Kolumne

Kolumne 18.12.2013

„A“ is the Law

WOLFSGEHEUL

Als der Guinness-Vorrat sich gefährlich seinem Ende näherte, mein Kumpel bereits heiser herumquengelte und ich – der Verzweiflung nahe – in der Vorratskammer nach einer flüssigen Verlängerung dieses musikalischen Abends fahndete, kam die Abtastnadel des Plattenspielers ´Die With Your Boots On´ immer näher. Etwa zeitgleich stolperte ich über einen Eiserne-Reserve-Kasten Holsten, von dem ich gar nicht wusste, dass er jemals von mir gekauft worden war. Was für eine schöne Überraschung, war mein erster Gedanke. Da haben es die Heinzelmännchen aber gut gemeint. Und ein zweiter Gedanke schoss direkt hinterher: Die beste A-Seite aller Zeiten ist die von Maidens „Piece Of Mind“. ´Where Eagles Dare´, ´Revelations´, ´Flight Of Icarus´ und die eben erwähnte Perle: Besser geht´s ja wohl kaum! Mit vier Holsten-Knollen in den Klauen und der Textzeile „Another Prophet of Disaster / Who says the ship is lost / Another Prophet of Disaster / Leaving you to count the cost” auf den leicht angetrockneten Lippen tauchte ich aus den staubigen Tiefen der Kammer des Gerümpels wieder auf und kehrte in die gute Stube zurück. Bevor ich es allerdings wagte, meine A-Seiten-Feststellung in einen verbindlichen Gesetzestext zu fassen, prüfte ich den Inhalt nochmals im Stillen. Okay, da wäre maximal noch die A-Seite von „Highway To Hell“, die mit den Gottessignalen ´Girls Got Rhythm´, ´Walk All Over You´, ´Touch Too Much´ (dem besten AC/DC-Song überhaupt) und ´Beating Around The Bush´ Lichtjahre über allem Irdischen thront – wenn, ja, wenn der mausetotgehörte Titelsong nicht wäre. Andererseits: Was können denn Angus und Malcolm dafür, wenn Karl Theodor zu Guttenberg und diverse andere Gestalten, die Indizien dafür liefern, dass der Mensch doch nicht vom Affen, sondern vermutlich von der Ostseequalle abstammt, die Nummer als Soundtrack der Krawattenträger mit Stock im Spießbürgerarsch missbrauchen? Die Mutter aller Schleimbeutel ist leider ständig schwanger, und ihre Kinder hören Xavier Naidoo, Bon Jovi und ´Highway To Hell´. Das war so, das wird noch eine ganze Weile so bleiben. Zumindest so lange, bis ´Nothing Else Matters´ zur offiziellen Hymne des Arbeitgeberverbandes gekürt wird.
Wie auch immer, meine Erkenntnis des Abends schickte ich in einer Eildepesche an unseren Inner Circle of Musiklistenerstellern, und es dauerte keine fünf Minuten, bis Gegenvorschläge durch meinen Liveticker rasselten:
„AC/DC - „Back In Black”, weil fünf Zehn-Punkte-Songs“, schrieb Andi Himmelstein, „Gute Wahl!“, sekundierte Götz und fügte hinzu: „Die beste B-Seite aller Zeiten ist Rainbows „Rising“, und die beste A-Seite überlege ich mir noch.“ Drei Minuten später hatte er fertig überlegt und telegrafierte „Es ist „Ride The Lightning“.“. „Nee, die beste A-Seite ist die von „Hear Nothing See Nothing Say Nothing““, widersprach JayJayJaedike, war mit sich aber nicht gänzlich im Reinen und hebelte seinen eigenen Wahlvorschlag mit „Live-Alben zählen bestimmt nicht. Wenn doch, dann Kiss´ „Alive II““ aus.
„Keine Ahnung, ehrlich gesagt. Zumindest nicht spontan“, funkte Boris ungewohnt entscheidungsunfreudig. Vielleicht wurde er durch unsere Debatte vom Goutieren der Kassettenversion von Cultes Des Ghoules´ „Henbane“ oder einer ganzheitlichen, erst kürzlich global reüssierten okkulten US-Seventies-Stonewashed-10“ mit, nun ja, illuminierendem Querflöteneinsatz abgehalten. So was passiert halt. Bis Boris seine Entscheidung des Herzens – an dieser Stelle empfehle ich ´Your Decision´ von Alice In Chains und für die heimlichen Pop-Gutfinder ´Listen To Your Heart´ in der Roxette-Version – bekannt gibt, reiche ich die Fackel der Erleuchtung an euch weiter. Mailt uns eure Meinung über die beste A-Seite aller Zeiten, nebst wasserdichter Begründung!

Autor:
Wolf-Rüdiger Mühlmann

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