ToneTalk

ToneTalk 17.02.2010

ALICE IN CHAINS - Jerry Cantrell

Name: Jerry Cantrell
Band: Alice In Chains
Instrument: Gitarre und Gesang

Jerry, wann hast du angefangen, Gitarre zu spielen, und was war der Auslöser?

»Jesus, keine Ahnung! Meine Mutter hatte einen Freund, der Gitarre gespielt hat. Das fand ich immer spannend. Nachdem er mir ein paar Sachen gezeigt hatte, sagte er zu ihr, dass sie mir eine Gitarre kaufen solle, da ich ziemlich viel Interesse daran zeige und auch Talent hätte. Sie hat mir dann meine erste Gitarre gekauft.«

Was denkst du, war bisher deine beste Leistung? Hast du Favoriten bei deinen eigenen Songs, Soli oder Riffs?

»Es ist schwierig, sich da etwas auszusuchen. Ich bin eher stolz auf das Gesamtwerk: die Platten, die wir erschaffen haben, und überhaupt ein Teil dieser Band zu sein.«

Neben Alice In Chains hast du in den letzten Jahren auch immer wieder mit anderen Musikern gespielt. Gab es da irgendetwas, das du besonders gelungen fandest, oder Sachen, die sich überraschenderweise völlig anders entwickelten, als du im Vorfeld gedacht hattest?

»Es ist immer interessant, mit anderen Musikern zu spielen. Die meisten meiner besten Freunde sind Musiker. Sie sind sehr gut in dem, was sie tun, und ich denke von mir auch, dass ich gewisse Dinge beherrsche. Aber manchmal funktioniert es nicht, mit gewissen Leuten zusammen zu spielen. Und das hat überhaupt nichts mit persönlichen Dingen zu tun. Das kann am Groove oder am Feeling liegen, und irgendwie haut es einfach nicht hin.«

Kannst du uns ein Beispiel nennen, wo es nicht funktioniert hat?

»Ich habe im Laufe der Jahre unheimlich oft mit Lars Ulrich von Metallica gejammt. Aber die Art, wie wir spielen, ist sehr unterschiedlich. Ich spiele eher hinter dem Beat, und er spielt nach vorne. Er ist gut in dem, was er tut, und ich in den Dingen, die ich tue, aber das muss nicht unbedingt immer zusammen passen, wenn du verstehst, was ich meine.«

Gab es früher Riffs, Songs oder Soli, die dich beim Üben in den Wahnsinn getrieben haben?

»Am Anfang ist alles hart. Ich habe damals zwar auch ein paar Stunden Unterricht gehabt, aber nie sonderlich viel über Theorie gelernt. Ich spielte einfach zu Sachen im Radio. Eines der ersten Riffs, die ich gelernt habe, war wohl ´Smoke On The Water´ von Deep Purple.«

Alice In Chains haben Anfang der 90er dafür gesorgt, dass das Dropped-D-Tuning sehr populär wurde. Wie bist du damals auf die Idee gekommen, deine tiefe E-Saite einen Ton herunterzustimmen?

»Durch Eddie Van Halen bei dem Song ´Unchained´. Es gab auch damals schon etliche Leute, die diese Stimmung benutzten, aber ich habe sie bei diesem Song zum ersten Mal wahrgenommen.«

Gibt es heute noch Songs, die eine Herausforderung darstellen? Übst du noch regelmäßig?

»Ja klar. Wenn wir hier gleich fertig sind, werde ich zusehen, dass ich meine Stimme in Form bringe. Vielleicht üben andere Leute anders, aber ich versuche vor einem Auftritt, meine Stimme und meine Finger aufzuwärmen. Es ist nun mal ein körperlicher Job, und wenn man sich nicht aufwärmt, kann man sich selbst einigen Schaden zufügen.«

Wie viele Gitarren besitzt du?

