Suche

Durch das Setzen eines Bandnamens in Anführungszeichen sind detailliertere Ergebnisse möglich.

REVIEW 7.5 16.09.2020, 08:00

(Album, RH 400, 2020)

ATTICK DEMONS - Daytime Stories, Nightmare Tales

Frisches Maiden-Methadon liefern uns ATTICK DEMONS auf ihrem dritten Langeisen „Daytime Stories, Nightmare Tales“. An der grundsätzlichen Herangehensweise der Portugiesen hat sich nichts geändert, die großen Vorbilder von der Insel sind jederzeit präsent, trotzdem sollten kleine Veränderungen im Klangbild der Fairness halber nicht unerwähnt bleiben. Der Einsatz von siebensaitigen Gitarren lässt die Band moderner und bisweilen thrashiger klingen (Richtung ganz frühe Overkill), zudem ertönt mit ´O Condestável´, einer Ode an den Nationalhelden Nuno Álvares Pereira, erstmals ein Song in der Landessprache. Dass die Kameraden ihr Handwerk verstehen und versierte Arrangeure sind, sollte sich in der Zielgruppe inzwischen herumgesprochen haben. Wem das Seelenbuch noch immer schwer im Magen liegt - ungeniert hereinspaziert! 3 Fragen an ATTICK DEMONS-Sänger Artur Almeida: Olá, Artur! Neues Label, neuer Schlagzeuger, neuer Gitarrist - kannst du uns in ein paar Sätzen die Gründe für all diese Veränderungen im Lager von ATTICK DEMONS nennen? »Mit dem bisherigen Label ist nichts schief gelaufen. Der Vertrag endete letztes Jahr, und wir sind einfach weitergezogen. Roar! hatten uns bereits Ende 2018 kontaktiert, aber da es einen Vertrag mit einem anderen Label gab, passierte nichts. In diesem Jahr haben sie uns erneut kontaktiert, und es war leicht, eine Einigung zu erzielen. Was die neuen Bandmitglieder betrifft: Glücklicherweise haben wir zwei großartige Musiker gefunden. Ricardo ist schon seit 2016 bei uns, er kam gleich nach der Veröffentlichung von „Let´s Raise Hell“. Dario hat sich uns zu Beginn der Aufnahmen von „Daytime Stories, Nightmare Tales“ angeschlossen.« Das Album klingt in meinen Ohren insgesamt härter als seine Vorgänger, aber immer noch sehr nach Iron Maiden. Stören dich die Vergleiche? »„Let´s Raise Hell“ war härter als „Atlantis“, ganz klar, aber ich finde nicht, dass „Daytime Stories...“ viel heavier ist als sein Vorgänger. Ich würde eher sagen, es klingt moderner, aber immer noch tief in der NWOBHM verwurzelt - eine gute Mischung aus Alt und Neu. Vor ein paar Jahren haben uns die Maiden-Vergleiche noch sehr gestört. Inzwischen sind wir einfach nur glücklich, mit einer so großartigen Band verglichen zu werden. Nicht falsch verstehen: Wir wollen nichts kopieren. Maiden sind eine großartige Band, die wir uns regelmäßig anhören, sodass manche Dinge vielleicht vertraut klingen mögen, aber es ist nichts beabsichtigt oder erzwungen. Es kommt einfach von selbst.« Jetzt habt Ihr eine neue LP und könnt sie nicht live promoten... »Das Album fertiggestellt zu haben und nicht in der Lage zu sein, es für die Fans live zu spielen, ist eine herbe Enttäuschung. Uns gefällt der Gedanke nicht wirklich, zu Hause auf der Couch zu sitzen und Musik über das Internet zu verkaufen. Wir wollen mit unseren Fans zusammen sein, live für sie auftreten und ihr Feedback spüren. Wir hatten vier Konzerte in Portugal und Spanien für dieses Jahr geplant und ein weiteres für Januar 2021. Zwei davon sind schon abgesagt, bei den anderen drei hoffen wir immer noch, dass sie irgendwie stattfinden können - natürlich mit den notwendigen Sicherheitsmaßnahmen.« (lk)

REVIEW 8.0 01.07.2020, 08:00

(Album, RH 398, 2020)

PALE DIVINE - The Consequence Of Time

Die wundervollen Beelzefuzz sind nach endlosem Zank um die Namensrechte seit 2019 Geschichte, weiterleben darf Dana Ortts psychedelisch-proggiges Traumgeflecht aus Trouble und Captain Beyond in der Underground-Doom-Institution PALE DIVINE, die sich durch den Einstieg des Gitarristen und Zweitsängers facettenreicher denn je präsentiert. Keine zwei Jahre nach dem selbstbetitelten Prachtwerk eingespielt, bündelt „The Consequence Of Time“ zum 25-jährigen Band-Geburtstag die Vorzüge beider Kapellen. Greg Dieners knarzig-grooviger, schwer von Pentagram, The Obsessed und Black Sabbath geprägter Sound harmoniert exzellent mit Ortts Orgeleffekt-Gitarren, schon auf dem zweiten Beelzefuzz-Album „The Righteous Bloom“ hatten die beiden ein Saitenduo gebildet. Unterm Strich haben Ortts Beiträge quantitativ wie qualitativ das höhere Gewicht. Die im 3/4-Takt gehaltenen ´Phantasmagoria´ und ´Saints Of Fire´ dürften noch für Beelzefuzz geschrieben worden sein, auch als Sänger überlässt Diener seinem talentierteren Kompagnon großzügig das Feld, was dieser mit seinen immer wieder an John Arch erinnernden Melodieschrauben eindrucksvoll zu nutzen weiß. Echte Zweistimmigkeit bleibt die Ausnahme auf PALE DIVINEs Sechstwerk, hat aber, wie ´Shadow´s Own´ beweist, ebenfalls seine Reize. Ein hochklassiges Album also, das ob seines Experimental-Charakters nicht bei allen Altfans für sofortige Begeisterung sorgen wird. Wachsen lassen lohnt sich. Hoffentlich auch für die Band.

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos