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REVIEW 8.0 28.01.2015

(Dynamit, RH 333, 2015)

NAPALM DEATH - Apex Predator - Easy Meat

Century Media/Universal (40:27) Nein, altersmilde werden die Grind-Götter selbst mit Mitte 40 nicht - wo NAPALM DEATH draufsteht, ist auch NAPALM DEATH drin. Allein das Cover mit der leckeren Fleischverpackung ist ein, ähem, Augenschmaus. Ganz recht, es ist sicher nicht verkehrt, eine der intensivsten Livebands des Planeten als Gesamtkunstwerk zu betrachten. Das beginnt beim gewohnt konsumkritischen Albumkonzept, geht über die Texte (die „moderne Sklaverei“ zum Thema haben) und die vorbildliche Haltung der Band bis hin zur extremen Musik, die derart gnadenlos auf den Hörer einwirkt, dass wirklich alles, was sonst so im Soundcheck einen auf hart macht, wie ein laues Lüftchen erscheint. Die unmenschlichen Drumpattern von Danny Herrera lassen einen ebenso erstaunen wie die pfeilschnellen Gitarrenriffs von Mitch Harris (ach, so was kann man tatsächlich noch spielen?). Das atemlose Geschrei von Barney Greenway wird durch einen Verzerrer gejagt, und wenn NAPALM DEATH mal einen Gang zurückschalten, bedient man sich oft weiterer Elemente aus der Industrial- und Postpunk-Geschichte, deutet klaustrophobische Räume an oder wirft beschwörende Chöre wie aus dem Jenseits ins Rennen. Alles nichts für schwache Gemüter! Ein paar Melodien mehr hätten die extremen Teile der Platte für meinen Geschmack besser herausgearbeitet, so ist „Apex Predator - Easy Meat“ ein beeindruckendes, wenn auch zuweilen leicht monotones Krach-Festival. Anspieltips: ´Metaphorically Screw You´, ´How The Years Condemn´, ´Dear Slum Landlord´.

REVIEW 9.0 29.02.2012

(Dynamit, RH 298, 2012)

NAPALM DEATH - Utilitarian

Century Media/EMI (45:20) Nicht nur die aktuelle Occupy-Napalm-Bewegung bei Facebook zeigt, dass die Briten nach wie vor ganz nah dran an der Tagespolitik sind. Wenn es wahr ist, dass große Kunst vor allem aus möglichst negativen Entwicklungen der Gesellschaft seine Sprengkraft bezieht, dann taugen NAPALM DEATH dafür als Paradebeispiel. Egal, ob Millionen Liter Öl im Meer versinken, Banken mit Staatsgeldern zu Lasten der Bevölkerung saniert werden oder sich die Unzufriedenheit in wüsten Randalen und Gewaltorgien, wie zuletzt in England, entlädt. Auch Birmingham, die Heimatstadt des Quartetts, brannte. Insbesondere Barney Greenway, hellwacher Beobachter und Gesellschaftskritiker, nutzt die aktuelle vorapokalyptische Stimmung in der Welt zur Generalabrechnung. Er röchelt, kötert und keift seine Hintermannschaft durch die brennenden Gassen des Establishments. Leichte Kost ist das nicht. Wer auf Dreiakkord-Grind mit infantiler Aussage steht, ist beim Obscene-Extreme-Festival in Tschechien besser aufgehoben. „Utilitarian“ ist hingegen ein rabiater Grind-Break-Hassbrocken geworden. Die 16 Stücke sind alle auf ihre Art hundsgemein und fies. Kurze, kapitale Bolzer, aufwändig verwobene Break-Orgien, in denen auch Embury sein Faible für noisige Soundcollagen ausleben darf, oder das unfassbar durchgeknallte ´Everyday Pox´, wo ein wild gewordener John Zorn sein Saxophon zum Molotowcocktail umfunktioniert. Optisch stimmig durch die Rückkehr zum alten Bandlogo und eine Covercollage im „Scum“-Stil. Jetzt heißt es für euch, den Titel „Utilitarian“ zehnmal schnell hintereinander ohne Zungenbrecher zu sprechen, „Utilitarismus“ bei Wikipedia nachzuschlagen und, last but not least, direkt in den Plattenladen zu rennen.

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