Festivals & Live Reviews


Pic: Thorsten Seiffert

Festivals & Live Reviews 07.08.2019, 15:52

ANTHRAX - München, Backstage (Werk)

Nachdem ANTHRAX zuletzt in München als Support von Slayer gastierten, wurde es mal wieder Zeit für eine Headliner-Show. Als Support wurden die Neuseeländer Thrasher von ALIEN WEAPONRY verpflichtet.

Um kurz vor acht Uhr ist das Backstage Werk schon nahezu voll, deshalb erweist sich Bier holen heute als wahre Geduldsprobe – umso besser, dass ALIEN WEAPONRY pünktlich um 20 Uhr die Bühne stürmen. An den drei (sehr) jungen Männer kam man in letzter Zeit eigentlich nicht vorbei: ebenfalls Support für Slayer auf ihrer Abschiedstour, Auftritte auf internationalen Festivals und Berichterstattung in nahezu allen einschlägigen Fachmagazinen. Heute Abend haben sie die Chance, ihrem Ruf vor vollem Haus gerecht zu werden. Musikalisch verbindet das Trio Maori, die Sprache der neuseeländischen Ureinwohner, mit schleppendem Riffing. Die ersten Reihen zeigen sich durchaus begeistert, spätestens als die neue Single 'Blinded' angestimmt wird, steht im Graben des Werks niemand mehr still. Man muss sich aber dennoch fragen, woher der Hype um diese Band stammt. Mit richtigem Thrash hat das, was die Truppe um Fronter Lewis de Jong auf die Bühne bringt, schon mal nicht viel zu tun. Bessere Riffs gibt's bei Havok, mehr Energie bei Dust Bolt und mehr Spaß bei Crisix. Das Alleinstellungsmerkmal Maori ist lediglich beim Intro deutlich zu hören und blitzt ab und zu mal wieder auf. Insgesamt ein netter Einstieg, vor allem der mehrstimmige Gesang sei an dieser Stelle positiv erwähnt – mehr allerdings nicht. Da fragt man sich schon, ob es für eine Legende wie Anthrax nicht einen passenderen Support gegeben hätte.

Gerade frisch vom Wacken Open Air zurückgekehrt, zeigen ANTHRAX keine Ermüdungserscheinungen und woher der gerade erwähnte Legendenstatus kommt. Ab der ersten Sekunde herrscht nicht nur im Publikum sondern auch auf der Bühne eine unglaubliche Energie. Die erfahrenen New Yorker Thrasher wissen einfach wie es geht: Bevor das eigentliche ANTHRAX-Set angestimmt wird, zockt Scott Ian lässig eine Runde 'Cowboys From Hell' an. Dank des Pantera-Klassikers fällt der Moshpit beim eigentlichen Opener 'Caught In A Mosh' umso heftiger aus. Auch mit den nächsten Songs gibt es für München keine Gnade. Mit Old-School-Granaten wie 'I Am The Law' haben ANTHRAX die Zuhörer voll in der Hand. Eine kurze aber nötige Verschnaufpause liefert die Band mit 'Breathing Lighting' vom aktuellen Album „For All Kings“. Richtig beeindruckend in Szene gesetzt kommt dann 'In The End' vom unterschätzten „Worhip Music“-Album daher. Ein sich steigerndes Cello-Intro wird von heftigen Drums und einer verdammt wuchtigen Gitarre abgelöst. Frontmann Joey Belladonna scheint heute in Höchstform zu sein - ohne Zweifel einer der beeindruckendsten Sänger im Metal, vor allem wenn man sich seine stimmliche Entwicklung genauer anhört. Während die Meisten im Alter um die hohen Töne herumnavigieren, kostet Belladonna geradezu jede Sekunde davon aus – vom opernhaften Vibrato ganz zu schweigen. Als Zugabe gibt’s dann nochmal zwei todsichere Ausrast-Nummern. Mit 'Antisocial' (eigentlich ja ein Cover der französischen Band Trust – schon beeindruckend, wie sehr ANTHRAX sich diesen Song zu Eigen gemacht haben) und 'Indians' verabschieden sich die fünf Thrasher von München. Nein, nicht ganz richtig: Die letzten Riffs stammen wieder von 'Cowboys From Hell' und bilden einen schönen runden Abschluss. Nach einem konstanten Mosh-Circle-Pit über die komplette Showlänge ist ihnen auch niemand böse, dass München „nur“ ein 90-Minuten-Set zu hören bekommen hat. Am Ende dieses bemerkenswert energiegeladenen Club-Konzerts bleibt eigentlich nur noch zu hoffen, dass ANTHRAX noch lange mit so viel Sympathie und Leidenschaft weitermachen!

Anmerkung der Redaktion: Da keiner unserer Fotografen in München vor Ort war, ist ein Live-Bild zu sehen, das Thorsten Seiffert beim Rock Hard Festival geschossen hat.

Bands:
ANTHRAX
ALIEN WEAPONRY
Autor:
Elias Witzigmann

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