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REVIEW 8.5 17.04.2019, 08:00

(Album des Monats, RH 384, 2019)

ARCH/MATHEOS - Winter Ethereal

Auch wenn sowohl auf der 2003er EP „A Twist Of Fate“ als auch auf dem ersten ARCH/MATHEOS-Album „Sympathetic Resonance“ von 2011 Sänger John Archs Fates-Warning-Wurzeln immer offengelegt waren, konnte kein Song so unvermittelt an die begnadeten Mittachtziger-Werke „The Spectre Within“ und „Awaken The Guardian“ anknüpfen wie heuer ´Wanderlust´, eine Epic-Metal-Wunderkerze, deren Gesangslinien (VIELE Gesangslinien!) an die ganz, ganz großen Momente erinnern, nicht nur an ´The Sorceress´ oder ´Orphan Gypsy´, nein, sogar an ´Guardian´ oder ´The Apparition´ - alleine diese sechs Minuten machen „Winter Ethereal“ für die avisierte Klientel (als würde die eh auch nur einen Moment zögern...) zum Pflichtkauf Nummer eins. Von ähnlicher Güte und Magie zeugen der perfekte Opener ´Vermillion Moons´ sowie das vor allem vom Refrain lebende ´Straight And Narrow´, und auch die 13-minütige Schlussoffensive ´Kindred Spirits´, an deren Ende man den Sieg schließlich ruhig und entspannt über die Ziellinie bringt, offeriert brillante Momente en gros. Der Rest des Albums, auf dem sich neben Arch und Matheos neben dem beinahe kompletten Fates-Warning-Umfeld (Joey Vera, Bobby Jarzombek, Joe DiBiase, Mark Zonder...) u.a. Testament-Basser Steve DiGiorgio und Cynic-Tieftöner Sean Malone vorstellen, neigt dagegen - zumindest für die Möglichkeiten der Beteiligten - ein wenig zur (vor allem melodischen) Unauffälligkeit, da müssen dann doch schon mal die Super-Vocals, aber auch die wahnwitzigen Gitarren-Einfälle des Fates-Warning-Protagonisten das eine oder andere in die „Herausragend“-Kategorie hinüberwuchten, bevor´s ernsthaft zu Diskussionen kommt. Aber mei, wahrscheinlich ist man knapp 70-minütige Alben auch einfach nicht mehr gewöhnt, und in Connecticut hat man´s nur gut gemeint... DISKOGRAFIE John Arch: A Twist Of Fate (2003) Arch/Matheos: Sympathetic Resonance (2011) Winter Ethereal (2019) LINE-UP John Arch (v.) Jim Matheos (g.) DIE PATEN Wer mit den folgenden Bands etwas anfangen kann, dürfte auch an „Winter Ethereal“ Gefallen finden: Fates Warning * Redemption * OSI * Psychotic Waltz * Watchtower * Dream Theater * Rush * Vauxdvihl * Zero Hour * Sieges Even * Spiral Architect * Heaven´s Cry * Leviathan * Payne´s Gray * Disillusion * Pain Of Salvation * Haken * Periphery

REVIEW 8 20.03.2019, 08:00

(Dynamit, RH 383, 2019)

