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REVIEW 18.03.2020, 08:00

(Album, RH 395, 2020)

DISCHARGE - Protest And Survive - The Anthology

Die Liste der Metalbands, die DISCHARGE auf offiziellen Veröffentlichungen gecovert haben, liest sich nicht schlecht: Metallica, Anthrax, Machine Head und Soulfly. Und bei Weggefährten wie Motörhead kann man gar nicht sagen, wer eigentlich wen beeinflusst hat. Titel wie ´Fight Back´ oder ´The End´ klingen beinahe wie Demotapes von ´Ace Of Spades´. DISCHARGE fehlte allerdings die Präzision, um mit den ganz Großen der Szene mithalten zu können. Das glich man mit einem Händchen für anarchische Slogans und Straßenkampf-Attitüde aus. Der weiß auf schwarze Lederjacken gekritzelte oder gesprühte Schriftzug, Uniform für Millionen Punks weltweit, gilt als DISCHARGE-Markenzeichen. Mit den abgedämpften, rasend schnell inszenierten Riffs hatte das Geschredder der Briten schon sehr früh ein Stilmittel im Sound, das von langhaarigen US-Teenagern Anfang der Achtziger begierig aufgesaugt wurde und nach Tausenden von Übungsstunden die Geburtsstunde des Thrash hervorbrachte. Ebenso interessant sind die Gitarrensoli des Frühwerks, die betont schnell, hässlich und dissonant klingen, höre Kerry King. Das ist deshalb bemerkenswert, weil Soli bei den üblichen Zwei-Minuten-Eruptionen im Punk eigentlich verpönt waren. So kultig und wichtig DISCHARGE allerdings auch waren, die Unmenge an Titeln auf „Protest And Survive“ verrät auch schnell deren Schwäche. Die Band gehört nämlich nicht gerade zu den gewieftesten Songwritern. Vieles klingt ähnlich, und die zuweilen holprigen Drums nehmen dem Material viel von ihrer Durchschlagskraft. Bei 53 Songs (inklusive Demos und Remixen) enthält die Doppel-CD natürlich Etliches, das nur für Die-hard-Freaks interessant ist. Schlachthymnen wie ´Hear Nothing, See Nothing, Say Nothing´, ´Protest And Survive´ oder ´State Violence State Control´ sind allerdings Hits, die man kennen sollte.

REVIEW 6.0 19.02.2020, 08:00

(Album, RH 394, 2020)

ANVIL - Legal At Last

Seit dem herzlichen „Anvil! Die Geschichte einer Freundschaft“-Film ist es nicht leicht, etwas Kritisches über die Band zu schreiben. Die Canucks sind darin einfach zu sympathisch und selbstredend zu hundert Prozent Metal. Darüber hinaus bot der Vorgänger „Pounding The Pavement“ von 2018 relativ wenig Anlass zur Kritik, auch wenn das kanadische Trio eh immer nur eine simple Mischung aus Rock´n´Roll, Hardrock und Metal ausrollt. Was an „Legal At Last“ in erster Linie nervt, sind die plakativen „Witzchen“, angefangen beim Cover, das einen kiffenden Engel mit einer ANVIL-Bong zeigt. Stolz freut sich Herr Kudlow, dass die liberale kanadische Regierung Marihuana legalisiert hat und „damit auch die ANVIL-Bong“. Wow. Auch wenn man als Krautrocker vielleicht darüber nachdenken könnte, deshalb ins gelobte Land überzusiedeln, muss ich mir ja nicht gleich einen Song dazu antun. Trotzdem ist der Motörhead-Doublebass-Roller schon das einsame Album-High(light). Denn es geht ja weiter, mit ´Nabbed In Nebraska´, wo sich Lips über die restriktive Drogenpolitik eines US-Bundesstaats ausheult (sorry, aber ´Busted At The Border´ von Thunderhead war da deutlich cooler). Als Nächstes werden wir über ´Chemtrails´ (oje...) aufgeklärt oder ´Plastic In Paradise´. Im Hintergrund sind Gangshouts zu hören, die fast schon wie eine Metal-Parodie klingen. Ist es nur (etwas zu platter) Humor, übersteigertes Sendungsbewusstsein oder schon tumbes Klischee? „Legal At Last“ lässt einen zuweilen etwas ratlos zurück. Musikalisch ist es grundsolide, vor allem die kompetente Produktion und das superbe Schlagzeugspiel lassen keine Wünsche offen, aber das Songwriting und der spröde Gesang können diesmal nur selten begeistern. Es mangelt an metallischem Biss und echtem Wortwitz. Wie schon bei einigen Alben der Neunziger wirken ANVIL wie müde Wiederholungstäter. Seht euch mal das Video zu ´Nabbed In Nebraska´ an...

REVIEW 8.0 22.01.2020, 08:00

(Dynamit, RH 393, 2020)

BONDED - Rest In Violence

Dass mit Markus Freiwald (dr.) und Bernd Kost (g.) zwei bestens bekannte (Ex-Sodom-)Ruhrpott-Musiker hinter BONDED stecken, dürfte sich herumgesprochen haben. Ebenso, dass man Assassin-Shouter Ingo Bajonczak für sich gewinnen konnte. Aber wie klingt es nun? Sehr heavy jedenfalls. Der erste Track ´Godgiven´ tritt vehement die Tür ein und verschafft dem Sänger mit seiner kräftigen Röhre gleich etwas Platz. Ob man BONDED in Zukunft als echte Band wahrnehmen wird, hängt natürlich auch von seinem Wiedererkennungswert ab. Die Eröffnungsnummer sitzt jedenfalls wie ´ne Eins! Thrash auf höchstem Niveau, auch mit Overkills Bobby Blitz am Mikro (´Rest In Violence´) klingt der Fünfer keinesfalls harmloser. Freiwalds perfekt ausgeführte Drumrolls erinnern an das taktvolle Gemetzel der ersten Slayer-Alben, Bernemanns Hi-Gain-Gitarrenarbeit glänzt mit einer wohldosierten Mischung aus Dreck, Technik und dezenten Melodien. ´Suit Murderer´ besitzt das rohe Flair des unbarmherzigen Ruhrpott-Thrash (Kreator), während ´Je Suis Charlie´ sowohl von der Textidee als auch vom Gesangsarrangement her mein Höhepunkt des Albums ist. Aber natürlich gibt es auch Verbesserungspotenzial. Die Verbindung zwischen Gesang und Musik ist nicht immer so elegant wie im Titel über den feigen Angriff auf das französische Satireblatt. So quält sich ´No Cure For Life´ trotz eines guten Refrains etwas über die Runden, und mit zunehmender Spieldauer nutzt sich auch das technisch allerbeste Gedresche etwas ab. Mehr Mut zu Melodie und Abwechslung hätte für meine Begriffe nicht geschadet. Trotzdem ein Debüt, das Genre-Fans auf dem Zettel haben sollten!

REVIEW 8,5 22.01.2020, 08:00

(Dynamit, RH 393, 2020)

ANNIHILATOR - Ballistic, Sadistic

Jeff Waters hat seine Versprechen (weitgehend) eingehalten. „Ballistic, Sadistic“ ist ein Neustart für ANNHILATOR. Gitarre, Bass und Drums grooven und hämmern endlich wieder organischer miteinander, der Billigsound der letzten Veröffentlichungen ist hoffentlich ein für allemal vergessen. Auch der Gesang klingt ehrlicher und spontaner. Damit ist noch nicht alles Gold, was glänzt, aber der Rahmen für einen der besten Heavy-Metal-Gitarristen der Welt ist zumindest würdig. Fans des gepflegten Geschredders kommen hier erneut auf ihre Kosten, die Geschwindigkeit ist größtenteils atemberaubend, die Präzision der Riffs, Soli und Licks eine wahre Wonne. Kleinere Schwächen gibt es allenfalls beim Songwriting zu vermelden. Nach 17 Alben wiederholt sich so einiges im ANNIHILATOR-Camp, das wurde auch auf der kürzlich absolvierten Tour deutlich. Dennoch ist der typische, „galoppierende“ Doublebass-Beat ein Markenzeichen des Kanadiers geworden. Macht immer wieder Spaß und kann auch abendfüllend sein. Mit 'Lip Service' (er meint „Cunnilingus“...) hat sich sogar so was wie ein Beinahe-Remake von 'Knight Jumps Queen' auf die Platte geschlichen. Man muss das wohl alles nicht so ernst nehmen. Die Platte zeichnet sich zwar durch viel Wut und Punk-Attitüde aus, wirkt aber längst nicht so verkrampft wie sonst. 'Armed To The Teeth', 'Psycho Ward' und 'That's Life' haben den richtigen Funken Melodie abgekriegt, ab der Album-Mitte kommen noch zahlreiche Thrash-Granaten zum Zuge, die nicht viel schlechter als die Debüt-Hymne 'Welcome To Your Death' durchs Gelände knattern. Auf ein gewitztes Thrash-Epic à la 'Alison Hell' müssen wir hingegen wohl noch warten, aber der Anfang ist immerhin gemacht.

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