Online-MegazineInterview

HEAVY HARVEST

Interview mit der Demo-/Eigenproduktionsband 10/17

HEAVY HARVEST

HEAVY HARVEST haben nach ihren beiden EPs „Manson's Farm“ (2013) und „Wicked“ (2015) mit „Rats“ ihr erstes Full-Length-Album veröffentlicht, das in Rock Hard Vol. 365 mit seiner Melange aus Stoner, Punk und Noise-Rock zum „Tipp des Monats“ unter den Eigenproduktionen gekürt wurde. Das Trio spricht sich nicht nur auf dem Backcover sondern auch im Interview gegen Sexisten, Rassisten, Homophobe und andere „Ratten“ aus.

Jungs, wen meint ihr mit den „Rats“ in eurem Albumtitel?

Jonas (dr.): »Der Name kommt vom Albumsong 'Rats Wiper', aber ich fand „Rats“ klang als Titel für das Album cooler. Auf dem Cover ist ja auch der Rattenkönig zu sehen. Aber es gibt da eine gewisse Gruppe Menschen wie Sexisten und Homophobe, das steht auch auf dem Backcover. Und einfach Arschlöcher.«

Wo kann man euer Album überall hören oder kaufen?

O’Neal (v./g.): »Auf Bandcamp kann man es digital herunterladen. Man kann auch auf unsere Konzerte kommen und eine Platte kaufen und wenn man das nicht aushält oder nicht zu unseren Gigs kommen kann, kann man uns auch eine Mail schreiben. Mail oder Facebook, wo ihr möchtet, wir schicken euch dann eine Platte zu.«


Jonas: »Oder bei Spotify und iTunes, da gibt es unsere Songs auch. Dort muss man die Lieder nicht kaufen.«


O’Neal: »Bei Tidal, dem Streamingdienst von Kanye West, sind wir auch.«

Okay, Tidal kenne ich, aber habe da keinen Account. Habt ihr euer Album denn alleine aufgenommen oder hattet ihr Unterstützung von einem Produzenten oder anderen, älteren Musikern?

O’Neal: »Ja, Marc Bouffé von den Hathors hat uns geholfen. Aber weniger als Produzent sondern mehr beim Soundengineering.«

Jonas: »Er hat uns gewisse Tipps gegeben, wie es besser auf der Platte klingt.«

O’Neal: »Wir sind mit den Songs ins Studio gegangen, so wie sie waren und haben sie nicht wirklich verändert. Für die Produktion der Platte hat Marc nicht gesagt „spielt das länger“ oder so. Er hat einfach Tipps gegeben, für das, was schon besteht.«

Jonas: »Wir wollten es live einspielen, also mit Bass, Gitarre und Schlagzeug. Das hätte er uns auch vorgeschlagen. Im diesem Sinne hatten wir ein bisschen Unterstützung.«

O’Neal: »Wir hatten auch die selben Vorstellungen von der Musik, oder ähnliche zumindest.«

Marc hat aber selbst nicht als Musiker bei euch mitgespielt?

O’Neal: »Nein. Er wollte, aber durfte nicht (lacht).«

Habt ihr zu einem eurer Songs ein Musikvideo geplant?

Jonas: »Das hatten wir immer wieder mal vor, das ist aber meistens zu teuer. Wir sind also finanziell gescheitert. Was Günstiges kann man vielleicht mal versuchen, aber das ist jetzt nicht erste Priorität. Für mich jedenfalls nicht.«

O'Neal: »Es soll ja auch gut sein. Wenn wir das machen, dann soll es auch geil werden.«

Kommt ihr in nächster Zeit auch mal für Konzerte nach Deutschland?

Jonas: »Das ist noch nicht geplant, aber wir würden sehr gerne!«

Ihr würdet sehr gerne? Also habt ihr schon mal oder wart ihr hier noch gar nicht?

Jonas: »Wir haben nur in Freiburg gespielt. Aber das zählt, wir sind über die Grenze gefahren!«

Gibt es denn in Basel oder der Schweiz insgesamt genug Festivals, Clubs, Fans, sodass man es da wirklich weit bringen kann? Oder denkt ihr, dass man früher oder später über die Grenzen muss?

