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REVIEW 8.5 01.07.2020, 08:00

(Dynamit, RH 398, 2020)

DEEP PURPLE - Whoosh!

Aller guten Dinge sind drei: Nach „Now What?!“ und „Infinite“ ist mit „Whoosh!“ auch das dritte DEEP PURPLE-Album unter der Regie von Song-Zurechtrücker Bob Ezrin ein Volltreffer geworden. Schon nach den ersten beiden Songs, dem wunderbar groovenden Überhit ´Throw My Bones´ und dem formvollendeten, mit extrem wirkungsvollen Rhythmuswechseln durch die Gehörgänge cruisenden Heavy-Rocker ´Drop The Weapon´, schwebt der geneigte Hörer im siebten Purpurhimmel. Und abgesehen von ein paar „nur“ guten Nummern geht es auf ähnlich hohem Niveau weiter. Variantenreich, druckvoll und taufrisch rocken die Hardrock-Granden durch Songs, die nur selten vorhersehbar und niemals bieder oder arthritisch klingen. Auch straighte Feger wie der Shuffle-Kracher ´No Need To Shout´, der sonnige Rock´n´Roller ´What The What´ oder das funkige ´Dancing In My Sleep´ haben immer das gewisse Etwas, das sich nur eine Weltklassekapelle mal eben so nebenbei aus dem Ärmel schüttelt. Noch eine Spur spannender sind allerdings fast schon proggige Mini-Epen wie der warmherzige, klassisch lasierte Tea-&-Biscuits-Rocker ´Nothing At All´ (zum Niederknien: Don Airey) oder das spooky-sphärisch verwehte, mit sakralen Orgelklängen alle Neune abräumende ´Step By Step´. Und wer auch vor Steve Morse niederknien möchte: Einfach dem Gitarrensolo in ´The Long Way Round´ lauschen. „Whoosh!“ heißt nicht nur das Album, „Whoosh!“ macht es auch nach spätestens zwei, drei Durchläufen im Großhirn. Ein sehr, sehr feines Alterswerk. Chapeau, die Herren!

REVIEW 7.0 22.01.2020, 08:00

(Album, RH 393, 2020)

