Festivals & Live Reviews

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ANVIL , GIRLSCHOOL - Aschaffenburg, Colos-Saal

Faszinierend, was ein Kinofilm ausmacht! Ohne die legendäre ANVIL-Dokumentation von Sascha Gervasi, hätten die Kanadier heute wohl nur eine bescheidene Menge an Zuschauern gezogen und würden weiterhin im tiefen Underground herum dümbeln. So ist das Colos-Saal, welches heute einem Saunaclub gleichkommt, ordentlich gefüllt und nach dem WM-Sieg gegen Argentinien mit Menschen in bester Stimmung besetzt. Mit GIRLSCHOOL haben die Kanadier zudem die passendste aller Vorbands dabei. Schade nur, dass der Großteil der Anwesenden aus alten Veteranen besteht und nur wenige neue Fans gewonnen werden konnten.

Gewohnt spielfreudig legen die Golden Girls von der Insel los. Geschickt verbinden Kim, Denise, Enid und Jackie 45 Minuten lang Klassiker der NWOBHM ('Demolition', 'C`mon Let`s Go', 'Hit & Run', 'Screaming Blue Murder', 'Race With Devil' und 'Emergency') und Nummern neueren Datums (u.a. 'Never Say Never', 'I Spy', 'Everything`s The Same'), wobei man sich doch fragt, ob bei Kim Alzheimer eingekehrt ist, als sie die Nummer 'I Spy' als eine brandneue vorstellt. Ansonsten machen die Damen wie immer Freude und beweisen mit einem tighten Set einmal mehr, dass sie der Inbegriff des weiblichen Heavy Metals waren, sind und wohl auch weiterhin bleiben werden. Widerwärtig nur die zahlreichen Hobbyfotografen, die in der ersten Reihe darauf warten, dass Jackie die Brüste aus ihrem heißen Oberteil fallen. Unabhängig davon stellt sich die Frage, wie Jackie und Enid aus ihren vollgeschwitzten Lederhosen rausgekommen sind...

ANVIL setzen erstmal auf die Retrokarte und starten ihren Set total Oldschool: 'March Of The Crabs', '666', 'School Love' und 'Winged Assassins', bevor mit dem Titeltrack des aktuellen Albums "This Is Thirteen" klargestellt wird, dass die Kanadier mehr als nur Klassiker auf Lager haben. Schon beim Opener (wer traut sich schon mit einem Instrumental seinen Set zu beginnen?) wird klar, wie sehr sich Lips über die Publikumsreaktionen freut und was ihm die Geschichte seiner Band bedeutet. Apropos Lips (alias Steve Kudlow): War Dio die Stimme des Hardrocks/Heavy Metals, so ist der kleine Gitarrist die Fratze und neben Dee Snider der Entertainer überhaupt. Immer hat er ein Lächeln auf den Lippen, eine Anekdote auf Lager und besticht zudem durch sein außergewöhnliches Gitarrenspiel. Die Truppe selber ist mittlerweile zum Trio geschrumpft und überraschenderweise vermisst man die fehlende zweite Gitarre eigentlich nicht, was nicht zuletzt am genialen Robb Reiner (der selbstverständlich ein kurzes Solo gibt) und Glenn „Five“ Gyorffy am Bass liegt. Als geschlossene Einheit schaffen es die drei, die Authentizität aus dem Film, ebenso wie den alten Spirit, problemlos wieder aufleben zu lassen. Zur Setlist: Im Grunde ist es die gleiche, wie bei der letzten US-Tour, wobei mit 'AC/DC', 'Free As The Wind', 'Motormount', 'Concrete Jungle', 'Blood On The Ice' und natürlich 'Smokin` Green' (komisch, dass das Thema Kiffen im Film irgendwie unter den Tisch fiel, denn auch heute standen die Herren Lips und Reiner definitiv unter Einfluss ausgewählter Rauchwaren) der eine oder andere Klassiker fehlt. Aber nicht zuletzt wegen der brutalen Hitze (einige erinnern sich noch an den ebenfalls unter tropischen Temperaturen stattgefundenen Gig im Jahr 1993 mit Titan Force in Offenbach, bei dem Band und Publikum ebenfalls alles abgefordert wurde), darf man sich über die 90 Minuten Spielzeit nicht beklagen. Fazit: Ein genialer Konzertabend der zu den Wurzeln des Heavy Metals führte und die Bedeutung der Truppe eindrucksvoll verdeutlicht. Höhepunkte dabei die Megaversion von 'Mothra' (bei der Lips den Vibrator auspackt) und die Überhymne 'Metal On Metal' (hier darf man sich schon auf den mächtigen Publikumschor beim Bang Your Head!-Festival freuen). Schön, dass das Trio auf seine alten Tage noch mal in gut gefüllten Hallen spielen kann und etwas von seinem verdienten Ruhm erntet. Aber eigentlich müsste man in einer wesentlich höheren Liga spielen! Eine Bitte noch an unseren Chefredakteur: Wie wäre es mit ANVIL beim nächsten Rock-Hard-Festival?!?!

WOLFRAM KÜPER

SETLIST ANVIL

March Of The Crabs

666

School Love

Winged Assassins

This Is Thriteen

Mothra

Flying Blind

Thumb Hang

White Rhino

Mad Dog

Forged In Fire

Metal On Metal

---

Jackhammer

Fotos: Britta Stippich

Bands:
ANVIL
GIRLSCHOOL
Autor:
Wolfram Küper

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