Interview

Interview 08.04.2020, 15:23

AUDREY HORNE - Alles dicht – ein Quarantäne-Interview

AUDREY HORNE waren gerade in Deutschland unterwegs, als die Coronavirus-Pandemie und das damit einhergehende Veranstaltungsverbot die norwegischen Hardrocker dazu zwang, ihre „Waiting For The Night“-Tour vorzeitig abzubrechen. Frontmann Torkjell „Toschie“ Rød schildert uns diese verunsichernde Situation im Interview aus der Quarantäne.

Toschie, wie geht es dir nach der abgebrochenen Tour?

»Ich bin nun schon seit fast zwei Wochen in Quarantäne. Da wir aus Deutschland einreisten, mussten wir uns danach direkt in Quarantäne begeben. Wir sitzen jetzt also zu Hause fest (lacht). Ich habe aber kein Problem damit. Ich finde, das ist notwendig. Natürlich ist es ein bisschen ermüdend, aber ich habe eine Familie, also bin ich wenigstens nicht allein. Einige der anderen Jungs bei AUDREY HORNE wohnen allein, das ist vermutlich eine ganz andere Sache.«

Wie hast du die Situation erlebt, als ihr eure Tour von einen Tag auf den anderen in Deutschland abbrechen musstet?

»Ich habe mich nicht so gefühlt, als ob ich wegen des Virus in Gefahr wäre. Tatsächlich war ich sogar schon krank, bevor wir zu dieser Tour aufgebrochen sind, allerdings hatte das nichts mit dem Coronavirus zu tun, ich war deswegen nämlich beim Arzt. Ich hatte einen fiesen Husten und es fühlte sich ein bisschen an, als hätte ich Staub in den Lungen. Der Arzt bestätigte aber, dass es kein Covid-19 war, sondern eine „normale“ Atemwegsinfektion. Auf Tour hatten wir eigentlich keine Angst, uns anzustecken, das änderte sich erst am letzten Tag. Wir spielten am 12. März in Nürnberg und das war der Tag, an dem irgendwie alles explodierte. Wir sahen in den Nachrichten die Pressekonferenz der norwegischen Regierung und sie machten alles zu. Da wurde uns klar, dass die ganze Sache ein größeres Ausmaß angenommen hatte als wir dachten. In Deutschland war da noch nicht alles dicht. Da wurden gerade die Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern abgesagt, an einigen Orten ab 500 Besuchern. In Norwegen war bereits alles abgesagt. Für uns war das merkwürdig, denn wenn wir zum Beispiel posteten „Wir gehen in einer Stunde auf die Bühne“, fragten uns die Leute in Norwegen: „Was, ihr spielt ein Konzert? Heute spielt doch niemand ein Konzert!“ Das war also irgendwie komisch, und es war wirklich verstörend, als wir merkten, dass es sich hier um eine Pandemie handelt, die sich wirklich schnell verbreitet. Wir fingen also an, darauf zu achten, was wir alles anfassten und wie nah wir den Leuten kamen. Aber dennoch spielten wir an diesem Tag ein Konzert, und wenn du eine Show spielst, ist es wirklich schwierig, Abstand zu den Leuten zu halten. Wir taten alles, was uns möglich war, und dann beschlossen wir von uns aus, den Rest der Tour abzusagen. Das spielte aber nicht wirklich eine Rolle, denn wenn wir das nicht gemacht hätten, wäre es ohnehin abgesagt worden.«

War es für euch schwierig, überhaupt noch nach Hause zu kommen? Flugreisen und Zugfahrten wurden zu diesem Zeitpunkt ja schon stark eingeschränkt.

»Ja, in der Tat! Das war auch einer der Gründe, wieso wir uns entschlossen hatten, vorzeitig nach Hause zu fahren. In Norwegen sprach man schon darüber, die Flughäfen zu schließen, und wir dachten nur: „Mist, was ist, wenn wir nicht mehr nach Hause kommen?“ Wahrscheinlich hätten sie uns als norwegische Staatsbürger schon irgendwie wieder ins Land gelassen, aber das wussten wir zu diesem Zeitpunkt nicht. Wir fragten uns, ob sie uns nicht erst einmal in Deutschland für zwei Wochen in Quarantäne stecken würden. Das wäre schon hart gewesen, denn einige von uns in der Band haben Familie. Auf Tour unterwegs zu sein, ist eine Sache, aber es ist etwas ganz anderes, wenn du zwei Wochen weg bist, ohne etwas zu tun. Wir beschlossen also, nach Hause zu reisen. Und als wir die Flugtickets kauften, deutete nichts darauf hin, dass es irgendwelche Probleme geben würde. Wir merkten, dass wir nach Hause kommen würden, und dann verließ uns langsam die Nervosität.«

Was passierte dann, als ihr in Norwegen gelandet wart?

»Wir hatten tatsächlich etwas Angst, was dann passieren würde. Würden uns Leute aufhalten, weil wir aus dem Ausland nach Norwegen eingereist waren? Müssten wir getrennt von unseren Familien in Quarantäne gehen, in ein Hotelzimmer oder so etwas? Würden sie uns direkt auf das Coronavirus testen? Aber dann kamen wir am Airport an und es passierte gar nichts. Wir verließen das Flugzeug und es waren kaum Menschen am Flughafen. Wir konnten einfach nach Hause fahren. Aber wie dem auch sei, so eine Situation, wie wir sie jetzt alle erleben, ist in Nordeuropa seit mindestens 50 Jahren nicht mehr passiert, wenn nicht noch länger. Es ist eine sehr bizarre Situation. Aber es ist, wie es ist. Das ist nichts, was man sich wünscht, aber wir müssen uns an die Ausgangsbeschränkungen halten. Das ist jetzt das einzig Richtige, was wir tun können.«

http://www.audreyhornemusic.com/
https://www.facebook.com/AudreyHorneOfficial/

Bands:
AUDREY HORNE
Autor:
Alexandra Michels

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