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REVIEW 8.5 22.05.2019, 08:00

(Dynamit, RH 385, 2019)

PERRY FARRELL - Kind Heaven

Ich gebe es zu: Ein Jane´s-Addiction-Album mit feinen Rasereien an Drums und Gitarren wäre mir natürlich lieber gewesen - dafür war das Solo-Werk von PERRY FARRELL dann doch etwas zu schwammig. Aber die Neugier siegt, vor allem, wenn man liest, dass der auch schon 60-Jährige noch einen Plattenvertrag über mehrere Alben abschließen konnte. Da muss man liefern und kann nicht benebelt im Studio abhängen. Und tatsächlich ist „Kind Heaven“ eine höchst abwechslungsreiche Veranstaltung, die auch noch erstaunlich kurzweilig auf den Punkt kommt. Denn nach neun Songs und 31 Minuten ist die Messe bereits gelesen. Das fröhliche Rock-Cabaret in ´Cheerfulness´ und ´Snakes Have Many Hips´ kennt man in ähnlicher Form noch von Jane´s-Addiction-Platten, ebenso die gewaltig rockende Single ´Pirate Punk Politician´ - nicht der letzte hitverdächtige Song des Albums. Beeindruckend ist vor allem die professionelle Umsetzung im Studio. Die Melange aus rockigen und elektronischen Elementen, das Verweben von digitaler und analoger Technik klingt stets äußerst homogen. Das gilt natürlich erst recht für die tollen weiblichen Stimmen des Albums und alle mitwirkenden Studiocracks - vom Allerfeinsten. ´Machine Girl´ glänzt durch flotte Eingängigkeit, ´One´ ist eine zärtliche Liebeserklärung, ´Where Have You Been All My Life´ lässt einen Drum-Machine-Groove in einer Rock-Session enden, und ´More Than I Could Bear´ ist eine starke Hommage an die sinfonischen Elemente bei den Beatles oder Led Zeppelin. Mit ´Spend The Body´ enthält das Album sogar einen tanzbaren EBM-Hit, der, auch wenn man solcher Musik eher skeptisch gegenübersteht, wirklich gut gemacht ist und sogar ein fettes Gitarrensolo enthält. Qualität für Vielseitigkeitsreiter.

REVIEW 8.0 22.05.2019, 08:00

(Album, RH 385, 2019)

THE IDIOTS - Schweineköter

Wie durch ein Wunder erscheint pünktlich zum Auftritt auf dem Rock Hard Festival die neue THE IDIOTS-LP. Und was ist drauf? Was darf der WDR in die (stilecht im Gelsenkirchener Barock eingerichteten) Wohnzimmer der Republik senden? „Mehr Schwein als Sein, du dummes Fickgesicht, fütterst dein Ego, wenn du andere Seelen brichst“. Ja, „Schweineköter“ gibt es in diesem Land genug. Sir Hannes ist immer dann am besten, wenn sich Derbheit und Hintersinn treffen. Wenn man dem Spießbürger ein bisschen Angst machen kann, obwohl der Idioten-Fronter ansonsten der liebste Mensch unter der Sonne ist. Punk darf (fast) alles. Deshalb fällt es manchmal schwer, auf dem Album Ironie und Message auseinanderzuhalten. So ist ´Plastic´ ein überfälliger musikalischer Kommentar zur Vermüllung der Umwelt, während ´Maniac´ wie ein Späßchen über Tough-Guy-Poser wirkt. Höhepunkt des Albums ist sicher ´Dead Heroes´, eine feine Hommage an David Bowie und die anderen „gefallenen“ Helden des Rock. ´Gotteskrieger´ glänzt mit zackigen Ska-Beats und lockert den meist harten Punk-Metal-Sound ein wenig auf. Ab und zu sind mir die „Fuck“- und „Suck“-Rufe etwas zu abgedroschen, auch das Trump-Lied ´Fake News´ hätte ich nicht gebraucht. Dafür wirkt die Band gegenüber „Amok“ jedoch wesentlich besser geölt, wenn es richtig auf die Zwölf geht. Die Tour mit Suicidal Tendencies hat sicher geholfen. Das kann ja ein Massaker werden...

