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REVIEW 28.09.2016, 01:00

(Album, RH 353, 2016)

ZZ TOP - Live - Greatest Hits From Around The World

Suretone/Warner (62:20) Auch wenn von ZZ TOP bereits einige DVDs existieren: Ein messerscharfes, auf Kante genähtes Livealbum einer schweißtreibenden Clubshow würde noch in die Sammlung passen, doch davon ist das texanische Blues-Trio heutzutage meilenweit entfernt. „Greatest Hits From Around The World“ ist eine Zusammenstellung von Live-Titeln aus den letzten Jahren, die vor allem aufgrund der unterschiedlichen Sounds und nerviger Ein- und Ausblendungen die Stimmung eines durchgehenden Konzerterlebnisses selten aufkommen lässt. Meistens klingt es nach Sportarena. Es kann mir auch keiner erzählen, dass die Band nicht genug Moos hätte, so was richtig zu machen, anzugleichen oder den Fluss wenigstens künstlich herzustellen. Ebenso unverständlich sind einige Performances wie das unterirdisch dünn klingende ´Pincushion´, eigentlich einer meiner absoluten Favoriten ihres Repertoires. Es ist zwar gut zu wissen, dass selbst Billy Gibbons nicht immer jeder Ton gelingt, aber hören will ich das nicht. So ist das Album eine Gratwanderung zwischen Weltklasse und dem gelangweilten Niveau einer Barband, wobei die Lässigkeit des Trios berühmt ist - und die Show der bärtigen Frontleute natürlich auch fester Bestandteil des Konzepts. Mit Abstrichen bei einer Audio-only-Veröffentlichung war also zu rechnen, trotzdem hätte ich etwas mehr Schwung erwartet - und natürlich den ultimativen Bluesrock-Sound.

REVIEW 7.0 31.08.2016

(Album, RH 352, 2016)

Kna´an

Century Media/Sony (36:20) Wenn mir vor 20 Jahren jemand erzählt hätte, dass zwei israelische Metalbands im Landestheater Memmingen Teil einer progressiven Theater-Aufführung sind, die sich mit einer interreligiösen Streitfrage aus alttestamentarischen Zeiten beschäftigt, hätte ich getippt, dass Drogen im Spiel sind, aber 2016 fühlt sich das Ganze trotz der verstörenden Terror-Schlagzeilen völlig normal an. Weil ORPHANED LAND beteiligt sind und man sich an die Friedensbotschafter des Metal bereits gewöhnt hat? Vielleicht sollte man sich lieber vor Augen führen, wie mutig und wichtig gerade jetzt Akteure des Kulturbetriebs sind, die unbeirrt ihrem Herzen folgen - egal, wie viele verblendete Irre, Selbstmordattentäter und Amokläufer ihrem Leben noch ein blutiges Ende setzen werden. Umso schwieriger ist es, den „Kna´an“-Soundtrack nach rein musikalischen Kriterien fair zu beurteilen. Stilistisch bietet das Album den zu erwartenden Mix aus Akustik-Balladen und harten Einschüben, wobei Letztere klanglich leider nicht immer den nötigen Druck erzeugen. Hinzu kommt, dass sich viele Teile an der Länge der vorgegebenen Storyline orientieren müssen. Das ist ein wenig schade, weil der Großteil der Songs im Kern großartige Melodien transportiert, die das Zeug zu neuen ORPHANED LAND-Großtaten hätten. Besonders der oft mehrstimmige Gesang ist äußerst gelungen, weshalb auch die eine oder andere Portion Pathos zu verschmerzen ist. Unterm Strich ist „Kna´an“ ein hörenswertes Nebenprojekt der Israelis, von der konzentrierten Qualität eines Oriental-Metal-Klassikers wie „All Is One“ ist man allerdings ein Stück weit entfernt. 4 Fragen an ORPHANED LAND-Sänger Kobi Farhi: Kobi, wie muss man sich den Songwriting-Prozess für ein Theaterstück vorstellen? »Auf jeden Fall anders als sonst. Manchmal wurden kurze Teile gebraucht, oder ich musste für die ersten Versionen zunächst weibliche Stimmen imitieren. Es gab Meetings mit dem Schauspiel-Leiter Walter Wayers, bei denen wir seine Wünsche verstehen mussten. Es war ein sehr nettes Abenteuer, besonders als wir der finalen Aufführung, bei der Schauspieler zu unseren Playbacks sangen, beiwohnen konnten.« Was ist auf dem Cover zu sehen? »Eine Kalligraphie, die aussieht, als hätte man sie bei einer archäologischen Ausgrabung gefunden, und die das Wort „Kna´an“ darstellt. Der obere Teil des Wortes ist in Hebräisch, der untere in Arabisch. Eine neue Sprachschöpfung unsererseits: „Arabhebrew“.« Kannst du den Hintergrund der Aufführung in zwei Sätzen erklären? »Walter hat seine eigene Interpretation jener Bibel-Geschichte erarbeitet, die wir in dem Song ´Brother´ (von „All Is One“ - hs) erzählen. Obwohl beide Söhne gesegnet sind, streiten Juden und Christen auf der einen Seite und Muslime auf der anderen bis heute darüber, ob Abraham Isaak oder Ismael opfern sollte, weil sich das Selbstverständnis der Religionsgruppen als deren Nachfolger unmittelbar davon ableitet. Walter hat den Wahnsinn sehr gut in Dialoge umgesetzt.« Im November brecht ihr erneut zu einer Tour mit zwei „World Metal“-Bands aus China und Russland auf. Es sieht so aus, als wolltet ihr den Spannungen im Nahen Osten so oft wie möglich entfliehen. »Wir feiern das 25-jährige Bestehen unserer Band. So lange schreiben wir schon Musik über unsere blutende Region. In dieser Zeit haben wir Hoffnung vermitteln, aber nichts ändern können. Im Gegenteil: Die Situation wird immer schlimmer.« (hs)

