Festivals & Live Reviews

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EVIDENCE ONE , Y&T - Aschaffenburg, Colos-Saal

Klasse, wenn US-Hardrocker Jahre nach ihren Karrierehochzeiten auch den alten Kontinent (wieder) für sich entdecken. So geben Journey, Tesla, Twisted Sister, Great White, Extreme oder insbesondere Y&T, die innerhalb weniger Jahre mehrfach bei uns vorbei schauten, gefeierte und durchweg gelungene Kostproben ihres Schaffens. Gut so!

Leider stehen nach dem umjubelten Auftritt beim Rock-Hard-Festival aber nur zwei Auftritte des Quintetts in Deutschland an. Dementsprechend finden sich im Colos-Saal zahlreiche angereiste Fans aus der ganzen Republik ein und wieder einmal werden die Veranstalter mit einem gut gefüllten Haus belohnt. Apropos Fans: Dass es sich dabei ausschließlich um ein Ü-40-Publikum handelt, überrascht wenig.

EVIDENCE ONE ist letztlich genau die richtige. Zwar war die Truppe in diesem Jahr bühnentechnisch wenig aktiv, davon merkt man aber nichts. Auch wenn das Quartett nicht gerade vielen der Anwesenden im Vorfeld vertraut ist, schafft man es nach anfänglicher Zurückhaltung des Publikums, dieses schnell auf seine Seite zu ziehen.

Da stören weder der anfangs schlechte Sound noch die sehr beengte Bühne. Einmal mehr beweist die Truppe ihre Routine und Klasse und demonstriert, dass man zumindest national zur Hardrock-Elite zählt und auf der Bühne noch besser und härter als auf dem Rundling rüberkommt.

Daumen hoch!

Y&T hatten bei uns leider nie den Erfolg, den sie verdient gehabt hätten. Unabhängig davon genießt die Truppe heute noch einen Kultstatus als Veteranen des US-Hardrocks und den unterstreichen sie ein weiteres Mal eindrucksvoll. Passend legt man mit 'Hurricane' (eine Nummer, auf die man beim Auftritt in Texas letzte Woche aus naheliegenden Gründen sicherlich verzichtet hat) los und bietet dann eine umfassende Werkschau seiner zahlreichen Veröffentlichungen. In Sachen Setlist arbeitet man sich durch alle Phasen seit dem Debüt (1981) und lässt auch die Neunziger-Alben nicht unter den Tisch fallen.

Dabei wird einmal mehr die Masse an Klassikern ebenso wie die Bandbreite der Nummern deutlich und so lässt sich im Rückblick sagen, dass Songs wie 'Black Tiger', 'Hurricane', 'Meanstreak', 'Midnight in Tokyo' oder 'Forever' die Schnittstelle zwischen Hardrock und Heavy Metal perfekt ausloten und immer noch zu den Genrehighlights zählen. Damit nicht genug, denn eine Powerballade wie die Zugabe 'I Believe In You' sowie den treffenden Blueseinschlag bei den ruhigeren Passagen schaffen die wenigsten Bands. Letztlich hat Mastermind Dave Meniketti sogar mehr Bluesfeeling im kleinen Finger als Gary Moore in beiden Händen. Und überhaupt: Das Line-up zählt mit Phil Kennemore (Bass und bei einer Nummer auch Leadvocals), John Nymann (Gitarre) und Mike Vanderhule (Drums) möglicherweise zu den besten, die unter dem Y&T-Banner jemals angetreten sind. Nicht nur, dass die alten Herren körperlich topfit wirken, man merkt ihnen den Spaß auf der Bühne auch an.

Und wenn die Herren dann bei der Zugabe fast auf der Bühne stolpern (Mike) oder ihre Gitarre fallen lassen (Dave), liegt das eher am beständigen Jägermeisterkonsum des Abends als an Altersschwäche. Immerhin können die beiden den Namen des Getränkes im Gegensatz zu den meisten Amerikanern richtig aussprechen. Und was die körperliche Frische betrifft, da sagt die Spieldauer alles: 2 Stunden und 30 Minuten! Dass dabei trotzdem Klassiker wie 'Open Fire' oder 'Hungry For Rock' keine Berücksichtigung finden, ist durchaus verschmerzbar. Eines noch zur Optik: Viele haben heute alte Scheiben der Truppe zum Signieren dabei und wenn man darauf die alten Bilder mit Spandex, Haarspray, Streifenhosen, Einteilern, Bändelchen, zahlreichen Ketten und Schals sieht, muss man sagen, die Truppe sah nie besser aus. Fazit: Der Abend ist ein wirkliches Konzerthighlight, das klar macht, dass mit der Truppe weiterhin zu rechnen ist. Denn die besten Nachrichten kommen zum Schluss des Abends: Man sagt sich bereits für das nächste Jahr wieder an, wird dann sein 35-jähriges (!) Jubiläum feiern und arbeitet bereits an neuem Material.

Irgendwelche Wünsche offen? Nein!

Pics: Britta Stippich

Bands:
EVIDENCE ONE
Y&T
Autor:
Wolfram Küper

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