KETZER - Cloud Collider

»Wir mussten uns vielleicht erst mal von gewissen Erwartungen freispielen, um den eigenen Weg gehen zu können«, wird KETZER-Gitarrist Marius alias Executor von Mandy im „Lauschangriff“ im letzten Rock Hard zitiert. Will wahrscheinlich meinen: Ihrem vor allem in der Anmutung juvenilen Black-Thrash, den sie auf ihren ersten beiden Platten „Satan's Boundaries Unchained“ und „Endzeit Metropolis“ offeriert haben, haben sie mit „Starless“ von 2016 ja quasi selbst eins mit dem Holzhammer übergebraten - einem eher filigran gearbeiteten wohlgemerkt, mit Gothrock-Verzierungen, die die Rheinländer in dieselbe Schublade verfrachteten, in der sich auch Secrets Of The Moon, In Solitude, Morbus Chron, Grave Pleasures und vor allem Tribulation wohlfühlen respektive wohlgefühlt haben. Diese Suche war spannend, aber anscheinend nur ein (weiterer) Zwischenschritt, „klassischer“ Thrash spielt drei Jahre später sowieso keine merkliche Rolle mehr, und auch den Goth hört man nur noch, wenn man denn unbedingt will. KETZER heute sind dagegen eine auf die Herangehensweise bezogen „moderne“ Extrem- und Black-Metal-Band, relativ stil- und prinzipientreu, sie haben nicht das Zerfahrene, Dissonante im Sound, das z.B. die ganzen Isländer auszeichnet, sie sind auch nicht so schnell wie Mgla oder so was, aber man kann sie durchaus in eine Reihe mit Watain stellen, sogar mit Behemoth, vielleicht auch Bölzer, Zugänglichkeit konterkariert auf „Cloud Collider“ eben niemals diese nicht zu erklärende „Underground-Zugehörigkeit“, die man halt nur „versteht“, wenn man aus genau jenem stammt. Dass in diesem Zusammenhang ausgerechnet Proscriptor McGovern von Absu Gastvocals zum starken 'No Stories Left' beisteuert, passt, aber auch ohne Hilfe kommen KETZER sehr gut über die Runden: 'Walls', der Titeltrack und 'This Knife Won't Stay Clean Today' (!) zeugen davon, der Opener 'Keine Angst', gleichzeitig „key track“ des Albums, noch mehr. Nach wie vor: relevante Band!

REVIEW 6.0 20.03.2019, 08:00

(Album, RH 383, 2019)

TESLA - Shock

So unfassbar großartig die ersten drei TESLA-Alben „Mechanical Resonance“ (1986), mein Liebling „The Great Radio Controversy“ (1989) und „Psychotic Supper“ (1991) auch sind: Danach kam nicht mehr viel. Das ziemlich ausgebrannt klingende „Bust A Nut“ hat man sich 1994 noch halbwegs schöngehört, „Into The Now“ (2004), „Forever More“ (2008) und „Simplicity“ (2014) dagegen schon wieder vergessen, bevor die letzten Töne verklungen waren - und „Shock“ stellt nach weiteren fünf Jahren Albumpause nun den Tiefpunkt der eigenen Geschichte dar. Nicht falsch verstehen: Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn sich eine gesetzte(re) Band in zurückhaltenderen Regionen umschaut, wenn (vermeintliche) Altersweisheit rock´n´rolligen Furor besiegt - aber mich schaudert´s doch ein wenig, wenn man mit den Möglichkeiten TESLAs in den besseren Momenten (´Taste Like´, ´Shock´) nach aktuellen Def Leppard tönt, also der Truppe ihres Produzenten und Co-Songwriters Phil Collen, die ja nun selbst schon lange nicht mehr reüssiert, und in den schwächeren wie eine Balladen-Kapelle, die trotz des ´Love Song´ in der Vita das Gespür für Balladen verloren hat (´Forever Loving You´, ´We Can Rule The World´), um beim ´California Summer Song´ (sic!) dann noch in tiefste Kid-Rock-Untiefen abzutauchen, aus denen man in der Folge gar nicht mehr aufsteigen kann. Was „Shock“ letzten Endes vor noch bescheideneren Punkteregionen bewahrt, sind somit die immer noch einzigartigen Vocals von Jeff Keith, der tatsächlich nicht viel verlernt hat und dementsprechend zumindest für ein paar hörenswerte Momente sorgt...

REVIEW 8.5 20.02.2019, 08:00

(Dynamit, RH 382, 2019)

