Interview


Pic: Rakel Erna Skarphéðinsdóttir

Interview 15.04.2019, 13:37

ÁRSTÍDIR LÍFSINS - Online-Ergänzung zu Rock Hard Vol. 384

Stefán, Bandkopf des deutsch-isländischen (Pagan-)Black-Metal-Kollektivs ÁRSTÍDIR LÍFSINS hatte in unserem Interview in Rock Hard Vol. 384 so viel zu erzählen, dass wir euch nähere Details zur dritten Platte „Saga Á Tveim tungum I: Vápn Ok Vidr“ nicht vorenthalten wollen.

Stefán, der Titel der aktuellen Platte lässt vermuten, dass es eine direkte Fortführung, einen zweiten Teil, davon geben wird?

»Ja, das stimmt. Der zweite Teil, der den Titel „Saga Á Tveim Tungum II: Eigi Fjǫll Né Firdir“ („[Eine] Geschichte in zwei Sprachen II: Weder Berge noch Fjorde“) tragen wird, wurde zusammen mit dem ersten aufgenommen und erscheint wahrscheinlich noch im Herbst/Winter 2019. Beide Alben ergänzen sich und sollen auch so verstanden werden.«


Kommen wir erst mal wieder zurück zum ersten Teil. In 'Fregit Hefk Satt' scheint ihr euch auf ein skaldisches Gedicht zu beziehen?

»Dieses Lied beinhaltet drei weitere Strophen des (im Heft - mam) erwähnten „Geisli“. Sie geben Passagen wieder, die von einem Traum von Olaf des Heiligen erzählen. In diesem träumt er seinen eigenen Tod – und die darauffolgende Himmelfahrt. Das Gedicht ist direkt vor dem letzten Song platziert, der den Tod des Königs (und den des Protagonisten) wiedergibt.

Als kleine Zusatzinfo sollte hier vielleicht erwähnt werden, dass (fast) alle Songs auf unseren Alben als Liedtitel die ersten (Teil-)Sätze der Songtexte tragen, die durch sie eingeleitet werden. Ähnlich wie Rubriken in mittelalterlichen Handschriften sind diese im Booklet rot hervorgehoben und weisen damit „mittelalterlich“ auf einen neuen Song hin. Es ist daher nicht verwunderlich, dass auf einem Album zwei Songs aus derselben Originalquelle stammen, aber verschiedene Titel haben.«


Könnte auch andere isländische Literatur dich und/oder die Band interessieren/beeinflussen – wie zum Beispiel „Sorcerer's Screed: The Icelandic Book Of Magic Spells“?

»Sicher haben Autoren wie Jochum Magnús „Skuggi“ Eggertson ihren Reiz, jedoch fehlt mir in deren Schriften etwas der wissenschaftliche Hintergrund. Da bin ich wahrscheinlich von Beruf aus zu arrogant eingestellt. Außerdem benutze ich für ÁRSTÍDIR LÍFSINS seit jeher nur mittelalterliche Quellen, und die überwiegend im Original. Ich freue mich aber, wenn sich andere mit Schriften von Skuggi befassen und für ihre Zwecke benutzen können.«


In der Vergangenheit habt ihr euch mit der Christianisierung Islands im späten zehnten und frühen elften Jahrhundert befasst – die Darstellung fand aber vermutlich nah an der historischen Überlieferung statt und hat nichts mit einer möglichen antichristlichen Haltung zu tun, oder?

»Die Texte sind seit jeher wertfrei verfasst und erzählen Geschichten, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Als Verfasser und Kompilator versuche ich da in den Schatten zu treten und lasse lieber die Quellen für sich sprechen. Natürlich ist der Ton in vielen der benutzten skaldischen Strophen ziemlich rau, jedoch ist diese Brutalität keine, die besonders wäre für eine der Glaubensrichtungen. Außerdem trägt diese Rauheit ja auch ganz gut zum Gesamtbild der Musik bei.«


Musikalisch habt ihr Black Metal als Sprachrohr gewählt. Weißt du noch, was dazu geführt hat, dass dich dieses Genre fasziniert?

»Eine einzelne Band zu nennen ist hier schwer. Allgemein waren es vor allem die norwegischen und schwedischen Bands der zweiten Welle, die mich begeistert haben. Sicher stechen hier altbekannte Bands wie Enslaved, Ulver, Immortal, Emperor, Satyricon, Kvist, Mayhem, Darkthrone, Gorgoroth, Dissection, Marduk und vielleicht auch Sacramentum heraus. Richtig zum Genre hingeführt haben mich aber Sodoms „Persecution Mania“ und Bathorys „Under The Sign Of The Black Mark“.«


Zu guter Letzt: Zwischen all dem Historischen und Fiktiven steckt mit Sicherheit auch etwas Persönliches in eurer Musik, oder?

»Eine gewisse pessimistische Weltsicht scheint wahrscheinlich ab und an durch, jedoch ist diese bereits ganz gut in den Originalquellen nachzulesen. Ich stimme diesen daher in so mancher Hinsicht zu.«


www.facebook.com/arstidirlifsins



Bands:
ARSTIDIR LIFSINS
Autor:
Mandy Malon

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