17.10.2018, 13:56

AMARANTHE - Metal im Fokus

Ein Jahrzehnt nach der Bandgründung hauen AMARANTHE ihren fünften Langspieler namens „Helix“ raus. Mit ihrer Mischung aus Metal-Riffs, elektronischen Melodien und poppigen Refrains konnte das schwedische Sextett in der Vergangenheit einige Fans gewinnen, wurde aber auch kritisch beäugt. Mit der neuen Platte wollen sich weiterhin auf dem Metal-Markt behaupten. Der ideale Anlass für ein Gespräch mit Gitarrist und Keyboarder Olof Mörck.

Olof, die erste Single '365' ist eine Mischung aus aktuellem Pop und modernem Metal und repräsentiert damit perfekt den AMARANTHE-Stil. Dennoch ist „Helix“ härter und tiefer gestimmt als die vorherigen Platten. Inwiefern habt ihr euren Stil noch weiter ausgearbeitet?

»Genau! Die Intention von '365' und dem Album als Ganzen bestand darin, jedes Experiment und jede Richtung der vorherigen Alben zu einer kohärenten Einheit zu vereinigen, und gleichzeitig die Dinge auf die nächste Ebene zu bringen, indem wir neue Einflüsse und eine ausgeprägtere Heaviness hinzugefügt haben. Elize und ich begannen im Sommer 2017 die allgemeine Ausrichtung des Albums zu besprechen, also hatten wir einige Monate Zeit, um in unseren Köpfen eine Vision von „Helix“ zu entwickeln, bevor wir mit dem Komponieren begannen. Schon vom ersten Lied an wussten wir sehr gut, wohin wir hinwollten.«

Neben der Ballade 'Unified' und dem doch sehr poppigen 'Breakthrough Starshot' sind auch einige härtere Songs dabei, wie 'My Haven'. Welcher ist für dich der härteste und Metal-typischste Song?

»Es hängt ein bisschen von der Definition von „hart“ ab, aber 'Iconic' ist sicherlich der schnellste und wahrscheinlich der Metal-typischste Song, den wir je gemacht haben. 'GG6' ist mit seinen markanten Growls definitiv auf der härteren Seite. Nach dem letzten Album, „Maximalism“ hatten wir das Verlangen, Songs mit einem ausgeprägten Fokus auf Metal zu schreiben.«

Vor der Veröffentlichung hast du bereits angekündigt, dass „Helix“ das stärkste und beste Album von AMARANTHE sein wird. Was macht es so speziell und bedeutungsvoll für dich?

»Zunächst einmal geht es ausschließlich um das eigene Bauchgefühl. Ich glaube wirklich nicht daran, dass man sich hinsetzen und eine Menge zufälliger Songs schreiben und diese dann alle auf ein Album packen kann. Du brauchst eine Richtung, und wenn dieses Thema und diese Richtung dich begeistern, dann macht es das viel einfacher, eine großartige und kohärente Einheit zu schaffen. Mit diesem Album wollten wir wirklich das typische AMARANTHE-Album schreiben, das so ziemlich alles enthält, was wir bei all den bisherigen Aufnahmen als gut empfunden haben. Und unserer eigenen bescheidenen Meinungen nach hat es genau so funktioniert, wie wir es uns erhofft hatten.«

Für mich vertritt das Album die Einstellung, auch mal kompromisslos zu sein und nichts zu bereuen. Liege ich damit richtig?

»Ziemlich genau das. Du gehst durch das Leben und gehst dabei Risiken ein, und wenn du die Dinge gut durchdacht hast, enden sie meistens zu deinen Gunsten. Aber natürlich tun sie das nicht immer, also musst du aus diesen Fehlern lernen und es nächstes Mal besser machen – anstatt deine Fehltritte zu bereuen und dich einer Vergangenheit zu widmen, die du nicht ändern kannst. Für uns geht es darum, nach vorne zu schauen, auf zum nächsten Level, zur nächsten Show, und unsere Reise fortsetzen.«

Woher habt ihr eure Inspiration bezogen? Gibt es bestimmte Bands, die ihr in letzter Zeit besonders häufig gehört oder die euch besonders geprägt haben?

»Ich persönlich habe Bands, zu denen ich immer wieder zurückkehre, wie Soilwork, Evergrey, In Flames und so weiter – ich habe diese Truppen oft gehört als ich jung war, und ich denke, sie bleiben der Kern meiner musikalischen DNA: Die gesamte Göteborg-Metal-Szene ist so ziemlich das Fundament von AMARANTHEs Musik. Darüber hinaus kann Inspiration von so ziemlich jedem Lied oder Künstler kommen, aber ich denke, dass wir heutzutage mehr von Gedanken, Emotionen und Erfahrungen inspiriert sind. Es mag vage klingen, aber es ist eine ausgezeichnete Art zu komponieren. Denk zuerst darüber nach, was du sagen möchtest und setz dich dann hin und komponiere deine Musik und versuche, diese Vorstellung in das Lied einfließen zu lassen.«

Neu in der Band ist Sänger Nils Molin, der mit seiner geschmeidigen Stimme euer Gesangstrio komplettiert. Es macht den Eindruck, dass ihr alle zusammen eine gute Einheit bildet. Inwieweit konnte er sich in die Produktion des Albums einbringen?

