Interview

Interview 24.10.2018, 13:56

DESTRUCTION - »Unsere Währung verliert momentan so schnell an Wert, dass wir kaum langfristig planen können«

Wir begleiteten DESTRUCTION für ein Tourtagebuch in Rock Hard Vol. 378 in den Libanon und in die Türkei. Vor dem Istanbul-Konzert von unterhielten wir uns mit den beiden Veranstaltern Haluk Atakli und Gökhan Oraydin. Ihre Assistentin Bahar Kasal übersetzte.

Wie lange seid ihr schon als Konzertveranstalter in der Türkei tätig?

»Gökhan begann 2002 als Konzertveranstalter mit einem Konzert von Yngwie Malmsteen. Bei Haluk ging es schon 1991 los mit einem Tankard-Konzert.«

Wie steht es momentan um die Konzertveranstalter-Szene in der Türkei?

»Uns bereitet die Wirtschaftskrise des Landes und die damit einhergehende Inflation sehr große Sorgen. Unsere Währung verliert momentan so rasend schnell an Wert, dass wir aktuell kaum langfristig planen können. Ein Beispiel: Als es mit DESTRUCTION erstmals an die Gagen-Verhandlungen ging, bekam man für 1 Euro 5,40 Lira. Inzwischen sind es schon 8 Lira.
Dabei sind wir als Gesellschaft deutlich weniger arabisch als die anderen Länder des Mittleren Ostens. Aber leider werden wir von vielen internationalen Bookern und Managements doch noch mit den anderen Ländern in einen Topf geworfen.«

Wann begann die ökonomische Krise in eurem Land?

»Es begann 2010. Von da an gab es konstant weniger Shows in der Türkei. Dabei lief es vorher großartig. Es gab sehr viele Konzerte und Festivals. 2013 kamen sogar noch 40.000 Leute zu einem Metallica-Auftritt, aber dennoch warf der Abend keinen Gewinn ab, weil die Band-Gage und die Veranstaltungs-Kosten im Verhältnis immer noch viel zu hoch waren.«

Ich hätte gedacht, dass die internationalen Bands hier kleinere Gage verlangen als z.B. in großen westlichen Nationen.

»Manchmal sind ihre gigantischen Gagen-Forderungen auch die höfliche und indirekte Art abzusagen. Vor vielen Jahren hat King Diamond hier einmal für eine relativ kleine Summe gespielt. Vor zwei Jahren hingegen kam die Band auf einmal mit exorbitanten Gagen-Vorstellungen im sechsstelligen Bereich an. Das können wir leider nicht zahlen.«

Warum wollen die Bands hier nicht hinkommen?

»Nach der ersten King-Diamond-Show kehrte der Tourmanager mit Candlemass in einem Nightliner in unser Land zurück. Leider hatten sie viele Probleme mit dem Zoll. Das schreckt Bands und Crews natürlich ab.«

Wie gehen die Regierung und generell die türkische Gesellschaft mit dem Thema Heavy Metal um? Stoßt ihr auf Widerstände?

»Es gibt diesbezüglich keinerlei Probleme, obwohl wir nicht einmal aktiv hinter unserer Regierung stehen. Die Metal-Szene ist zu klein, um für sie relevant zu sein. Wer uns nicht mag, will einfach nichts mit uns zu tun haben und lässt uns machen, was wir wollen. Es gibt sogar einige Konservative, die lange Haare haben und Metal hören.«

Sind Metalheads in der Türkei generell akzeptiert? Mag man sie?

»Das ist unterschiedlich. Es kommt auf die Gegend an. In vielen Stadtteilen in Istanbul ist es zum Beispiel gar kein Problem ein Metalhead zu sein. In manchen Gegenden hingegen ist man nicht ganz so begeistert von ihnen. Dabei ist es weniger die Musik, die einigen Leuten aufstößt, sondern mehr das in ihren Augen extreme Aussehen.«

Was wird die Zukunft bringen, angesichts der wirtschaftlich schwierigen Lage?

»Wir können nicht in die Zukunft blicken. Wir wissen, dass wir nicht immer schwarze Zahlen schreiben können, aber grundsätzlich ist das Veranstalten von Konzerten schon möglich, wenn die Booker der Bands die aktuelle Situation unserer Währung berücksichtigen. Zu guter Letzt sind wir auch Fans, die etwas für die Szene tun wollen.«

Bands:
DESTRUCTION
Autor:
Conny Schiffbauer

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