OUR SURVIVAL DEPENDS ON US - Melting The Ice In The Hearts Of Men

Man darf sich dem Kosmos der Österreicher OUR SURVIVAL DEPENDS ON US natürlich nähern, wie man will, aber wenn man generell Eingängigkeit als passables Einfallstor ansieht, sollte man die ersten Gehversuche zweifellos mit ´Song Of The Lower Classes´, Track Nummer drei von vier überlangen auf „Melting The Ice In The Hearts Of Men“, wagen. Dieses Lied, ein politisch-soziales Statement, wie es im extremen Metal ungewöhnlich ist, textlich basierend auf einem Text Ernest Charles Jones´ aus dem 19. Jahrhundert, stellt einen Paukenschlag dar, in seinem Proklamieren und Anklagen nicht weit weg von einer Band wie Primordial (deren Frontmann Alan Averill zum Opener ´Galahad´ tatsächlich Vocals beisteuert), wenn diese ihre ganz großen Momente haben. Das andere Material des Albums kommt hingegen eher durch die Hintertür, zitiert Black Metal, Doom und Sludge, aber nicht weniger tendenziell „ruhige“ Genres wie Prog, Psychedelic, Postrock und Ambient, man macht da aus seinen Herzen auch keine Mördergruben, im Presseinfo fallen Namen wie Sigur Rós, Portishead und Steven Wilson (!). Überhaupt lässt gerade eine auffällige Unaufgeregtheit, eine sehr erwachsene Aura jenseits allen juvenilen Dicke-Hose-Gehabes, das in der Regel ja nur die Parameter „böse“ und „cool“ kennt, OUR SURVIVAL DEPENDS ON US zu einer wohltuenden Alternative im Klischee-Dschungel aufsteigen, gleichzeitig zu einer Band, die anscheinend herausgefunden hat, dass Hass und Fatalismus ja auch nichts nützen, denn meistens handelt es sich dabei eh nur um bemitleidenswerten Narzissmus. Weit gekommen sind wir 2019 zwar noch nicht, aber bis jetzt ist das hier eindeutig die beste Platte des Jahres - im Übrigen großartig organisch produziert von der Band selbst im Verbund mit den Könnern Victor Santura (Triptykon) und Michael Zech (The Ruins Of Beverast).

REVIEW 8.0 20.02.2019, 08:00

(Dynamit, RH 382, 2019)

QUEENSRYCHE - The Verdict

Nicht falsch verstehen: Dass QUEENSRYCHE seit dem Hinzustoßen von Sänger Todd La Torre (ex-Crimson-Glory) wieder in ihrer hauseigenen stilistischen Spur laufen, ist deutlich angenehmer als das Geeiere auf den Tate-Alben von „Hear In The Now Frontier“ (auf „Promised Land“ waren ja immerhin noch ein paar gute Songs...) bis „Dedicated To Chaos“. Nichtsdestotrotz sind die Vergleiche im Plattenfirmen-Info mit hochkonzentrierten, dringlichen (Progressive-)Metal-Monumenten wie „The Warning“, „Rage For Order“ oder „Empire“ natürlich deutlich übertrieben: QUEENSRYCHE 2019 (in der Besetzung La Torre/Wilton/Lundgren/Jackson; Drummer Scott Rockenfield ist auf „The Verdict“ nicht zu hören, die Schlagzeug-Spuren stammen von - Achtung! - La Torre) muten halt ein bisschen an wie diese ganzen (Früh-)Neunziger-US-Underground-Demo-Bands, denen man stets einen „Klingen wie Queensryche!“-Orden umgehängt hat - oder auch wie ´ne supertalentierte Covertruppe. Schlimm ist das indes nicht, denn diesen Stil, melodischen Heavy- und Power Metal mit progressiven Untertönen, zocken heute nur noch wenige Bands, und die Dekonstruktion gelingt ja: QUEENSRYCHE arbeiten mit Melodien und Harmonien, die aus ihrem frühen Fundus stammen könnten (´Inside Out´!), zitieren sich auch inhaltlich gerne selbst, machen sich dabei aber niemals lächerlich. Man merkt eben, dass sie großen Respekt vor dem eigenen Erbe haben und dieses mit Würde verwalten wollen. Kann sein, dass das letzten Endes ein wenig den Mut ausbremst, noch mal was Neues jenseits soundtechnischer Modernisierungen (Produktion: Chris „Zeuss“ Harris) auszuprobieren, andererseits würde sich die Katze ja eh nur in den eigenen Schwanz beißen, und der Rezensent wäre vielleicht der Erste, der „Schuster, bleib doch bei deinen Leisten!“ mosert. Nein, QUEENSRYCHE sind in guter Form, „The Verdict“ ist ein starkes Album, das man sich nach dem Erwerb gerne (und durchaus oft) anhört. Aber klar ist auch: Wenn man in ein paar Monaten Bock auf die Band hat und zum (digitalen) Plattenschrank geht, holt man mit Sicherheit doch wieder „The Warning“ oder „Operation: Mindcrime“ hervor...