»Keine Ahnung. Bei mir hat sich zwar im Laufe der Jahre einiges angesammelt, aber es gibt Leute wie z.B. Mike McCready von Pearl Jam, die richtig ernsthafte Sammler sind und tolle Sammlungen besitzen. Damit würde ich mich nicht vergleichen. Ich kaufe eigentlich nur Sachen, mit denen ich was anfangen kann. Auch wenn eine Gitarre mal nur für einen Song funktioniert, ist das okay.«

Besitzt du eine Axt, die dir besonders am Herzen liegt?

»Ja, die drei Gitarren, die ich am meisten benutze: die beiden G&L-Klampfen, die ich mir vor vielen Jahren gekauft habe, als ich für eine Baufirma gearbeitet habe, die Gebäude von Asbest befreit hat, und eine Gibson Les Paul, mit der ich alles auf meinem Soloalbum „Degradation Trip“ eingespielt habe.«

Hast du auch sehr wertvolle oder rare Gitarren?

»Ich weiß nicht, ob sie unbedingt besonders wertvoll sind, aber ich besitze zwei seltene Gitarren. Nein, stopp, es ist nur noch eine, weil die andere gestohlen wurde. Als wir Anfang der 90er mit Van Halen getourt sind, hat mir Eddie zwei von seinen Gitarren gegeben. Eine war eine Gold Top, die mit einem Wert von 50.000 Dollar angegeben wurde. Die andere war blau, und die habe ich noch. Dann besitze ich noch eine Baritone Gold Top Les Paul von Giffin. Davon gibt es wohl nur zwei Stück, von daher dürfte sie die seltenste Gitarre in meiner Sammlung sein.«

Wie wichtig ist das Design einer Gitarre für dich?

»In erster Linie muss sie sich angenehm anfühlen. Beispielsweise habe ich schon etliche Gibson SGs für Aufnahmen benutzt, aber ich komme nicht wirklich gut auf ihnen zurecht. Eine Strat fühlt sich für mich deutlich angenehmer an, genauso wie eine Les Paul, auch wenn diese beiden Gitarren sehr unterschiedlich sind. Einen großen Einfluss darauf hat, auf welcher Gitarre man anfängt und die ersten richtigen Fortschritte macht. Ich denke, für jemanden, der mit einer Flying V anfängt, wird es sich ganz natürlich anfühlen, wenn er sein Leben lang diese Gitarre spielt, wie z.B. Kirk und James von Metallica.«

Bevorzugst du eine bestimmte Farbe?

»Nein. Oder vielleicht doch: Weiß.«

Spielst du lieber mit Kabel oder mit Sender?

»Ich bevorzuge Kabel, aber auf der Bühne sorgt das für zu viel Chaos. Aber mit einem Kabel hat man schon einen besseren Sound.«

Bodeneffekte oder 19“-Effekte?

»Ich benutze beides.«

Röhre, Transistor oder Amp-Modeling?

»Das ist davon abhängig, welches Ziel man erreichen möchte. Generell finde ich Röhren besser, da sie eine warme und natürliche Verzerrung produzieren. Ich habe aber auch schon für Aufnahmen Solid State Amps und Hybrid-Verstärker benutzt und war damit zufrieden.«

Was benutzt du auf der Bühne?

»Lange Jahre habe ich über Bogner-Amps gespielt. Im Moment benutze ich Verstärker von Dave Freeman. Er baut Amps, die man wohl am ehesten als heiß gemachte Marshalls bezeichnen kann - sehr cool, die Teile.«

Bevorzugst du bei Aufnahmen eher analoge oder digitale Technik?

»Digital spart jede Menge Zeit und Geld. Analog klingt besser, benötigt aber auch verdammt viel Zeit. Auf der letzten Scheibe haben wir beides eingesetzt.«

Und was habt ihr wofür benutzt?

»Man kann digitale Aufnahmen ausschneiden und durch analoge Geräte laufen lassen, oder analoge Aufnahmen digitalisieren usw. Dabei geht es immer darum, mehr Wärme in den Sound zu bekommen. Aber bei den analogen Sachen dauert es unheimlich lange, wenn man z.B. mit Overdubs beschäftigt ist und ständig das Band hin und her spulen muss.«

Was ist auf der Gitarre wichtiger, Feeling oder Technik?

