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MASTODON, RUSSIAN CIRCLES, RED FANG

München, TonHalle

MASTODON

Es ist ein grauer, regnerischer Vorwintertag in München. Doch der Abend verspricht Aufmunterung: MASTODON haben sich RUSSIAN CIRCLES und RED FANG ins Vorprogramm geholt, um zur besten Sendezeit am Samstagabend die Münchner zu verzücken.

Während draußen vor der TonHalle eine lange Schlange in der noch nicht ganz sibirischen, aber ungemütlichen Kälte wartet, geht drinnen pünktlich die akustische Sonne über der harten Post-Rock-Tundra auf: RUSSIAN CIRCLES befunkeln das dicht gestellte Publikum mit ihren ausgefeilten Songs, getrieben von einem exzellenten Basssound. Die Amerikaner hinterlassen spürbar einen großen Eindruck: Nicht häufig ist bei der ersten Band schon so eine begeisterte Stimmung vor der Bühne – insbesondere, als sie mit dem intensiven 'Deficit' ihre halbe Stunde fulminant beenden.

Nach der etwas schwereren Vorspeise werden ungeduldig RED FANG erwartet, welche die Partylaune mit ihrem Stoner Rock stark ansteigen lassen. Zu Songs wie dem Einsteiger 'Blood Like Cream' oder 'Wires' wabern die vorderen Reihen vor lauter hüpfenden und headbangenden Köpfen wild. Etwas weiter hinten will der allerletzte Funke nicht so richtig überspringen: Zum einen ist Aaron Beams' (v., b.) Gesang etwas leise, zum anderen machen die Vier zunächst wenige Anstalten, mit dem Publikum zu kommunizieren. Erst vor dem drittletzten Song gibt es mit dem obligatorischen Dankeschön die ersten Worte von der Bühne. Beim abschließenden 'Prehistoric Dog' holen sie dann aber noch mal alle ins Boot und hinterlassen lauter glückliche Gesichter.


Die kurze Pause nutzen die meisten für eine Massenschieberei an die frische Luft oder einen ausgiebigen Plausch mit vielen Bekannten, denn das Band-Paket hat Leute mit den unterschiedlichsten Geschmäckern unter ein Dach gebracht. Dann wird es auch schon wieder dunkel und die vier Hauptprotagonisten stapfen auf die Bühne. Mit 'The Last Baron' erlösen MASTODON die Wartenden, bevor es mit 'Sultan’s Curse' direkt in die Hauptlektüre des Abends geht. Schließlich soll die Tour das aktuelle Album „Emperor Of Sand“ befeuern. Entsprechend haben es gleich acht der elf Songs des Silberlings auf die Setlist geschafft. Sänger und Bassist Troy Sanders gibt den dynamischen Bühnenmittelpunkt, während Brent Hinds und Bill Kelliher zu seiner Linken und Rechten etwas ruhiger, aber dennoch mit vollem Einsatz ihre Gitarren bedienen. Einziger Wermutstropfen: Da Brann Dailor im Gegensatz zu den Studioaufnahmen, auf der Bühne gleichzeitig singt und die Stöcke schwingt, gelingt sein stimmlicher Beitrag nicht immer ganz so auf den Punkt. Aber da er das unter den Umständen sehr gut meistert, sei das als Live-Feeling verbucht. Zu gucken gibt’s derweil nicht nur die Band: Passend zum jeweiligen Album wechseln die LED-Säulen auf der Bühne von Farbspielen über psychedelische Muster bis zu Comic-Monstern.

Für den Zugaben-Block kommt ein weiteres Mikrofon und mit ihm Scott Kelly (sonst Sänger bei Neurosis) auf die Bühne. Der hat sich als Fan-Schmankerl zu MASTODON in den Tourbus gesellt. Gemeinsam beglücken sie auf der Europatour nun die Zuhörer mit den Songs, die er bereits im Studio mit seiner Stimme unterstützt hat. Lieder wie 'Crack the Skye', 'Aqua Dementia' oder 'Spectrelight' sind dadurch imposante Live-Spektakel, fahren allerdings auch die ausgelassene Stimmung etwas herunter. Nach dem dennoch wirklich gelungenen Bett- bzw. Samstagabend-Hupferl ist nach 19 Songs schließlich Feierabend. Der Epilog kommt von Dailor, der sich das Mikro schnappt und seine Portion Rampenlicht abholt: Er bedankt sich dafür, dass das Münchner Publikum seine graue Regentag-Laune weggepustet hat. Gern geschehen! Dann geht’s für alle wieder schiebend nach draußen in die bayrische Winterluft – nun aber aufgeheizt von 3,5 Stunden feinster Musik, einer proppenvollen Halle und natürlich MASTODON‘schem Wüstensand.



SETLIST MASTODON:

The Last Baron
Sultan's Curse
Divinations
Ancient Kingdom
Ember City
Megalodon
Andromeda
Oblivion
Show Yourself
Precious Stones
Roots Remain
Mother Puncher
Steambreather
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Scorpion Breath
Crystal Skull
Crack The Skye
Aqua Dementia
Spectrelight
Diamond In The Witch House

 

Pics: Falk-Hagen Bernshausen