Interview

Interview 21.06.2021, 11:34

ANGSTSKRÍG - Erwartet das Unerwartete

Es ist nicht ungewöhnlich, dass neue Bands aus dem Black-Metal-Umfeld sich heutzutage vollständig anonymisieren, anstatt Pseudonyme zu verwenden. ANGSTSKRÍG aus Dänemark folgen den Genre-Traditionen nur bedingt und haben ihr kompaktes, rifflastiges Album „Skyggespíl" mit einigen bekannten Gästen aufgewertet, während sie selbst hinter schwarzen Strumpfmasken verborgen bleiben. Wir nahmen Kontakt auf und erhielten Einblick in die Grundlagen des selbstbewussten Duos, das sich einer Gratwanderung zwischen Mystik und Bühnenlicht gegenüber sehen wird.

Stimmt es, dass ihr einander schon viel länger kennt, als es die Band gibt? Was hat euch früher verbunden, eventuell getrennt und nun wieder zusammen geführt?
»Ja, das ist richtig. Wir gehen zurück zu den Anfängen unserer musikalischen Laufbahn. Als wir jung waren, hatten wir einen gemeinsamen Mentor, der uns den Weg wies, um kreative und technisch fähige Musiker zu werden. Aber aufgrund von unterschiedlichen Lebensentscheidungen, wie beruflichen und musikalischen Möglichkeiten, sind wir für einige Zeit getrennte Wege gegangen. Dennoch haben wir uns nicht aus den Augen verloren und uns wieder zusammengetan als im Sommer 2019 die richtige Zeit gekommen war.«

Fühlt ihr euch gewissen Szeneströmungen besonders verbunden? „Skyggespil" ist basisch, knorrig, direkt und dabei doch dynamischer und offener als vieles im traditionellen Black Metal.
»Zunächst und an erster Stelle fühlen wir uns den Dekaden an Rock 'n' Roll und Metal verbunden, da wir lediglich die Nachfolger der Bands und Künstler vor uns sind. Das ist der Grund, wieso unser Sound so eklektisch ist. In Bezug auf Black Metal haben wir viel Inspiration aus der norwegischen Tradition gezogen.«

Relativ unerwartet spielt ihr mit Klargesang, Piano-Interludes oder psychedelischen Keys, was bei der sonstigen Ästhetik von schwarzen Masken und Galgenstricken weniger zu erwarten war. Wie komponiert ihr diese Parts abseits der Riffs, Drums und Screams?
»Man sollte immer das Unerwartete von uns erwarten. Klargesang, Piano und Hammondorgel gehören zum selben Handwerkszeug wie die anderen von dir genannten auch. Wir können sie nehmen und einsetzen, wenn wir wir eine besondere Stimmung erreichen, oder eine einzelne Story wollen. Für uns kann Klargesang unheimlicher klingen als Schreien, und ein Piano kann mehr Kraft ausstrahlen als eine verzerrte Gitarre. Es kommt immer auf den Kontext an.«

Die Texte auf dem Album sind alle auf Dänisch verfasst. Viele skandinavische Bands nutzen ihre Muttersprache zur Unterstützung der Atmosphäre in ihrer Musik, aber ein Großteil des Publikums wird es nicht verstehen. Wo liegen die Gründe für eure Entscheidung und könnt ihr euch vorstellen, dies in Zukunft zu ändern?
»Auf Dänisch können wir uns selbst am präzisesten ausdrücken. Es gibt Zwischentöne in der deutschen, englischen, französischen oder italienischen Sprache, die wir als Nicht-Muttersprachler nie erreichen könnten. Allerdings entwickeln sich ANGSTSKRÍG wie alles andere in diesem Universum weiter und wir werden uns nicht vor Texten in anderen Sprachen verschließen, wenn es passt. Und da ich das nun gesagt habe, möchten wir die Leute umso mehr ermutigen, sich unsere Texte zu übersetzen, um unsere Gedanken und die Musik besser nachzuvollziehen.«

Ihr entscheidet euch zur Anonymität, aber es gibt diverse Gäste auf dem Album, die mit Klarnamen erscheinen. Ist es nicht naheliegend, dass Presse und Hörer sich dann umso mehr Gedanken zu euren Hintergründen machen?
»Zum Großteil konzentrieren sich die Leute auf die Musik. Falls sie sich von der Musik ablenken lassen, werden wir die Situation neu bewerten müssen. Aber so weit so gut bislang.«

Wo wurden die Videos zu 'Lucifer Kalder' und 'Skyggespil' gedreht? Wir sehen schroffe Natur und altes Gemäuer, vor denen ihr performt oder durch den Wald lauft. Mit dabei sind zwei mysteriöse Säcke, deren Inhalt niemand kennt. Habt ihr bewusst klassische Black-Metal-Motive mit abstrakter, minimalistischer Kunst verbunden?
»Das Video zu 'Lucifer Kalder' wurde in Stevns Klint (eine Steilküste südlich von Kopenhagen – mes) und in Freds (Frederic Leclercq – Kreator, ex-Dragonforce, uvm.) Keller gedreht. 'Skyggespil' ist in Hareskoven (ein Waldgebiet bei Kopenhagen – mes), Tisvilde Hegn (ein Waldgebiet an der nördlichen Küste Dänemarks – mes), bzw. der Teil von Attila Vörös (Live-Gitarrist von Sanctuary, ex-Týr, ex-Satyricon, uvm.) irgendwo entlang der Donau entstanden. Ästhetisch haben wir die Orte als Hommage an die Verbindung zwischen nordischen Landschaften und Black Metal ausgesucht. Außerdem konnten wir so einiges von Dänemarks schöner Natur zeigen.«

Die Gastauftritte von Frederic Leclercq (mit einem rotzigen Solo vor einem Black-Metal-Graffiti)und Attila Vörös wirken sehr direkt und unmystisch. Ein Bruch des rätselhaften, abstrakten Auftretens mittels eines harten Rock'n'Roll-Kontrasts?
»Ja und wir wollten, dass sie sichtbar sind, da Fred, Attila und die anderen Gäste großartige Beiträge geleistet haben, ohne die „Skyggespil" nur halb so gelungen wäre. Wir verdanken ihnen sehr viel.«

Versteht ihr euch als reines Studioprojekt, oder wollt ihr ANGSTSKRÍG auch auf die Bühne bringen?
»Wir bereiten uns definitiv aufs Touren vor und ihr könnt etwas anderes als klassischen Rock'n'Roll erwarten. Es wird eine Erfahrung für alle, die dabei sind.«


https://angstskrig.bandcamp.com

www.facebook.com/angstskrig

Bands:
ANGSTSKRÍG
Autor:
Meredith Schmiedeskamp

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