»Beides. Man braucht ein gewisses Maß an Technik, um die Sachen umzusetzen, die einem vorschweben. Es gibt ´ne Masse Leute, die eine bessere Technik als ich haben, und manchmal wünsche ich mir, dass meine Technik ausgereifter wäre, um Dinge schneller umsetzen zu können. Unterm Strich bin ich aber wohl eher der Feeling-Typ als ein besonders technischer Spieler.«

Was ist cooler, Double-Lead-Gitarren oder Einzelgitarristen?

»Das kommt drauf an, was man machen möchte.«

Hast du ein Lieblingsgitarrensolo?

»Ich finde Fragen nach dem absoluten Lieblingsirgendetwas immer etwas komisch. Es gibt so viele unheimlich gute und schöne Soli, dass man unmöglich ein bestimmtes herausfischen kann. Wenn man sich aber für eines entscheiden müsste, das total innovativ war und ganze nachfolgende Generationen beeinflusst hat, dann wohl ´Eruption´ von Eddie Van Halen.«

Hast du einen Lieblingssound?

»Ich habe viele verschiedene Amps und Gitarren ausprobiert, und rückblickend gefallen mir die Sachen am besten, die am natürlichsten klingen.«

Gibt es noch bekannte Musiker oder Gitarristen, die du gerne mal treffen würdest, um dich mit ihnen auszutauschen?

»Ja, sicher. Ich habe noch nie Angus oder Malcolm Young getroffen. Sie sind zwei meiner größten Helden. Und Tony Iommi habe ich auch noch nicht getroffen. Dafür kenne ich Eddie Van Halen ziemlich gut, und er ist großartig. Und Jimmy Page.«

Also bevorzugst du eher die Jungs, die mit ihren Eiern spielen, als die Wahnsinns-Techniker wie Malmsteen oder Steve Vai?

»Das sind beides Supergitarristen, und Steve habe ich auch schon mehrmals getroffen. Er ist ein großartiger Typ. Das sind die Leute am oberen Ende der Skala, sie haben neben ihrer Technik auch jede Menge Feeling.«

Wer sieht auf der Bühne am coolsten aus?

»Keine Ahnung. Jimmy Page war Killer, und Eddie ist toll, Hetfield ist großartig, da gibt es einige.«

Wer ist unterbewertet?

»Keine Ahnung.«

Wer ist überbewertet?

»Ich weiß es nicht.«

Besuchst du noch Gitarrenläden, um neue Dinge auszuprobieren?

»Hin und wieder ja.«

Was magst du eher, die Arbeit im Studio oder die Live-Auftritte auf der Bühne?

»Beides ist cool.«

Gibt es Dinge während eines Auftritts, die total nervig sind, aber im Laufe der Jahre trotz Routine immer mal wieder passieren?

»Jedes Konzert ist anders. Überall, wo Menschen involviert sind, können Dinge schieflaufen. Es gibt gute und schlechte Tage. Für mich persönlich ist es am schlimmsten, wenn ich auf die Bühne muss, obwohl ich ziemlich krank bin, so wie jetzt gerade.«

Gibt es einen Auftritt, an den du dich sehr gerne zurückerinnerst?

»Da gibt es einige, z.B. den in Sao Paulo in einem Fußballstadion Anfang der 90er.«

Gibt es eine Platte, auf der du gerne gespielt hättest?

»Auf irgendeinem AC/DC-Album Rhythmusgitarre gespielt zu haben, wäre schon cool.«

www.myspace.com/aliceinchains

DISKOGRAFIE

mit Alice in Chains

We Die Young (EP, 1990)
Facelift (1990)
Sap (EP, 1992)
Dirt (1992)
Jar Of Flies (EP, 1994)
Alice In Chains (1995)
Unplugged (1996)
Live (2000)
Black Gives Way To Blue (2009)

Solo

Boggy Depot (1998)
Degradation Trip (2002)

Bands:
ALICE IN CHAINS
Autor:
Andreas Himmelstein

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