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REVIEW 9.0 15.06.2011

(Album, RH 290, 2011)

MORBID ANGEL - Illud Divinum Insanus

Season Of Mist/Soulfood ´Too Extreme´? Oh ja, das ist der Opener dieser Platte für meinen Geschmack ganz sicher. Wäre interessant, zu wissen, weshalb MORBID ANGEL gerade diesen völlig untypischen Song an den Anfang gestellt haben. Das kalte und monotone Industrial/Techno-Gepolter wirkt eher abstoßend. Hat man das aber hinter sich gebracht, entfaltet „Illud Divinum Insanus“ sein volles Aroma. ´Existo Vulgoré´ z.B. ist ein urytpischer MORBID ANGEL-Uptempo-Kracher, das folgende ´Blades For Baal´ ist nur unwesentlich langsamer, dabei aber ungewohnt leicht zugänglich. Gänzlich überraschend und einfach absolut brillant ist das folgende ´I Am Morbid´ mit seinen Saxon/Priest-Riffs und einem sehr klassischen Heavy-Metal-Solo von Destructhor. Ein großartiger Ohrwurm, der live die Wirkung einer Wassserstoffbombe haben dürfte. ´10 More Dead´ steht dem in wenig nach, ein massiver Midtempo-Stampfer, dessen Atmosphäre ein wenig an ´Where The Slime Lives´ erinnert. ´Destructos vs. The Earth´ hat wieder eine deutlich kältere Industrial-Schlagseite, gefällt aber durch seinen Laibach-Charme, den es auch schon auf früheren MORBID ANGEL-Platten gab. ´Nevermore´ wurde bereits live vorgestellt und überzeugt auch hier durch seine Konsequenz. ´Beauty Meets Beast´ ist etwas verschachtelter und eher an die letzten beiden Outputs der Band angelehnt, besitzt aber ebenfalls klasse. Tja, und ´Radikult´ swingt! Nicht zu glauben. Eine tanzbare MORBID ANGEL-Nummer, die trotzdem richtig heavy ist. Streitbar, aber mit Stil. Lediglich beim abschließenden ´Profundis - Mea Culpa´ nerven die Techno-Beats doch noch mal gewaltig. Was bleibt also unterm Strich? In erster Linie ein hochinteressantes, originelles und überraschend eingängiges Album mit einigen radikalen Ausschlägen, die extreme Geschmackssache sind. Dazu eine Menge Charisma, das in Person von David Vincent mitsamt seiner einzigartigen Stimme zurückgekehrt ist. Obendrauf (natürlich) abgefahrene Saitenakrobatik von Herrn Azagthoth und Lichtgeschwindigkeits-Drumming von Tim Yeung. Somit manifestieren MORBID ANGEL ihre Ausnahmestellung in der Szene ohne jede Frage.

REVIEW 9.5 17.09.2003

(Album, RH 197, 2003)

MORBID ANGEL - Heretic

(53:14) Lange Zeit sah die Zukunft der morbiden Florida-Könige sehr unsicher aus, aber Trey Azagthoth hat den Abgang von Erik Rutan und die Majestätsbeleidigung von Jared Anderson (er schlug bekanntlich die Einladung aus, Sänger zu werden!) weggesteckt. Zusammen mit Trommel-Wunder Pete Sandoval und dem zurückgeholten Steve Tucker führt er die unvergleichliche Karriere von MORBID ANGEL standesgemäß weiter. "Heretic" geht musikalisch zurück in die "Covenant"/"Domination"-Ära und zeigt alle gewohnten Trademarks der Todesblei-Legende. Treys Gitarrenspiel steht einmal mehr im Vordergrund. Die genialen Riffs und vertrackten Soli legen die Messlatte für die unzähligen Copycats unerreichbar hoch. Ebenso verhält es sich mit Sandovals Drumming. Schlagzeuger seien eindringlich vor dem Bonus-Track ´Drum Check´ gewarnt! Als Normalsterblicher muss man hier resignieren und seine Schießbude verkaufen, rituell verbrennen oder auffressen. Der Opener ´Cleansed In Pestilence´ passt nahtlos in die lange Reihe der Bandklassiker und steht Jahrhundert-Songs wie ´Immortal Rites´ um nichts nach. Das schon im Internet vorab vorgestellte ´Enshrined By Grace´ überrascht zwar mit einem untypischen Sepultura-Gitarrensound, wird aber sicher zum fixen Bestandteil folgender Tourneen werden. Die niedrigeren Tempo-Gefilde werden mit dem mächtigen ´Curse The Flesh´ passend abgedeckt - hier lässt ´God Of Emptiness´ grüßen. Ein kluger Schachzug war es, den langjährigen Livemischer Punchy Gonzalez mit der Produktion zu betrauen. Er hat "Heretic" ein perfektes Soundkleid angepasst. MORBID ANGEL bleiben auch nach fast 20 Jahren im Death Metal das Maß aller Dinge!

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