O'Neal: »Das kommt darauf an, was man mit „weit bringen“ meint. Grundsätzlich gibt es schon viele Locations hier und viele Musikfans ganz vieler verschiedener Musikstile. Aber ich glaube schon, dass es irgendwann wegen der Größe des Landes nötig ist, über die Grenze zu gehen. Auch um was Neues zu erfahren.«

Jonas: »Die Underground-Festivals sind hier auch nicht sehr groß. Aber wir haben schon auf einigen gespielt. Man kann hier eigentlich nur in den Städten spielen und die sind dann auch nicht so besonders groß. Also wenn man nur auf die Zahlen guckt...«



Wenn ihr sagt, dass in eurer Musik Punk-Rock-Einflüsse sind, seht ihr euch dann selbst als Punks? Denn optisch, von euren Outfits her, würde man euch nicht als typische Punkrocker bezeichnen.

Jonas: »Also da ist die Frage, wie Punk denn aussieht. Wenn wir von Punks sprechen, dann ist das eher so Achtzigerjahre-Punk, die Sex Pistols zum Beispiel, sehr viel Hardcore-Punk... mit denen haben wir aber nicht viel zu tun. Das ist cool, aber nicht so unser Ding.«

O'Neal: »Dazu habe ich gar nicht mehr genug Haare...«

Also seht ihr euren Punkrock rein musikalisch oder textlich?

Jonas: »Ja, musikalisch und textpolitisch. Wir definieren das nicht unbedingt über das Aussehen.«

O'Neal: »Ich denke, der Einfluss liegt in der Grundhaltung.«

Ihr habt bereits zwei EPs veröffentlicht, von denen aber kein Song auf „Rats“ gelandet ist. Haben die Tracks nicht ins Konzept gepasst?

Jonas: »Wir wollen uns nach vorne bewegen. Das ist eigentlich alles. Wir haben auf unserer ersten EP noch einen anderen Sänger, der eher Stoner Rock macht. Nachdem wir den Wechsel hatten, übernahm O’Neal den Gesang. Dann haben sich der Einfluss und die Texte ein bisschen in eine andere Richtung entwickelt.«

O'Neal: »Die alten Songs waren weniger kohärent mit dem Album. Aber die EPs an sich sind ziemlich kohärent. Ich finde, man sollte die Sachen irgendwann in Ruhe lassen. Wir haben diese Songs damals so aufgenommen. Heute würden wir es vielleicht anders machen, aber wir haben gesagt: 'Wir lassen das einfach'. Wir wollen nach vorne gerichtet sein.«

Habt ihr „Rats“ denn schon an die Plattenfirmen eurer Träume gesendet?

O'Neal: »Die Plattenfirma unserer Träume!« (lachen)

Kann ja sein, dass ihr versucht habt, euch irgendwo zu bewerben.

O'Neal: »Nein, noch nicht. Wir haben mit Irascible hier in der Schweiz eine Distribution-Deal, aber eine Plattenfirma in dem Sinne haben wir nicht.«

Dass ihr bei keinem Label unter Vertrag steht, habe ich schon auf der Webseite gesehen. Ich meinte eher, ob ihr versucht habt, es als Demo einzusenden.

Jonas: »Das war noch nie unser Ziel. Wir haben die Platte für uns gemacht und für die Leute, die sie hören wollen, nicht mit großen Ambitionen oder so.«

O’Neal: »Vielleicht irgendwann mal, aber ein Plattenvertrag ist heutzutage nicht unbedingt das große Ziel. Vielleicht beim nächsten Album.«

Hätte ja sein können.

O'Neal: »Wir hatten auch darüber nachgedacht, aber das ist für uns kein Thema. Vielleicht wenn wir noch mal ein Album herausbringen und wieder einen Schritt nach vorne machen, dann könnten wir uns das vielleicht überlegen.«

Seid ihr zu dritt in der Band, weil ihr es so wolltet oder hattet ihr versucht, ein viertes Mitglied zu finden und euch dann überlegt: 'Nein, wir machen es doch lieber zu dritt'?

