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REVIEW 2.0 24.07.2019, 08:00

(Album, RH 387, 2019)

SABATON - The Great War

PLUS-MINUS Braucht es an dieser Stelle wirklich noch mal eine Diskussion über die „Geschmacksicherheit“ der SABATON´schen Lyrics im Kontext der Happy-Singalong-Melodien der Band? Vermutlich nicht, denn spätestens seit ´The Final Solution´, einem Song über die Grauen von Auschwitz, den die Schweden im Jahr 2010 auf ihrem Album „Coat Of Arms“ veröffentlicht haben, sind die Fronten in dieser Sache ohnehin verhärtet. Die Band nimmt im Interview in dieser Ausgabe ausführlich Stellung zum Thema, und auch wenn ich persönlich (wie gute Teile unserer Redaktion) finde, dass auf „The Great War“ die Grenzen des guten Geschmacks in Sachen Hurra-Patriotismus (z.B. ´Devil Dogs´, aber auch ´Seven Pillars Of Wisdom´ oder ´Red Baron´) mehr als nur einmal überschritten werden, kann man diesen Vorwurf zweifelsfrei auch zig anderen Bands machen - die aber halt weniger groß und deshalb zwangsläufig auch weniger präsent sind. Bleiben wir also bei der Musik, und da machen sich in der Tat inzwischen erste Abnutzungserscheinungen bemerkbar. Damit wir uns nicht falsch verstehen: SABATON agieren auf „The Great War“, ihrem neunten Studioalbum, routiniert nach ihrem bisherigen Erfolgsrezept, setzen auf eingängige Melodien und Refrains, die man nach dem ersten Hören bereits problemlos mitsingen kann. Einige Tracks brechen das gewohnte Schema sogar auf und überzeugen mit anspruchsvolleren Arrangements (´Great War´), frischen Sound-Elementen (´The Attack Of The Dead Men´) und Mut zu Neuem (´In Flanders Fields´), das Gros wirkt aber, man kann es nicht anders sagen, ein Stück weit uninspiriert. Hardcore-Fans wird das freilich nicht stören, und SABATON-Hatern ist die Mucke ja eh egal. Dennoch: Unterm Strich waren „The Art Of War“ und „Carolus Rex“ deutlich stärker. Jens Peters 7 Ja, diese und andere Diskussionen braucht es unbedingt, Jens. Etwa darüber, inwieweit man jeden Dreck mit der Phrase „der Erfolg gibt ihnen Recht“ rechtfertigen darf. Diese „Künstler“ hier waren, sind und bleiben sowohl unter musikalischen (belanglos) als auch ethischen (pietätlos) Gesichtspunkten Dreck, doch dass anscheinend kein Kraut gegen sie gewachsen ist, macht zumindest den geschichtsbewussten und empfindsamen Musikfreund, der diese Zeilen schreibt, nicht im Geringsten gleichgültig. Ich könnte beim Hören der Band und ihrer Texte am Stück kotzen, weil sie „meine“ Musik trivialisiert und ihren Erfolg einer „Musikantenstadl“-kompatiblen Verniedlichung menschlicher Tragödien verdankt, was im Übrigen keinen Deut besser ist als ein Black-Metaller, der beispielsweise rassische Überlegenheitsfantasien intellektualisiert. Sagt nein zu SABATON! Andreas Schiffmann 2

REVIEW 8.0 27.07.2016

(Album, RH 351, 2016)

