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REVIEW 25.01.2017

(DVD - Musik, RH 357, 2017)

ULI JON ROTH - Tokyo Tapes Revisited - Live In Japan

(UDR/Warner) Im Februar 2015 hat sich ULI JON ROTH vor der drohenden Schließung der Nakono Sun Plaza Hall noch einmal den Traum erfüllt, an den Aufnahmeort des legendären „Tokyo Tapes"-Albums der Scorpions zurückzukehren. Natürlich mit seinem „Scorpions Revisited"-Live-Programm, mit dem der Hannoveraner Gitarren-Weltstar in den letzten Jahren unerschrocken auch durch kleinste Clubs tingelte. Es scheint also eine echte Herzensangelegenheit zu sein. Auch in Tokio verzichtet man auf opulente Bühnendekorationen. Instrumente, Amps und Theaterlicht genügen, die Musik steht im Vordergrund. Im Falle des 62-Jährigen, der so quirlig und virtuos wie ein 30-Jähriger musiziert, ist das mehr als angemessen. Es ist ein Genuss, Roth in jeder Sekunde dieser DVD zuzusehen. Selbst sein mit Tremolo inszenierter Sololärm, bei anderen Gitarristen normalerweise ein Selbstgänger für eine Pinkelpause, lässt einen den Atem anhalten. Umso mehr fällt auf, dass seine Mitstreiter hier bestenfalls nur mitschwimmen, aber nicht auf Augenhöhe dagegenhalten können. Das ist selbstredend kein Vorwurf an die halb so alten Jungs von Crystal Breed, die sich musikalisch blitzsauber aus der Affäre ziehen. Dass sich Zweitsänger Niklas Turmann an das einst 1978 von Klaus Meine intonierte japanische Volkslied ´Kojo No Tsuki´ heranwagt (und die Aufgabe meistert), nötigt sogar großen Respekt ab. Die Fußstapfen von „Tokyo Tapes" sind halt riesengroß. Die Kritik richtet sich eher an den Hauptsänger Nathan James, der mit seiner souligen Rockröhre zwar einigermaßen punkten kann, aber ansonsten blass bleibt und so wirkt, als könne er am nächsten Tag in einem Tokioter Kaufhaus genauso gut Damenstrümpfe anpreisen. Unterm Strich ist „Tokyo Tapes Revisited" eine etwas zu biedere Nostalgie-Show für daheimgebliebene Roth-Fans, die von der bärenstarken Setlist mit wenig strapazierten Klassikern wie ´Dark Lady´, ´Pictured Life´ oder ´Fly To The Rainbow´ lebt.

REVIEW 28.01.2015

(Album, RH 333, 2015)

ULI JON ROTH - Scorpions Revisited

UDR/Warner (109:16) Ich gebe es zu: Als Kaiser mich fragte, ob ich das ULI JON ROTH-Album besprechen will, habe ich kurz gezögert. Es gab in den letzten Jahren einfach zu viele Altstars, die ihre Klassiker neu aufgenommen haben, dabei aber nur selten an den Biss der Originale anknüpfen konnten - vor allem, wenn es um altersmilde Symphonic- oder Akustik-Platten ging. Man sollte sich aber nicht von der verträumten Optik des ehemaligen Scorpions-Gitarristen blenden lassen. Diese Doppel-CD enthält brandneue Aufnahmen mit einer jungen Begleit-Band und bezieht sich auf Highlights der vier Scorpions-Frühwerke, auf denen Roth federführend mitwirkte: „Fly To The Rainbow", „In Trance", „Virgin Killer" und „Taken By Force". Jungs wie Kirk Hammett oder Mikael Åkerfeldt (der stolz in einem „In Trance"-Shirt rumrennt) sind nicht umsonst riesige Fans des Gitarristen mit dem markanten Stirnband. Damals hieß es über die Scorpions: „Die Band, die den Krautrock schlachtete!" Mit anderen Worten: Die Hannoveraner waren für ihre Zeit hart und revolutionär, und diesen Spirit hat ULI JON ROTH wie durch ein Wunder 40 Jahre später wieder aufleben lassen. Der Legende nach haben die Aufnahmen in einem Raum stattgefunden, in dem die Scorps in den siebziger Jahren tatsächlich geprobt haben. Wie auch immer: Das Zusammenspiel der Band ist fantastisch. Es klingt „live" und organisch, während Roth wie ein junger Gott rockt, die unglaublichsten Soli doppelt, gekonnt Effekte einsetzt und nur äußerst sparsam in psychedelische Gefilde abdriftet oder eine kleine Jam-Session ausruft. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass den ohnehin schon genialen Tracks wie ´The Sails Of Charon´, ´In Trance´, ´Dark Lady´ oder ´Pictured Life´ neues Leben eingehaucht wurde. Es stellt sich allerhöchstens die Frage, ob man den leicht nasalen Gesang von Klaus Meine vermisst oder eben nicht. Ich für meinen Teil habe diese Songs jedenfalls wiederentdeckt und werde das Album ganz sicher in Dauerrotation schicken. Ein Must-have für Classic-Rock-Fans und ein Highlight des noch jungen Jahres!

REVIEW 4.0 17.09.2008

(Album, RH 257, 2008)

ULI JON ROTH - Under A Dark Sky

Bist du irre, Mike? Warst du mit Uli Jon im Wald Pilze sammeln? Seid ihr bekifft in die Dämmerung getanzt? Oder hast du tatsächlich kein Gespür für die KOMIK dieser Platte? Allein der inhaltliche Anspruch dieser Rock-Oper, an ein paar Textfragmenten festgemacht, ist - nun ja - SEHR ambitioniert, um nicht zu sagen blauäugig: Die Menschheit soll aufwachen, umkehren und aufhören zu sterben! Sag ich ja auch immer - nur interessiert das weite Teile der Menschheit leider nicht. Da kann ich meine Anlage noch so laut aufdrehen. Und Gott, der hier des Öfteren um Hilfe angesungen und -gefiedelt wird, hat scheinbar auch Besseres zu tun. Es ist wie verhext. „Sag mir, warum - sind wir Menschen dumm?" Tja, eine Frage, die dieses Album zu Recht aufwirft. Ich respektiere Herrn Roth als außergewöhnlichen Musiker, und es ist sicher eine ehrenvolle Aufgabe, Rockmusik mit klassischer Instrumentierung und (streckenweise eingebautem) Operngesang zu verbinden. Ich bin auch nicht Beethoven und möchte mir kein halbgares Urteil über das kompositorische Vermögen des Herrn Roth erlauben. Alles, was ich beurteilen kann, ist die Wirkung dieses Albums auf den unbedarften, nichts Böses ahnenden Rock´n´Roller. Und der, lieber Mike, kann sich ein meterbreites Grinsen garantiert nicht verkneifen, wenn er diesen Hippie-Pomp, dessen Kitsch-Faktor gut und gerne Rhapsody-Niveau erreicht, in die Lauscher geträufelt bekommt. Es sei denn, er gehört zu jener Sorte Gutmenschen, die am liebsten auf geblümten Wiesen herumlümmeln und verträumt in den Himmel, den Sky Of Avalon, blicken, wo quietschfidele Vögelein um die kunterbunte Sky Guitar herumflattern und verzauberte Saiten süß zum Klingen bringen, flankiert von Posaunenengeln, die mit ihren Goldkehlchen den göttlichen Kanon der Liebe anstimmen. Dann Hals- und Beinbruch, liebe Gemeinde. FUCK ART LET´S SLAM!

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