DeWOLFF - Tascam Tapes

Ich hatte Anfang der Neunziger ein Vierspur-Aufnahmegerät Tascam Porta Two. Das Ding war störungsanfällig, umständlich zu bedienen, für komplexere Band-Aufnahmen kaum zu gebrauchen. Und genau mit solch einem Porta Two haben DEWOLFF auf Tour ihr neues „Studio“-Album aufgezeichnet. Dafür klingt „Tascam Tapes“ verdammt gut. Allerdings hat sich das niederländische Trio noch weitere Herausforderungen gesucht: Die Drums kommen aus einem Sampler, viele andere Sounds aus einem billigen Keyboard. Und damit lässt sich dann doch kein rundes, druckvolles, dynamisches Hörvergnügen wie auf den letzten, allesamt tollen Scheiben erzeugen. Das Nebeneinander von gewohnt beseeltem, souligem Retro-Rock und minderwertigem Electronica-Drumherum nimmt den kompositorisch guten Songs viel von jener Magie, die sie mit einer stimmigeren Produktion wahrscheinlich hätten. In den besten Momenten klingt „Tascam Tapes“ nach knurrigen Lenny-Kravitz-Demos, in den schwächeren nach unzureichend ausgepegeltem Lo-Fi-Disco-Funkrock. Wenn das Aufnahme-Experiment eine Referenz an Bob Dylans „Basement Tapes“ sein soll, ist es nur bedingt gelungen. 3 Fragen an PAUL DI´ANNO: Paul, wir haben zum letzten Mal 2015 bei deinem Auftritt auf dem Rock Hard Festival gesprochen, damals musstest du aufgrund von Knieproblemen im Rollstuhl singen. Sind die längst überfälligen Operationen mittlerweile vollzogen worden, und wie geht es dir gesundheitlich? »Ich fühle mich keineswegs großartig (lacht das typische Di´Anno-Lachen). Es gab viele Verzögerungen mit den Operationen. Mein rechtes Knie ist mittlerweile entfernt worden, und als Übergangslösung wurde dort eine Art „medizinischer Zement“ eingefüllt. Das Problem ist allerdings, dass ich immer wieder Eiterungen bekomme. Deswegen können sie mich nicht wie geplant operieren und mir ein künstliches Kniegelenk einsetzen. Ich war mir nicht bewusst, dass ich zurzeit des Rock Hard Festivals kurz davor war, an einer Blutvergiftung zu sterben. In Argentinien bin ich zusammengebrochen, und als ich aus dem Krankenhaus zurückgekommen bin, stellte sich heraus, dass die Ärzte mir gerade das Leben gerettet hatten. Ohne es zu wissen, stand ich bereits mit einem Bein im Grab. Wegen der Entzündungsherde und der Blutvergiftung wurden die notwendigen Operationen um zwei Jahre hinausgezögert. Mein linkes Knie ist überhaupt noch nicht behandelt worden. Darauf warte ich im Moment. Ich habe einfach kein Glück. Zurzeit kann ich immer noch nicht laufen. Es ist noch ein langer Weg für mich. Im linken Bein werden sie mir sofort ein künstliches Kniegelenk einsetzen. Für das rechte Knie werde ich später eine Spezialanfertigung bekommen, die Operation wird mindestens neun Stunden dauern. Das ist ein ganz spezielles Gelenk - es kann alles, außer Kaffee kochen (lacht). Und danach heißt es erst mal Reha. Ich werde eine sehr lange Zeit mit Gehhilfen das Laufen wieder erlernen müssen. Ich warte jeden Tag auf den Anruf meines Arztes für den OP-Termin. Sobald ich wieder stehen kann, komme ich auf Tour. Das verspreche ich hoch und heilig. Drückt mir mal die Daumen!« Deine ehemalige Backing-Band Architects Of Chaoz hat nach dem ersten Album mit dir am Gesang später ohne dich weitergemacht. Es folgten noch eine zweite CD und kürzlich die Selbstauflösung. Es hat mich einigermaßen verblüfft, dass es überhaupt eine Version der Architects Of Chaoz ohne Di´Anno gegeben hat... »Das hat mich auch angekotzt, und ich hasse sie dafür (lacht). Schau mal, wir waren so lange zusammen, eine Art Bruderschaft, fast schon Familie. Obwohl ich den Namen The Phantomz schon immer blöd fand. Und in dem Moment, als ich krank geworden bin, haben sie sich dazu entschieden, ohne mich weiterzumachen. Wirkliche Brüder, eine wirkliche Familie macht so was nicht! Mein ganzes Vertrauen in sie war damit zerstört. Ich will mit ihnen in meinem Leben nie wieder etwas zu tun haben. Was machst du, wenn ein Bandmitglied krank wird? Du rückst enger zusammen und wartest, bis derjenige wieder gesund ist. Du hilfst deinem Bruder in der Band. Und was haben sie gemacht? Sie haben sich einen neuen Sänger geholt. Ich kenne den Typen nicht, aber er hat einen lächerlichen Namen, „Titts“ oder so (er heißt Titta Tani - mm). What the fuck machen diese Kerle heute? Nichts!« Du bist ja so eine Art Weltenbummler, geboren in England, aber auch mit längeren Aufenthalten in Amerika, Brasilien, Österreich und Deutschland. Wie würdest du die Mentalität der Menschen in diesen verschiedenen Ländern beschreiben? »Nun, in Deutschland habe ich nie wirklich gelebt. Ich hatte nur vor langer, langer Zeit mal eine Freundin in Wuppertal. In Österreich hatte ich auch eine Freundin und habe dort tatsächlich ein paar Jahre lang gelebt. Zur Mentalität der Deutschen kann ich also nicht allzu viel sagen. Derzeit ist es schwierig für mich, weil ich nicht reisen kann. Ich sitze hier in England fest, kann weder nach Brasilien noch nach Amerika, um meine Frau und die Kinder zu besuchen. In Brasilien gibt es viele soziale Probleme, aber die Menschen sind sehr offen und freundlich. Ich liebe das Land über alles. Und die Leute dort lieben mich. An England schätze ich vor allem diesen ganz besonderen Humor. Das muss wohl am Wetter liegen. Ich friere mir hier gerade den Arsch ab. Die Menschen in England machen das Beste aus dem, was sie haben.« (mm)

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