Online-MegazineTourtagebuch

WARBRINGER

Europa-Tourtagebuch Teil 2

WARBRINGER haben diesen Sommer für eine Tour nach Europa übergesetzt, um ihre Fans von dem Livequalitäten ihres aktuellen Albums "World Torn Asunder" zu überzeugen, jede Menge Schabernack zu treiben und Unmengen an Bier zu vernichten. WARBRINGER-Fronter John Kevill fand in dem ganzen Chaos noch die Zeit ein exklusives Tourtagebuch für uns zu verfassen. Viel Spaß mit dem zweiten Teil!

Hier geht es zum ersten und dritten Teil.

Die Fahrt nach Dänemark hat zehn Stunden gedauert, ich hab versucht zu schlafen, was im Sitzen nicht so einfach ist. Wir sind am Roskilde-Festival mit dem Gefühl angekommen, total im Arsch zu sein. Wir hatten keine dänischen Kronen und versuchten unsere Kreditkarten zu nutzen, um an was zu essen zu kommen. Die Automaten haben unsere Karten nicht genommen, wir sind immerhin in der EU. Nach einiger Zeit hat uns dann ein Typ einfach aus Mitleid Tickets für was zu essen gegeben. Unsere Stagetime lag noch in weiter Ferne und der Künstlerbereich war noch nicht frei, also haben wir uns einfach auf irgendwelche Sitzsäcke gesetzt. Da es den ganzen Tag geregnet hatte, waren diese Dinger natürlich nass. Da wir aber alle so dermaßen fertig waren, war uns das ziemlich egal.

Das Roskilde ist verdammt riesig und an Musik gibt's da alles, auch ein bisschen Metal. Wir hatten vorher noch nie eine Show gespielt, die nicht auf einem typischen Metal-Festival stattfand und wir waren uns nicht sicher, wie die Leute reagieren würden. Wie sich dann herausstellte, rastete das Publikum bei unserem Gig total aus und die Show war bisher die beste der ganzen Tour. Wahrscheinlich brauchten die Leute da einfach mal vernünftigen Metal!

Das komplette Konzert wurde gefilmt und auf die Roskilde-Website hochgeladen. Ich denke, es dürfte ein ganz gutes Video geworden sein. Allerdings wird an einem bestimmten Punkt eine Gummipuppe rumgeworfen und das ist echt scheiße! Da war dieser große Pit und direkt in dem Moment hat jemand diese Puppe auf die Bühne geworfen und ich musste sie zurückwerfen und das machte es einfach irgendwie lächerlich. Ich hab echt keine Ahnung, warum die europäischen Typen Gummipuppen so witzig finden. Es ist verdammt beunruhigend. Gestern erst tauchte eine Gummipuppe auf dem Geburtstag von so einem Typen in Deutschland in einer Hotelbar auf. Ich hab da so eine Theorie...diese Typen versuchen daraus einen großen Witz zu machen, aber dann, heimlich, vögeln sie die Dinger am Ende der Nacht. Ich hab euch erwischt, Europäer! Ihr solltet mal auf einen Humor umsteigen, der ein bisschen weniger seltsam ist!

Wie auch immer, wir verließen die Bühne mit einem triumphalen Gefühl. Bruce Springsteen war auf der Mainstage und als wir abgehauen sind, kam aus der Richtung ein richtig lahmes Saxofon-Solo. Alter, ernsthaft lahm! Sogar meine Mutter würde denken, dass dieses Solo total lahm ist.

Da ich jetzt schon mal den Begriff eingeführt habe, möchte ich euch mit dem WARBRINGER-Lexikon bekannt machen.

Weak: Alles was lahm ist oder echt scheiße. Das Wort wird von uns bestimmt über eine Million mal am Tag verwendet. Man muss es mit leidenschaftlichem Verdruss sagen.

Weak Jams: Sounds die echt scheiße sind, siehe oben. Auch oft benutzt. Ist nicht unsere Schuld, dass so viele Sounds so verdammt lahm sind.

Weakage: Wissenschaftliche Größe, die angibt, wie lahm etwas ist oder auf genau welche Weise etwas lahm ist.

Babe: Bezieht sich auf heiße Mädels.

Mabe: Wenn du ein Mädchen von hinten siehst und sie sieht nach einem Babe aus, aber du kannst ihr Gesicht noch nicht sehen. Es besteht die Möglichkeit, dass sie ein Babe ist, oder eben auch nicht.

Nabe: Sicherlich kein Babe, also N.A.B.E, Not A Babe Evenwhendrunk.

Undercover Babe: Ein Babe, dass sich so kleidet, dass du nicht sehen kannst, ob sie eins ist oder nicht, aber faktisch ist sie eins. Kommt häufig in kalten Regionen vor.

Carlos Brews/Bruise: Bezieht sich auf Carlos Cruz, unseren Drummer. Wenn er trinkt ist er Carlos Brews. Wenn er wütend wird, ist er Carlos Bruise! Besser nicht mit ihm anlegen!

