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REVIEW 9.0 18.11.2015

(Dynamit, RH 343, 2015)

TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA - Letters From The Labyrinth

BONUSBOMBE Republic/Universal (52:14) Eines vorweg: Wer mit Ami-Bombast und ausgeprägten Klassik-Elementen nichts anfangen kann und seinen Metal lieber roh und ungeschliffen goutiert, kann gleich zur nächsten Rezension springen. Denn auch wenn TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA mehr denn je in Richtung ihrer Wurzeln (genau, gemeint sind natürlich Savatage) schielen, ist „Into The Labyrinth“ sicher eine ganze Menge, aber kein brettharter No-bollocks-Metal. Also, Ronny, hier gibt´s nichts für dich zu sehen. Auch Sie können gleich weitergehen, Herr Schiffmann. Sind jetzt alle Kostverächter weg? Prima, dann weiter im Text: TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA legen mit „Letters From The Labyrinth“, ihrem sechsten Studioalbum, ihre bisher beste Veröffentlichung vor. Seit dem Release von „Night Castle“ sind sechs Jahre ins Land gezogen - eine Zeitpanne, die Paul O´Neill (Produzent und Songwriter) und Jon Oliva (Songwriter, Keyboarder und Gitarrist) offensichtlich bestens genutzt haben. Die Platte strotzt an allen Ecken und Enden vor liebevollen Details, ist perfekt arrangiert und produziert. Alle beteiligten Musiker (und das sind bei TSO nicht gerade wenige) machen einen hervorragenden Job. Besonders hervorzuheben ist die Leistung der Sänger: Wenn Jeff Scott Soto, Russell Allen oder Neuzugang Kayla Reeves (die gerade mal knapp über 20 ist und singt, als hätte sie nie was anderes getan) die Vocal-Lines intonieren, läuft es mir ein ums andere Mal kalt den Rücken runter. (Dann zieh dir doch endlich mal was an. - Red.) Tracks wie ´Not Dead Yet´ oder ´Prometheus´ hätten ohne Weiteres auch auf einem Savatage-Album stehen können (auf „Power Of The Night“ bestimmt nicht... - bk), ansonsten reicht die musikalische Spanne von einer sanften Piano-Ballade (´Not The Same´) über verspielte Klassik-Neuinterpretationen (´Madness Of Men´) bis hin zu flotten Hardrockern (´Forget About The Blame´). Für mich die Platte des Monats!

REVIEW 13.12.2000

(Album, RH 164, 2000)

TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA - Christmas Eve And Other Stories / The Christmas Attic

(62:13)(72:23) Wer schon immer mal etwas genauer wissen wollte, warum Savatage in den letzten Jahren ein halbes Dutzend Veröffentlichungstermine ihres demnächst erscheinenden Albums "Poets And Madmen" verschoben bzw. einen schwer nachvollziehbaren Zickzack-Kurs in puncto Touring hingelegt haben, der sollte es sich nicht nehmen lassen, in diese beiden Re-Releases reinzuhören - und gleich ein paar Exemplare davon für Mutti, Opa und Tante Luise einzupacken, damit die liebe Verwandtschaft beim Fress-Fest 2000 mal was anderes hört als die Weihnachtsplatten von James Last, Ivan Rebroff oder André Rieux. TSO ist ein Unternehmen, das konsequent in eine Marktlücke vorgestoßen ist. In den USA hat der aufwendig produzierte Nebenerwerb des Komponistenteams Oliva/O'Neill nach allen Regeln der Kunst eingeschlagen, das Mainstream-Publikum erobert und konsequenterweise Edelmetall abgeräumt. "TSO ist Savatage, und Savatage ist TSO", brachte Basser Johnny Lee Middleton die Sachlage kürzlich auf den verzwickten Punkt. Für echte Savatage-Fans dürfte es nach wie vor eine Glaubensfrage sein, ob man sich die Weihnachtsalben des Savatage-Ablegers zulegt oder nicht, aber dass TSO in Europa bislang eher mit kitschiger Fahrstuhlmusik als mit einem essenziellen Sideproject in Verbindung gebracht wird, ist ein offenes Geheimnis. Daran dürfte auch der Re-Release des 1996 veröffentlichten "Christmas Eve And Other Stories" und des 1998 erschienenen "The Christmas Attic" zunächst nicht viel ändern. Natürlich transportieren beide Scheiben über weite Strecken typischen Savatage-Bombast (allerdings in schaumgebremster Slow Motion) inklusive so manch knackigem Gitarrenlead der Herren Caffery oder Pitrelli. Und die diversen Gastmusikanten, hauptsächlich Stimmen, die Paul am Broadway rekrutiert hat, repräsentieren ebenfalls durchweg erste Klasse. Für Europa dürfte dennoch das Gleiche gelten wie für die Staaten: Der Erfolg von TSO wird ganz sicher nicht vom Wohlwollen der Heavy-Gemeinde abhängen, sondern auf einer anderen Ebene entschieden.

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