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REVIEW 8.5 01.07.2020, 08:00

(Album, RH 398, 2020)

PROTEST THE HERO - Palimpsest

Nach der etwas durchwachsenen „Pacific Myth“-EP musste man befürchten, die Modern-Prog-Superhelden PROTEST THE HERO seien auf irdische Größe geschrumpft. Doch mit „Palimpsest“ segeln die Kanadier glücklicherweise wieder ein wenig höher in Sphären, die normalsterblichen Frickelkapellen zeitlebens verwehrt bleiben. Nach dem superb-riffigen, für PTH-Verhältnisse aber noch halbwegs herkömmlichen Opener ´The Migrant Mother´ packt das recht griffig um die Ecke breakende ´The Canary´ schon ein paar originelle Ideen mehr aus, bevor im ebenso hymnischen wie musikalisch radikalen ´From The Sky´ alle kreativen Dämme brechen und über den Wolken eine gleißend helle Sonne aufgeht. Ähnlich innovativ bewegen sich die Hardcore-Prog-Hits ´The Fireside´ und ´Soliloquy´ zwischen irrsinnigen Stroboskop-Riffs, mächtigen Synthie-Fanfaren, knüppelhartem Überholspur-Drumming, gänsehäutigen Zartheiten und beeindruckenden Vocals, die von ruppigen Shouts über hohe Schreie bis hin zu garstigen Growls und halsbrecherischem Sprechgesang eine extrem breite Palette abdecken. Rody Walkers wunderbare theatralische Ader kommt besonders gut im von großen Gesten getragenen ´Reverie´ zur Geltung, und in ´Rivet´ verdichten PTH ihre eh schon äußerst eng getakteten Ideensalven zu einem würdigen Album-Endgegner, der schon nach dem ersten Kräftemessen mit dem Großhirn des Hörers zu einem guten Kumpel wird. Die Ohrwurm-Quote von „Volition“ oder „Scurrilous“ erreicht die Band auf „Palimpsest“ nicht ganz, die Arrangements und Spannungsbögen sind aber genauso überwältigend wie auf den Klassikeralben. Als Ganzes hat die oft knallharte Platte ein bisschen was von Billy Talent nach einem Blitzstudium der Quantenphysik - anspruchsvolles Hirnfutter, das gleichzeitig unwiderstehlich durch die Eingeweide pflügt. Definitiv nach wie vor Superhelden-Niveau!

REVIEW 9.0 20.04.2011

(Dynamit, RH 288, 2011)

PROTEST THE HERO - Scurrilous

Spinefarm/Universal (44:25) Unfassbar! Der Vorgänger „Fortress" war schon feinster ADHS-Lärm, aber mit „Scurrilous" haben PROTEST THE HERO zu den ganz großen heftigeren Prog-Bands aufgeschlossen. Die Mathcore-Roots sind fast völlig aus dem Sound der Kanadier verschwunden, stattdessen zuckt und zappelt man hyperaktiv durch mörderische, knüppelharte Progressive-Metal-Stürme, die einen nach dem ersten Durchlauf wie ertaubt zurücklassen. Spätestens beim vierten, fünften vorsichtigen Herantasten merkt man aber, dass sich hinter dem unglaublichen Energielevel und dem rastlosen, höllisch intensiven Highspeed-Gedonner der virtuos gespielten Gitarren intelligente, schlüssige Songaufbauten und Momente betörender und teilweise auch zerbrechlicher Schönheit verbergen. Der Bass beispielsweise verblüfft oft mit vergleichsweise entspannten Melodielinien der Chris-Squire/John-Entwistle-Schule, und Sänger Rody Walker ist auch in ruhigen Passagen ein ganz Großer seiner Zunft. Stilistisch erinnert „Scurrilous" immer wieder an etwas hektischere Dream Theater aller Schaffensphasen und stellt - man traut es sich kaum zu sagen - die letzten Scheiben des Traumtheaters in qualitativer Hinsicht sogar in den Schatten. Alleine das göttliche Trio ´Tandem´/´Moonlight´/´Tapestry´ enthält schon genügend Entdeckenswertes allerhöchster Güteklasse, um damit ganze Abende unter dem Kopfhörer verbringen zu können. PROTEST THE HERO haben nicht nur das beste Album ihrer Karriere abgeliefert, sondern bislang auch ganz klar die Prog-Metal-Scheibe des Jahres.

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