Hall of Weak Jams: Ein mystischer Platz, an dem all die lahmen Sounds sind. Es ist total uncool. Wir denken, dass er von Bono und Edge regiert wird, die auf dem höchsten Thron der Lahmheit sitzen. Die Hall of Weak Jams ist mit Spiegeln gefüllt, welche dir schreckliche Bilder zeigen. Erst siehst du eine geile Band, die für einen Moment rockt, bevor das Bild sich verändert und sie dir während der Zeit zeigt, als sie dieses eine, wirklich beschissene Album gemacht haben.

Beej: Ein lustiges Wort für einen Blowjob.

Lord of the Beej: Der Typ, der die Ladies dazu kriegt, ihm einen zu blasen. Man spricht von ihm in der Mythologie, in Legenden und Songs.

Kroner: Die dänische und schwedische Währung, reimt sich auf “boner”.

Pvanzer: Eine Wortkreuzung aus Van und Panzer. Beschreibt unseren Van, einen Volkswagen. Hergestellt von deutschen Ingenieuren für die totale Zerstörung.

Bro: Bezieht sich offensichtlich auf einen Typen, der dein Bro ist! Es gibt viele Variationen davon, kann in jedem Wort mit einer O-Silbe benutzt werden. Einige Beispiele: Riders of Brohan, Broseidon, Ruler of the Brocean, Brotalitarian Rule von Broseph Stalin oder Broviet Russland. Das kann man immer und immer weiterführen, bis es lächerlich große Ausmaße annimmt.

Shitty Dudes: Jegliche ungepflegte, langhaarige Typen. Eigentlich bezieht sich das meist auf uns selbst. Verrückterweise ist es fast so etwas wie ein Kompliment.

Warbringer in ParisWir sind dann von Dänemark nach Paris gefahren, um dort eine Clubshow mit Biohazard zu spielen. Ich denke nicht, dass auch nur irgendeiner im Publikum davon begeistert war, eine Thrash-Metal-Band als Vorband zu sehen, aber wir haben's ganz gut gemeistert. Das waren echt coole Leute und vielleicht werden wir sie wieder sehen. Das spielt sich anscheinend immer so ab. Ein Pariser hat uns dann die Vorurteile, die wir Amis so haben, mal wieder bestätigt: Auf einer wirklich vollen zweispurigen Straße in Paris hat dieser Typ einfach sein Auto auf der Mitte der Straße für fünf Minuten angehalten und den kompletten Verkehr behindert. Der Sinn? Er ist ausgestiegen, in einen Kiosk gegangen und hat sich ein Päckchen Zigaretten gekauft. Vermutlich hat er es wehmütig vor irgendeinem Café geraucht. Wir waren echt angepisst, ich meine: ernsthaft Alter? Versuch das mal in New York und schau was passiert!

Warbringer meets BiohazardAm nächsten Tag waren wir in Krefeld. Wir haben da unseren Century-Media-A&R-Typen für Europa getroffen, Sänger von Dew-Scented, Leif Jensen. Wir haben keine vernünftigen Europa-Agenten und wir hatten auch keinen für eine lange Zeit, also hat Leif diese Tour quasi erst möglich gemacht. Hut ab! Er hat uns die restlichen Details für die Tour zusammengefasst, währen wir etwas aßen und ein Bier tranken. Ich musste dann frühzeitig aufbrechen, weil ich einen Interview-Termin hatte.

Das Interview dauerte 45 Minuten, da der Interviewer ziemlich jung aber echt organisiert war. Seine Fragen waren sehr spezifisch und akkurat. Eine davon befasste sich mit der Entwicklung unserer Songtexten im Verlauf unserer drei Alben, er hat dabei den Nagel auf den Kopf getroffen. Eine ganze Menge deutscher Metalheads sind so detailorientiert im Bezug auf das, was sie lieben und sie haben Ahnung von dem, was sie darüber sagen. Eigentlich sind diese Typen einfach verdammt true.

Die Show war dann auch in etwa so, die Leute kannten jeden Song, den wir spielten, nicht nur die Refrains sondern alles! Das ist cool und ich liebe es, weil es dir zeigt, dass die Leute dir wirklich zuhören. Wir haben jeden Song gespielt, den wir als Band zusammen spielen können und wir haben zwei getrennte Zugaben gegeben und die Leute wollten immer noch mehr! Ihr Durst konnte nicht gestillt werden.

Jetzt gerade bin ich im Pvanzer und wir fahren nach Schottland. Ich hab fünf Tage lang geschludert mit dem Tagebuch, aber ich werde das bald nachholen und euch über das Bang Your Head Festival, Rostock mit Exodus, unseren Versuch einen Ikea-Schrank zusammenzubauen und andere Abenteuer aufklären. Danke für's Lesen, wir werden bald auch in eurer Stadt sein und rocken!

Bis bald,
Kevill