REVIEW 8.5 22.05.2019, 08:00

(Dynamit, RH 385, 2019)

DIAMOND HEAD - The Coffin Train

Das selbstbetitelte Comeback-Album hatte 2016 keine große Wellen geschlagen, doch schon die Live-Show auf dem letztjährigen Rock Hard Festival und die Verdrahtung mit Dave Mustaines Management hatte gezeigt, dass mit Brian Tatlers neu formierter NWOBHM-Legende noch zu rechnen ist. Und so wirkt „The Coffin Train“ auch wesentlich geschlossener als der Vorgänger. Das Album enthält alle wichtigen Trademarks, die für DIAMOND HEAD-Fans wichtig sind. Spannende Songaufbauten mit feinen Tempowechseln und eine elegante Gitarrenarbeit, die sich meilenweit vom Ego-Gedudel sämtlicher „Gitarrenhelden“ fernhält. Oder: die Blaupause, die Metallica und Megadeth bekanntlich begierig als Teenager aufsaugten. Einen so schönen (warmen, halbaggressiven) Gitarren-Sound wie auf „The Coffin Train“ gab es schon lange nicht mehr zu hören. Da der harte Opener ´The Belly Of The Beast´ gleich hervorragend ins Ohr geht, vermutet man glatt eine Wiederauferstehung jener Band, die zwei große Klassiker schrieb, danach aber viel halbgaren Kram und lange Pausen produzierte. Obwohl das Niveau bis zum Schluss sehr hoch bleibt, fehlt dem Gesang von Rasmus Bom Andersen noch ein Quäntchen Charakter. Ein bisschen mehr Hit-Appeal hätte dem Album wohl auch nicht geschadet, das Gros der Titel erschließt sich erst nach vielen Durchläufen. Ansonsten ist das hier eine musikalisch starke Vorstellung mit viel Liebe zum Detail, die selbst die meisten Experten DIAMOND HEAD nicht mehr zugetraut hätten. Fates-Warning-Fans der Arch-Ära können aufgrund der ausgetüftelten Songstrukturen ebenfalls ein Ohr riskieren.

REVIEW 8,5 17.04.2019, 08:00

(Album, RH 384, 2019)

MONKEY3 - Sphere

Beinahe unbemerkt von der rockenden Öffentlichkeit hat sich im Umfeld der Stoner-Szene das Instrumental-Genre breitgemacht. Mit insgesamt acht Veröffentlichungen kann man die Schweizer MONKEY3 schon zu den Veteranen zählen, der letzte Output „Astra Symmetry“ erreichte sogar erstmals die Top 100 in Deutschland. Die 70 Minuten der Platte gestalteten sich seinerzeit allerdings etwas zäher und langatmiger als gewohnt. Vielleicht war's Übereifrigkeit, aber was auch immer der Grund gewesen sein mag, „Sphere“ kommt wesentlich knackiger auf den Punkt. Die Länge der einzelnen Songteile ist nun mal entscheidend für den Spannungsaufbau (oder -abbau), und in dieser Hinsicht kann man MONKEY3 diesmal allerbeste Zeugnisse ausstellen. Dass besonders die beiden Longtracks 'Spirals' und 'Ellipsis' die Qualität von Genre-Klassikern haben, mag deshalb verwundern, ist aber ein Zeichen für Konzentration, Willen und wunderbar exekutiertem Ideenreichtum. MONKEY3 variieren diesmal extrem leichtfüßig das Tempo und motzen ihre sphärischen Pink-Floyd-Teile erneut mit feinen Zitaten aus der Metal- und Hardrock-Highschool (Metallica, Slayer, Led Zeppelin) auf. Als eine der wenigen Genrebands verzichten „Lausanne's finest“ auf allzu verträumte Dudelei, sondern schlagen auch mal mit dem Punch eines Preisboxers zu. In dieser Form ist das Quartett (den in Deutschland wesentlich bekannteren) Long Distance Calling mindestens ebenbürtig.

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