Classic Albums

Classic Albums 17.01.2007

PANTERA - Allzeit bereit!

Exzesse, Triumphe, Tragödien - die PANTERA-History ist eine Ansammlung von Extremen. Rock Hard bemüht die Zeitmaschine und erinnert sich daran, wie alles begann und an einem düsteren Tag im Dezember des Jahres 2004 unwiderruflich endete.

Es ist eine Tour zum Niederknien: Mit Judas Priest und Annihilator begeben sich zwei der momentan angesagtesten Metalbands zusammen auf Konzertreise quer durch Europa. Wir schreiben den Winter des Jahres 1991, und Priest haben mit „Painkiller" den bis zum heutigen Tag höchsten Charterfolg (Platz sieben) ihrer Karriere in Deutschland gefeiert. Und auch Annihilator stehen - so die einhellige Expertenmeinung - kurz vor dem Sprung an die Spitze. Nach dem brillanten Debüt „Alice In Hell" hat man das starke „Never, Neverland" nachgeschoben und sich folgerichtig den Slot im Vorprogramm der Metalgötter gesichert. Abgerundet wird das Killerpaket von PANTERA, einer semi-legendären Power-Metal-Band aus Texas, deren bisherige vier Veröffentlichungen lediglich als Importe in unseren Breitengraden erhältlich waren, bei Insidern aber hoch gehandelt werden. Noch dazu soll das Majorlabel-Debüt des Quartetts während der Priest-Tour auch in Europa veröffentlicht werden.

Erste Höreindrücke lassen Großes erwarten, überraschen aber auch mit einem deutlichen stilistischen Kurswechsel. Heftig und brachial gehen die Texaner diesmal zu Werke, die hardrockig-melodiöse Ausrichtung der früheren Alben ist von einem kompromisslosen Groove- und Riffgewitter abgelöst worden. Noch dazu der entfesselt klingende Sänger: Ist das wirklich derselbe Typ, der schon beim Vorgängeralbum „Power Metal" den Platz hinter dem Mikro eingenommen hatte? Wenn ja, dann muss in den letzten Jahren irgendwas Einschneidendes mit PANTERA im Allgemeinen und Frontmann Phil Anselmo im Speziellen passiert sein.

Aber derlei Überlegungen sind rein persönlicher, spekulativer Natur. Auf der „Painkiller"-Tour sind die Texaner schmückendes Beiwerk, ein nettes Bonbon für einige hundert Die-hard-Fans, eine Reverenz an die überschaubare Underground-Szene. Die Götter sind Judas Priest, die Thronanwärter Annihilator. Die Rollen sind klar verteilt.

»Habt ihr unsere Show gesehen?« Der athletisch gebaute, hyperaktive Typ, der trotz eisiger Wintertemperaturen nur mit Khaki-Shorts bekleidet im Stile eines Preisboxers um uns herumtänzelt, hat einen enorm hohen Adrenalinpegel, wirkt wie ein Kneipenschläger und gehört nicht zu der Sorte Mensch, mit der man freiwillig einen Abend verbringen möchte.

»Verpasst, sagst du? Egal, ihr seid ja noch einige Tage dabei. Sehe ich euch morgen nicht bei der Show, trete ich euch in den Arsch!« Ein unsicherer Blick in die Runde, Kollege Kühnemund sitzt in der Ecke und gibt sich möglichst unbeteiligt, aber so komme ich aus der Nummer nicht raus. Anselmos Gesicht befindet sich etwa zehn Zentimeter vor meinem, und seine prüfenden Augen starren mir direkt ins Gehirn. Wir befinden uns im PANTERA-Umkleidebereich der Hamburger Sporthalle und haben uns höflich vorgestellt und von dem Plan berichtet, ein ausführliches Tourtagebuch erstellen zu wollen. Gerne würden wir auch etwas über die Texaner schreiben, klar. Aber nach diesem Empfang? Die eisige Stille währt mittlerweile gefühlte fünf Minuten, Kühnemund schafft es in sicherer Entfernung immer noch, den Unbeteiligten zu mimen, und fixiert einen anscheinend extrem interessanten Fleck an der Wand des weiß getünchten Raums.

Urplötzlich setzt eine erstaunliche Metamorphose bei meinem Gegenüber ein. Ein kräftiger, vermutlich freundschaftlich gemeinter Schlag in die Magengegend nimmt mir kurz die Luft, ehe der Raum von lautem Gelächter erfüllt wird. »Schön, Jungs: Probe bestanden. Gut gemacht, Phil! Jetzt lasst uns was trinken gehen!«, johlt der langhaarige Gitarrist mit der „British Steel"-Rasierklinge an der Halskette und nimmt seinen Frontmann grinsend in den Arm. Dimebag Darrell, so viel wird schon in der ersten Nacht im Tourbus klar, den sich PANTERA mit Annihilator teilen, ist ein Sympathikus vor dem Herrn.

THOMAS KUPFER

Den kompletten ersten Teil der Band-History von PANTERA findet ihr im neuen ROCK HARD, das ab 17. Januar überall im Zeitschriftenhandel erhältlich ist. Weitere Infos zu der Ausgabe findet ihr hier.

Bands:
PANTERA
Autor:
Thomas Kupfer

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