SABATON - The Last Stand

Nuclear Blast/Warner (37:11) Über SABATON wurde in den letzten Jahren vieles geschrieben. Es gibt derzeit keine andere Band im Rock-Hard-Kosmos, die so populär ist - und gleichzeitig dermaßen polarisiert. Schlagworte, die immer wieder fallen, sind „Schlager-Metal“, „Kriegsverherrlichung“ und „Anspruchslosigkeit“. Keine Frage, der eine oder andere Kritikpunkt ist gerechtfertigt, und unangenehmes Nachbohren muss sich eine Band, die sich in ihren Texten ausschließlich mit Kriegen beschäftigt, schon gefallen lassen. Auf der anderen Seite kann man aber kaum von der Hand weisen, dass SABATON seit der Veröffentlichung ihres Debütalbums (2005) einen Aufstieg hingelegt haben, wie er im aktuellen Jahrhundert in der Rockmusik beispiellos ist. Beinahe alle Konzerte der letzten Tour waren ausverkauft, auf der kommenden Konzertreise wird die Band in denselben Arenen wie Kiss spielen, und das ist durchaus eine Ansage. So ganz falsch können Joakim Broden (v.) und seine Truppe in dem, was sie tun, also gar nicht liegen. Mit „The Last Stand“, ihrem achten Studioalbum in elf Jahren, schlagen die Schweden (wenig verwunderlich) allenfalls dezente neue Pfade ein. Das höchste Gebot, nach dem alle SABATON-Stücke ohrenscheinlich komponiert werden, ist Eingängigkeit. Selbige beginnt bei klar nachvollziehbaren Songstrukturen, führt über (teilweise) zuckersüße Keyboard-Melodien und endet bei Refrains, die sich schon beim ersten Hören problemlos mitsingen lassen. Ist das anspruchsvoll? Nö. Muss Anspruchslosigkeit generell schlecht sein? Nein, denn von einer Hollywood-Komödie oder einem Groschenroman wird auch nicht mehr erwartet, als dass sie unterhalten. Dennoch gibt es neben dem Altbekannten auf der Platte ein paar Überraschungen, wie etwa den Dudelsack-Rocker ´The Blood Of Bannockburn´ oder das Industial-lastige ´The Last Battalion´. „The Last Stand“ ist damit die variabelste Platte der Schweden - die beste bleibt „The Art Of War“.

REVIEW 8.0 23.04.2014

(Album, RH 324, 2014)

SABATON - Heroes

PLUS-MINUS Nuclear Blast/Warner (37:02) Eines vorweg: Wer mit SABATON bislang nichts anfangen konnte, wird auch nach diesem Album nicht zum Fanboy mutieren. Denn bei SABATON ist weitgehend alles beim Alten geblieben. Markantester Unterschied zu den Vorgängerplatten ist der deutlich zurückgefahrene Keyboard-Bombast. Da die Band momentan keinen Tastenmann in ihrem Line-up hat, spielt dieses Instrument diesmal nur eine unterstützende Rolle und lässt mehr Platz für die Gitarren. Eine weitere Neuerung ist der leichte Western-Touch in ´To Hell And Back´ - eine Nummer, die allerdings nur so vor Kitsch trieft und für meinen Geschmack komplett in die Hose geht. Ach ja, eine Ballade gibt´s mit ´The Ballad Of Bull´ auch. Deren Savatage-Flair war aber durchaus schon vorher bei SABATON vertreten. Und nun zu den schönen Nachrichten: Alle anderen Tracks zeigen SABATON in gewohnt guter Form und liefern die liebgewonnenen Trademarks: konsequente Eingängigkeit, Melodien im Breitwandformat und massentaugliche Refrains. ´No Bullets Fly´, ´Night Witches´ und ´Resist And Bite´ liegen in dieser Disziplin ganz vorne, stark sind auch ´Soldier Of 3 Armies´ mit seinem Priest-mäßigen Eröffnungsriff und ´Inmate 4859´, das von der Atmosphäre her ein bisschen an langsamere Hypocrisy-Sachen erinnert. „Heroes“ ist nicht das beste SABATON-Album, aber ein wirklich gutes. Frank Albrecht 8 „Heroes“ ist das wirkungsvollste Brechmittel der letzten Monate. Die bis ins winzigste Detail durchkalkulierten, mit ultraflachen Klischee-Riffs und schmerzhaft aufdringlichen Schlager-Metal-Melodien bis zur Erstickungsgrenze vollgestopften Songs lassen meinen Mageninhalt umgehend gen Zimmerdecke streben, der latent martialische Gesang, der ganz toll männlich und verwegen klingen, gleichzeitig aber auch kein zartes Pop-Metal-Öhrchen verschrecken will, verstärkt das Würgen nur noch, und die wie immer völlig bescheuerten Texte setzen diesem Verblödungs-Soundtrack die säuerlich müffelnde Auswurfkrone auf. Egal, wie die Schweden ihre Fünftklässler-Lyrik gemeint haben mögen: In Verbindung mit den pathetischen (natürlich sehr professionell produzierten) Bubblegum-Bombastsounds klingen die Schmonzetten an mehr als einer Stelle kriegsverherrlichend, und wenn beim geschmacklichen Tiefpunkt ´Inmate 4859´ „Musikantenstadl“-würdig geschunkelt und dabei über Auschwitz gesungen wird, könnte ich gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte. Widerlich! Michael Rensen 4

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