oder R´n´B-Acts zu machen. Die komplette Rock-Abteilung der EMI wurde umstrukturiert, und alle unsere Ansprechpartner sind oder wurden gegangen. Eine vernünftige Dance-Produktion bekommt man für ein paar tausend Mark hin, während man für die Aufnahme einer Rock-Scheibe wochenlang ein Studio anmieten muss. Dazu kommt noch die Verpflegung für Band und Knöpfchendreher. Ich habe einige Kumpels, die irgendwelche Samples in ihren PC hauen, ´ne Melodie dazumischen, und fertig ist die Techno-Produktion. Mit ehrlicher Mucke hat das aber nix zu tun.

Ein weiterer Faktor, der uns sehr zu schaffen machte, war, dass Walter Pietsch und Markus Gfeller ausgestiegen sind und wir dadurch ohne Gitarrist und Bassist dastanden. Wir haben überlegt, alles hinzuwerfen, rappelten uns aber doch recht schnell wieder auf. Die neuen Songs sind dann zu dritt entstanden. Das war eine zwanglose und relaxte Geschichte; schließlich wussten wir zu dem Zeitpunkt eh noch nicht, in welcher Form wir weitermachen würden. Das Flair der Anfangstage wurde recht schnell wieder spürbar. Es sprach sich rum, dass es uns noch gibt, und Massacre waren die ersten, die uns ein Angebot machten - obwohl sie noch keinen neuen Song gehört hatten! Wir haben zwar noch mit anderen Firmen verhandelt, waren von der Konsequenz, mit der Massacre an uns herangetreten sind, aber mächtig beeindruckt.«

Mit Gitarrist Guido Wehmeyer und Basser Udo Niemeyer haben AXXIS zwei frische Leute gefunden und sind für den Neubeginn bestens gewappnet. Allerdings ist es fraglich, ob “Back To The Kingdom³ an die alten Erfolge wird anknüpfen können. Die eher schwache Platzierung in der Rock Hard-Richterskala spiegelt das alte Problem der Band wider: Entweder man steht bedingungslos zu dem eingängigen, leicht poppigen Stil der Truppe, oder man legt das Scheibchen ganz schnell ad acta. Eine weitere Sache, die der Band zu schaffen macht, ist die fehlende Plattform für Rockmusik.

»Ja, das ist leider richtig. Wir haben einen Großteil unserer Popularität dem Radio und speziell dem WDR zu verdanken, der viele unserer Songs auch im “normalen³ Programm gespielt hat. Es gab damals ´ne Sendung namens “Schlager-Rallye³, in der nur deutsche Schlager-Mucke zum Zuge kam. Irgendwann schickten die Verantwortlichen einen unserer Songs über den Äther, und von da an wünschten sich viele Leute diese Nummer, was uns für fast ein Jahr den ersten Platz bescherte. Es war schon witzig, nach Costa Cordalis oder anderem Schlager-Kram plötzlich AXXIS zu hören. Heute gibt es so gut wie keine Möglichkeit mehr, bei den größeren Radiostationen unterzukommen; das läuft fast alles nur im Underground ab.«

Das dürfte ein Problem für AXXIS sein; schließlich ist die Band alles andere als ein typischer Underground-Act. Bleibt die Frage, ob man sich nach der relativ langen Pause und dem miesen letzten Album noch auf seine alten Fans verlassen kann...

»Schwer zu sagen. Ich glaube allerdings, dass die Fans unsere Mucke nicht gehört haben, weil sie gerade trendy war. Die Leute honorierten, dass wir eine ehrliche und gute Rock-Band sind. Insofern hoffe ich natürlich auch, dass sich viele an uns erinnern und unsere neue Platte kaufen werden.«

Das Hoffen scheint sich gelohnt zu haben, denn “Back To The Kingdom³ ist auf Platz 63 in die deutschen LP-Charts eingestiegen.

Bands:
AXXIS
Autor:
Frank Trojan

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