REVIEW 8.5 31.08.2016

(Dynamit, RH 352, 2016)

MESHIAAK - Alliance Of Thieves

Mascot/Rough Trade (47:37) Gut, es gibt die Big Four, aber auf den Plätzen fünf bis zehn balgen sich mit (u.a.) Kreator, Death Angel, Machine Head, Testament und Annihilator ja auch noch illustre Gestalten. Denen rücken nun ein paar Australier aus Melbourne auf die Pelle. MESHIAAK haben sich mit Drum-Ikone Jon Dette (Slayer, Anthrax, Iced Earth, Testament) zusammengetan und mit „Alliance Of Thieves“ gleich einen Paukenschlag veröffentlicht. Von der Konstellation her erinnern MESHIAAK (Hebräisch für „Messias“) an die ehemaligen Redaktionslieblinge Grip Inc., die in den Neunzigern die Szene bereicherten. Fundament des perfekt produzierten Debüts ist die flinke Drum-Akrobatik von Dette, auf dem mit Dean Wells (Teramaze) ein neuer Star am Gitarrenhimmel groß aufspielt. Während die Rifforgien schon gehobenere Klasse darstellen und sich vom Fleck weg in der Slayer/Anthrax-Liga etablieren, lässt vor allem das Melodieverständnis im Sinne eines Rob Cavestany (Death Angel) oder Waldemar Sorychta (Grip Inc.) aufhorchen. Wells´ pfiffige Leads, Overdubs und Akustikgitarren machen aus einem guten Debüt ein explosives Gemisch, das man als Thrash-Fan 2016 gehört haben sollte. Songwriting-Partner ist Sänger Danny Camilleri (4Arm), der erstaunlicherweise die ideale Gewichtung zwischen Gesang und Geschrei wie weiland Gus Chambers (Grip Inc.) hinbekommt und stellenweise sogar ein paar radiotaugliche Modern-Metal-Refrains à la Alter Bridge einstreut. Das geschieht aber so subtil, dass es an der harten Grundausrichtung der Platte wenig ändert. Eine neue Supergroup also? Trotz der überragenden Spieltechnik vermisst man zuweilen das große Kino, das die Titanen dieser Musikrichtung auf ihren Frühwerken präsentierten: die epischen Aufbauten von Metallica, den Jazz der frühen Megadeth, die Fiesheit von Slayer oder das Hitgespür von Anthrax. Eigenständigkeit ist noch nicht die große Stärke von MESHIAAK. Man hört dem Album aber jederzeit an, dass in Zukunft alles möglich ist. Bei Songs wie ´It Burns At Both Ends´ (mit orientalisch angehauchtem Intro/Outro), dem raffinierten, von Alice In Chains (!) inspirierten ´I Am Among You´ oder der mit einer wunderschönen Gitarrenhook garnierten Raserei ´Last Breath Taken´ ist man dem Maximum schon recht nahe. Stark!

REVIEW 8.5 27.07.2016

(Dynamit, RH 351, 2016)

WITHERSCAPE - The Northern Sanctuary

Century Media/Sony (46:59) Mit „The Northern Sanctuary“ meldet sich eines der besten Studioprojekte der europäischen Metalszene zurück. Für ihr Debüt räumten Dan Swanö (v./dr./keys, Produktion) und Ragnar Widerberg (g./b.) immerhin 2013 eine „Album des Monats“-Auszeichnung im Rock Hard ab. Stilistisch ist man von der „Alles geht!“-Erfolgsformel keinen Deut abgewichen. Die scheuklappenfreie Mischung aus Prog- und Melodic Rock, Power- und Death Metal ist erneut das große Plus des Albums. Letztlich weiß man nie, welches Riff an der nächsten Kreuzung lauert. Für den supereingängigen Gitarrenlauf von ´In The Eyes Of Idols´ würden In Flames heute töten, der Opener ´Wake Of Infinity´ erinnert an Opeth zu ihren besten Metal-Zeiten, während Swanö für den Refrain seine knödelige Grönemeyer-AOR-Stimme erklingen lässt. Auf diese Art und Weise geht´s munter weiter. Die Gitarren sind vom Allerfeinsten, und dass ein erfahrener Producer wie Dan klangtechnisch nichts anbrennen lässt und treffsicher spannende Songs zu inszenieren weiß, versteht sich von selbst. Selbst die programmierten Drums sind hier kein Grund, die Platte in irgendeiner Form abzuwerten. Mit dem 14-minütigen Titelstück ist Swanö zwar kein alles überragender Epic-Klassiker gelungen, der die Platte in noch höhere Weihen gehoben hätte, aber gut gemacht ist die Nummer allemal. Als überraschender Ohrwurm entpuppt sich hingegen die Death-Metal-Ballade (so was gibt´s wirklich...) ´Marionette´. Sehr überzeugend!

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