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REVIEW 9.0 24.07.2019, 08:00

(Album, RH 387, 2019)

MISTHYRMING - Agleymi

Island genießt momentan viel Aufmerksamkeit seitens des internationalen Black-Metal-Zirkels – und das zu Recht, wie man nach Svartidaudi und Sinmara nun auch an MISTHYRMINGs Zweitwerk sehen kann. „Agleymi“ fällt homogener und geradliniger, doch nicht weniger divers und wild aus als das 2015er Debüt der vier Isländer. Zum subtiler präsenten dissonanten Chaos addiert die Gruppe von Mgla inspirierte Riffmelodien, die gemeinsam mit den eingesetzten Synthesizern eine gewaltige, nahezu ozeanisch anmutende Atmosphäre entfachen. Egal ob in gewohnt endlos blastenden Black-Metal-Beats (´Orgia´) oder für MISTHYRMING neuen (im Gesamtkontext des Genres jedoch traditionellen) rockigeren Passagen (´Ísland, steingelda krummaskud´), auf „Agleymi“ herrschen stets Spannung und ein Spiel mit Kontrasten und Tonarten. Pfiffige Moll/Dur-Wechsel in den Melodien lassen im Zusammenspiel mit dem pulsierenden Grundgerüst des Schlagzeugs aus Stücken wie dem nur scheinbar friedlichen Instrumental ´Hæli?´ eine einerseits melancholische, andererseits unglaublich kraftvoll peitschende und irgendwie hoffnungsvolle Klanglandschaft entstehen, während Trugschlüsse wie im Titelsong und das Auf und Ab der Gitarren, stetig schneller werdende Drums und die fortdauernde dynamische Zuspitzung in ´Allt sem eitt sinn blómstradi´ exemplarisch für das zerreißende Spannungselement der Band sind. „Agleymi“ ist ein harsches Statement gegen die zunehmend aufweichenden Strukturen im (atmosphärischen) Black Metal und ein wirklich gelungenes Stück Musik.

REVIEW 8 24.07.2019, 08:00

(Dynamit, RH 387, 2019)

DARKTHRONE - Old Star

New Wave Of Black Heavy Doom? Der Mensch neigt dazu, Dinge in eine Schublade stecken zu wollen, und der genannte Schriftzug könnte zumindest die Richtung, aber nicht das ganze Ausmaß des nunmehr 18. DARKTHRONE-Albums erfassen, auf dem sich Fenriz und Nocturno Culto mal wieder als wahre Riffmeister entpuppen. Eine wirklich großartige Produktion (dynamisch, organisch, kräftig und transparent) formt das Fundament, um die Fühler in Richtung des traditionellen Doom à la frühe Candlemass, Proto-Black-Metal à la Hellhammer und klassischen Heavy Metal auszustrecken und mit der ursprünglichen DARKTHRONE-Atmosphäre (rau, kalt, melancholisch) zu versiegeln. Ein Highlight ist definitiv 'The Hardship Of The Scots', mit dessen Anfangsriff sie locker auf dem Keep It True auftreten könnten, ehe ein totaler „Satanic Rites“-Moment zäh wie kraftvoll einschlägt, der dann auch wieder vergeht und vom ersten Motiv samt raffiniert darübergelegtem Solo abgelöst wird und nach einer kurzen Spannungspause wieder eine andere Wendung (und ein weiteres geiles Riff) (an)nimmt. Auch kleine, fein gestreute Details wie das in unterschiedlicher Höhenlage und Verzerrung gedoppelte Riff am Ende von 'Alp Man' oder die unterschwellig wütende Tempoerhöhung der Gitarre in 'Duke Of Gloat', auf das auch wieder eine zerreißende Melodie folgt, machen „Old Star“ zu einem spannenden Werk, das zwar sehr im Zeichen der Achtziger steht, aber trotzdem nicht staubig klingt. Dafür gibt's acht von zehn „Ughs!“.

REVIEW 7,5 19.06.2019, 08:00

(Dynamit, RH 386, 2019)

BATUSHKA - Hospodi

Keine Frage, BATUSHKA umgibt live eine besondere Aura, aber gerade bei einem so aufwendig und filigran gestalteten visuellen Konzept ist es interessant, die Musik außerhalb dieses Kontexts zu hören. „Hospodi“ ist das zweite Album der polnischen Black-Metaller, die sich aktuell untereinander im Rechtsstreit befinden und momentan an kaum jemandem vorbeiziehen, ohne Eindruck zu hinterlassen. Grundsätzlich hat „Hospodi“ einen noch moderneren Touch als das Debüt „Litourgiya“, enthält aber die gleichen Trademarks. Besonders stark ist neben dem Spiel mit der Kirche und ihren religiösen Symbolen vor allem der atmosphärische Teil der Platte: BATUSHKA kreieren wirklich Gänsehaut machende Melodien (´Polunosznica´), die sie eindrucksvoll mit extremeren Riffs überlappen, sodass entweder eine gewaltige, mächtige Atmosphäre emporsteigt, bei der man das lodernde Bühnenfeuer vorm inneren Auge sehen kann, oder sich das überschlagende Extreme der Musik noch weiter ausdehnt. Die modernen, harten Breaks und fett aufgefahrenen Riffs (z.B. in ´Utrenia´ oder ´Tretij Czas´) reißen allerdings zu sehr aus dem stimmungsgeladenen Kontext und rücken das Ganze in einen massentauglichen, kommerziellen Rahmen ohne Ecken und Kanten - doch ansonsten gelingt BATUSHKA das Spiel mit Kontrasten und Dynamiken recht gut. „Hospodi“ ist also eher was für den Behemoth- als für den Bathory- oder Katharsis-Fan - und der aktuelle Hype zumindest zum Teil gerechtfertigt.

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