O'Neal: »Zu Beginn waren wir zu viert. Ich habe nur Gitarre gespielt und nicht gesungen. Wir hatten immer wieder Besetzungsprobleme. Wir hatten vier verschiedenen Sänger und vier verschiedene Bassisten. Als Aaron in die Band gekommen ist, dachten wir das ist jetzt safe. Bei den Sängern hatten wir aber immer noch Probleme und irgendwann habe ich gesagt, dass ich es selbst mache. Muss ja richtig gemacht sein.«

Jonas: »Es war immer so, dass wir uns zu dritt ziemlich wohl gefühlt haben. Der Sänger war immer so ein bisschen das vierte... Rad am Wagen? Am Dreirad! Dann hat es sich so ergeben, dass der Sänger ging. Er hatte nicht mehr so viel Lust, weil er lieber andere Musik machen wollte. Und dann haben wir das einfach so gemacht, wie es jetzt ist.«

O’Neal: »Die aktuelle ist die längste Besetzung, die es bisher geschafft hat. Wir haben das vorher oft geändert«

Jonas: »Das Line-up besteht seit 2013 oder 2014. Ich kann es mir gar nicht mehr anders vorstellen.«

War HEAVY HARVEST denn jeweils eure erste Band?

Jonas: »Nein, nein. Wir hatten vorher noch eine Band, da habe ich Gitarre gespielt und gesungen. Jetzt singe ich nur noch im Hintergrund.«

O’Neal: »Manchmal schreist du im Hintergrund.«

Jonas: »Ja genau. Vorher habe ich das noch richtig gemacht, da war ich circa sechzehn bis achtzehn Jahre alt.«

Und der Rest von euch hat auch in anderen Bands gespielt?

O’Neal: »Ja, ich habe in einer Hardcore-Punk-Combo gespielt, das war meine erste Band. Dann war ich mit Jonas in einer Grunge-Band. Danach haben wir HEAVY HARVEST gegründet.«

Jonas: »Mehr aus Zufall.«

O’Neal: »Das hat sich einfach so ergeben. Zuerst hat jemand anderes mit mir die Band gegründet. Er hat mich gefragt, ob ich Gitarre spielen will. Jonas ist dazu gestoßen, weil ich wusste, dass er Schlagzeug spielen kann. Also ja, das hat sich einfach so ergeben.«

Jonas: »Ich glaube, Aaron (b.) hat vorher noch nicht in einer Band gespielt.«

O’Neal: »Wir kannten ihn vorher auch nicht wirklich. Ich bin seit Ewigkeiten mit seinem Cousin befreundet und der hat Aaron empfohlen. Es hat gut gepasst.«

Seid ihr eigentlich die Sorte Rockfans, die diese Musik von ihren Eltern übernommen haben oder habt ihr sie auf die rebellische Weise selbst entdeckt?

Jonas: »Also mein Vater hat früher mehr diesen Seventies-Rock gehört. Davon habe ich ein bisschen was mitbekommen. Bands wie Led Zeppelin, The Who und so weiter. Irgendwann als ich zwölf war, hat er mir eine Nirvana-CD geschenkt. Er hat sie gekauft und ihm hat sie nicht gefallen. Er hat Rock gemocht, aber nie was Härteres gehört. Nirvana war ihm manchmal schon zu hart.«

O’Neal: »Bei mir war es so, dass meine Eltern gar keine Rockmusik gehört haben. Meine Mutter hat nur Sachen wie Motown, Soul und R'n'B gehört. Ich glaube, ich habe später im Fernsehen die Smashing Pumpkins gesehen. Das fand ich cool. Aber die erste härtere Band, die ich richtig gehört habe, war Black Sabbath.«

Dachten deine Eltern dann, du wärst ein böser Junge oder hatten sie kein Problem damit?

O’Neal: »Das war kein Problem. Meine Mutter findet die Misfits zum Beispiel super.«

Jonas: »Seine Mutter kommt sehr oft zu den Konzerten. Die findet das cool.«

O’Neal: »Slayer mag sie allerdings weniger. Hardcore-Musik findet sie zu extrem. Aber alles, was einigermaßen Melodie hat, ist okay. «

 

 

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