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REVIEW 8.0 21.10.2020, 08:00

(Dynamit, RH 401, 2020)

PALLBEARER - Forgotten Days

Trouble, seid ihr es? Der Opener und Titelsong ´Forgotten Days´ bringt in sechseinhalb Minuten die Essenz PALLBEARERs auf den Punkt, mit stark einnehmendem Gitarrensound, diesem partiellen Eric-Wagner-Gesang von Brett Campbell sowie einer Melodieführung, die - höre den Quasi-Refrain - eher an Ozzy solo (in dessen melancholischen Momenten) als die ursprünglichen Black Sabbath erinnert, und auch das folgende ´Riverbed´, in dem man sich schon nach einer guten Minute ein krasses Downbreak traut, das die Richtung des Songs verändert, ist absolute Weltklasse. Jene gibt es im weiteren Verlauf leider erst wieder mit dem Doppelabschluss ´Rite Of Passage´ und ´Caledonia´, die am Ende sehr versöhnlich stimmen, dazwischen verlieren die Amerikaner, die einmal mehr auch als Generikum für Warning-Fans auf Entzug herhalten können, allerdings ein wenig den Faden, sie finden keine passenden Hooklines, die Stimmung stimmt, aber es mäandert halt zu sehr irgendwo im Raum, schon beim Space/Stoner-Ausflug ´Stasis´ an dritter Stelle, aber auch im zwölfminütigen Herzstück ´Silver Wings´, das läuft und läuft und läuft und irgendwann vorbei ist, ohne dass man sonderlich Notiz genommen hätte (okay, die Riffs sind sehr fein...). Weil sich weite Teile der Kollegenschaft auch nach dem Drumherum (brillanter Sound, wunderbares Artwork!) garantiert die Finger lecken, reicht es natürlich immer noch für eine Kaufempfehlung, das hier ist nach wie vor Doom-Metal-Champions-League - aber ein latentes Sinnieren über verschenkte Möglichkeiten, das sei mir an dieser Stelle erlaubt...

REVIEW 8.5 22.03.2017

(Dynamit, RH 359, 2017)

PALLBEARER - Heartless

Nuclear Blast/Warner (60:03) Was am Anfang in seiner Gesamtanmutung ein wenig nach - völlig wertfrei - „Studenten-Indie" müffelte, entpuppte sich recht schnell als nahezu lupenreiner Doom im Sinne einer Band wie Warning (UK) oder 40 Watt Sun auf ihrem ersten Album: PALLBEARER aus Arkansas haben mit „Sorrow And Extinction" (2012) und „Foundations Of Burden" (2014) Genre-Duftmarken hinterlassen, von denen Großteile der überlaufenen Szene nur träumen können, Platten mit genau dieser einzigartigen Mischung aus tiefer Traurigkeit und erlösenden Supermelodien, die man als Fan der Klassiker von Sabbath bis Candlemass sein Leben lang sucht. Dass Frontmann Brett Campbell im Interview an anderer Stelle in diesem Heft nun vor allem Asia, Boston, Kansas und Yes als Haupteinflüsse angibt, sollte man dementsprechend nicht allzu ernst nehmen, genauso wenig wie die Aussage, dass PALLBEARER mittlerweile die Hooklines über alles stellen, denn genau daran, an überragenden Widerhaken, denen man beim Hören sehnsüchtig entgegenfiebert, mangelt es auf Album Nummer drei, für dessen sieben Songs man ´ne volle Stunde braucht, komischerweise ein wenig, einen „Hit" findet man auch nach ausgiebigster Rotation nur, wenn man sich selbst ein bisschen was vormacht. Andererseits ist offensives Earcandy natürlich nicht alles: „Heartless" (toller Titel, tolles Artwork!) funktioniert in seiner Gesamtheit so oder so schon aufgrund seiner mitnehmenden Atmosphäre als ernstzunehmende weitere Talentprobe, die man sich wirklich nicht nur kaufen sollte, wenn einem die aktuelle (natürlich richtig gute!) 40 Watt Sun viel zu ruhig tönt.

REVIEW 8.5 27.08.2014, 01:00

(Dynamit, RH 328, 2014)

PALLBEARER - Foundations Of Burden

BONUSBOMBE Profound Lore/Soulfood (55:06) Hipster-Mucke? Nun ja, man sollte vorsichtig sein und die Büchse der Pandora lieber geschlossen lassen, aber auffällig ist schon, dass PALLBEARER nicht nur, aber auch in der Indie-Szene ein großes Following haben und sich - genau wie die vergleichbaren 40 Watt Sun - schwer damit tun, als Doom-Metal-Band bezeichnet zu werden. Dabei sind sie genau das, denn auch wenn sie manchmal ein wenig in Sludge- und Funeral-Regionen wildern (im Sinne von Yob z.B.), entpuppen sich Songwriting und auch der Gesang (Brett Campbell klingt hier und da wie Troubles Eric Wagner) letzten Endes als viel zu klassisch und melodisch, um irgendein „Post"-Präfix voranzustellen. Die sechs Songs des Albums, fünf davon überlang, sind in ihrer tiefen Melancholie und Langsamkeit eher redundant als repetitiv, ähnlich wie früher bei Warning (also den heutigen, bereits erwähnten 40 Watt Sun) durchbohren vor allem diverse nicht besser zu machende Melodien das Herz (man höre das Finale von ´Foundations´), dazu knarzen die Riffs auf dieser famos produzierten knappen Stunde schlicht und einfach heavy wie Hölle (´The Ghost I Used To Be´, ´Worlds Apart´). Bereits das Debüt „Sorrow And Extinction" (2012) war ein großes Highlight, mit „Foundations Of Burden" zementiert die Arkansas-Truppe nun ihren Ruf als künstlerisch wertvolles Kollektiv, das seine Anliegen immer überlegend feilbietet, ohne sie einem überlegen in den Hals stopfen zu wollen. Toll!

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