»Auch, wenn Nils nicht für das Album komponierte, war die Zusammenarbeit mit ihm inspirierend. Er hat viele großartige Einsichten und Meinungen und es ist wirklich ein Privileg, Gesangslinien für seine exzellente Stimme zu schreiben. Die Situation war vergleichbar mit der Zeit, als Henrik (Englund Wilhelmsson, Sänger) der Band vor „Massive Addictive“ beigetreten ist, denn die Interpreten, für die du Musik komponierst, bewirken Wunder und bringen deine kreativen Säfte zum Fließen. Alle drei Sänger der Band sind enorm talentiert und bringen dich dazu, Gesanglinien zu schreiben, die ihren Fähigkeiten gerecht werden.«

Ihr habt zweieinhalb Monate im Studio von Produzent Jacob Hansen verbracht, um das Album aufzunehmen. Wie war die Zusammenarbeit?

»Es war sehr entspannt und locker, aber gleichzeitig unglaublich kreativ. Eine lange Zeit im Studio zu verbringen, kann manchmal anstrengend und stressig sein, besonders wenn die Ergebnisse nicht so gut funktionieren, wie man es sich wünscht. Dieses Mal ist der ganze Prozess auf eine sehr gute Weise, wie am Schnürchen gelaufen und die Überraschungen, auf die wir auf dem Weg gestoßen sind, waren nur positive. Ich könnte mit dieser Aufnahmesession nicht glücklicher sein.«

Für die im Sommer erschienene Special-Edition des Powerwolf-Albums „The Sacrament Of Sin“ habt ihr deren Song 'Army Of The Night' gecovert. Wie war das für euch?

»Es hat viel Spaß gemacht! Das war AMARANTHEs erstes Cover, und wir hatten eine großartige Zeit, das Lied auseinanderzunehmen, um herauszufinden, was dafür essenziell ist und was wir in unserem eigenen Stil erschließen könnten. Als es veröffentlicht wurde, war die Resonanz großartig, ein paar Leute haben uns sogar dafür kritisiert, dass der Song einem unserer eigenen Tracks ähnelt – obwohl wir ihn nicht geschrieben haben.«

Ab Mitte Oktober geht es für euch auch mit Powerwolf und Kissin' Dynamite auf Europa-Tour. Freust du dich schon darauf, eure neuen Songs live präsentieren zu können? Kannst du schon einen Track verraten, auf dessen Live-Performance du besonders gespannt bist?

»Es wird sicher eine tolle Tour! Wir haben erst kürzlich die Jungs von Powerwolf und Kissin' Dynamite in Berlin getroffen und wir haben uns perfekt verstanden. Unsere Setlist wird sich ziemlich von dem unterscheiden, was die Fans gewöhnt sind, da wir dieses Mal vorhaben, Neuerungen einzuführen und etwas zu verändern. Wir haben noch nie die neuen Songs live gespielt, und jeder davon wird sehr aufregend sein. Aber ich freue mich besonders darauf den Titeltrack 'Helix' live zu spielen, er sollte in diesem Kontext perfekt funktionieren.«

Da bereits einige Shows ausverkauft sind, wurde die Wolfsnächte-Tour auf Anfang des nächsten Jahres ausgeweitet und ihr werdet auch ein paar eigene Headliner-Shows spielen – ein voller Terminkalender! Wie geht es anschließend weiter? Auf was können sich die Fans freuen?

»Ja, wir sind beschäftigt wie immer, und nächstes Jahr wird sicherlich keine Ausnahme sein. Wir werden versuche alle wichtigen Märkte zu erobern, wie die USA, Japan, Russland und so weiter, und neue Orte wie Australien. Wir werden außerdem Anfang nächsten Jahres in Finnland unsere allerersten Headliner-Arena-Shows spielen. Die „Helix“-Worldtour wird wahrscheinlich noch mindestens ein paar Jahre dauern, und wir schmieden bereits sehr aufregende Pläne für Anfang 2020 – also, wir sehen uns alle bald auf Tour!«
www.facebook.com/AmarantheBand

Bands:
AMARANTHE
Autor:
Lisa Scholz

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos

Diese Seite verwendet Cookies. Erfahrt in unserer Datenschutzerklärung mehr darüber, wie wir Cookies einsetzen und wie Ihr Eure Einstellungen ändern und Cookies deaktivieren könnt. Darüber hinaus verwenden wir Cookies Dritter für die Einbindung audiovisueller Inhalte durch Youtube, Spotify und Soundcloud. Dem könnt ihr hier zustimmen oder dies ablehnen. Datenschutzerklärung ansehen.