REVIEW 23.01.2019, 08:00

(Album, RH 381, 2019)

MAGNUM - Live At The Symphony Hall

Es gab Zeiten, da konnte man aus mehr oder weniger aktuellen MAGNUM-Live-CDs problemlos ein Spiegelkabinett bauen. Ganz so schlimm ist´s nicht mehr, allerdings sind auch seit dem Release von „Escape From The Shadow Garden - Live 2014“ gerade mal dreieinhalb Jahre vergangen. Ich will das gar nicht werten, ich frage mich halt nur ein bisschen, ob sich eine Veröffentlichung wie „Live At The Symphony Hall“ tatsächlich noch lohnt heutzutage. Andererseits: Die Produktionskosten halten sich in Grenzen, und wenn ich mir mein eigenes Konsumverhalten anschaue, stelle ich fest, dass ich „Live At The Symphony Hall“ in den letzten Wochen öfter gehört habe als so manches „frische“ Studioalbum. Das liegt aber natürlich auch daran, dass die knapp hundert Minuten, mitgeschnitten beim Abschiedskonzert in Birmingham auf der letzten Tour und dem Eindruck nach angenehm unbearbeitet inklusive des einen oder anderen sympathisch schiefen Tons, erneut aufzeigen, dass die Briten a) momentan ihren x-ten Frühling erleben, b) die Klassiker en gros in der Vita stehen haben (wobei sie sich tatsächlich nicht abnutzen; noch nicht mal nach Jahrzehnten) und c) wieder in der Lage sind, neues Material zu erarbeiten, das nicht nur als Lückenfüller dient, sondern eigene Akzente setzt (´Without Love´, ´Lost On The Road To Eternity´ mit Tobi-Sammet-Cameo). Ich freue mich jedenfalls nach wie vor wie Bolle auf die MAGNUM-Show beim Rock Hard Festival - und lasst bitte ´Don´t Wake The Lion´ im Gepäck. Und ´The Spirit´. Danke!

REVIEW 8.0 23.01.2019, 08:00

(Dynamit, RH 381, 2019)

METAL INQUISITOR - Panopticon

Die Veröffentlichungsschlagzahl war bei METAL INQUISITOR noch nie sonderlich hoch, „Panopticon“ ist erst das fünfte Studioalbum seit dem 2002er Debüt „The Apparition“, und seit dem Vorgänger „Ultima Ratio Regis“, der mir durchaus noch in den Ohren klingelt, sind geschlagene fünf Jahre ins Land gezogen. Trotzdem passt der Begriff „Hobbyband“ nicht so richtig zu den Koblenzern, vor allem Super-Gitarrist Blumi ist nämlich ein fanatischer Tüftler, dem man an der Axt kein X für ein U vormacht und dessen große Liebe zur New Wave Of British Heavy Metal tatsächlich obsessiv zu sein scheint, legt man die Sahne-Riffs zugrunde, die er zusammen mit seinem Kompagnon T.P. mindestens im Dutzend rauspfeffert. Dabei zitieren die Desaster-Kumpels natürlich einmal mehr die Großen der späten Siebziger und frühen Achtziger wie Maiden und Saxon (´Change Of Front´!), lassen aber auch immer wieder dieses typische Underground-Feeling durchscheinen, wie es vor allem 1.666 7“-only-Truppen transportiert haben, die selbst heute nur Mercyful Mader und vielleicht noch dessen Spezi John Tucker kennen. Die Hits des Albums hauen einem auch diesmal schon in der ersten Hälfte fett auf die Backen, der Opener ´Free Fire Zone´ zum Beispiel macht seinem Titel alle Ehre, und ´Beyond Nightmares´ tönt im Refrain sogar noch zwingender. Hinten raus muss man aber ebenfalls keine Langeweile befürchten: ´War Of The Priests´ ledert erneut mit heißer Hook los, und beim flotten ´Discipline And Punish´ ziehen METAL INQUISITOR ganz am Ende dermaßen die Zügel an, dass selbst Peters ganz anders wird. Und DAS will wirklich was heißen!

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