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REVIEW 8.0 01.07.2020, 08:00

(Dynamit, RH 398, 2020)

MAGGOT HEART - Mercy Machine

Daraus, dass MAGGOT HEART auch ein Produkt ihrer Wahlheimat Berlin sind, macht die Schwedin Linnéa Olsson (ex-Sonic-Ritual/The-Oath/Beastmilk/Grave-Pleasures) kein großes Geheimnis, ihre als Trio eingespielte Musik evoziert tatsächlich sofort den urbanen Raum, Beton, Graffiti und verkommene Hinterhöfe, die Bilder, die sie hervorruft, entstammen am Ende aber eher dem „Cinema of Transgression“ von Richard Kern oder Nick Zedd, also dem New York der achtziger Jahre, sicherlich auch deswegen, weil die noisigen Spitzen an andere damalige ProtagonistInnen wie Lydia Lunch oder Sonic Youth gemahnen. Zum vorherrschenden Indie Rock, Post-Punk und Ur-Wave gesellt sich nun - die gemeinsame Amerika-Tour ist nicht ohne Folge geblieben - eine weitere Sound-Facette vor allem in den Gitarren, die man von rockigeren Voivod kennt, von den ganz aktuellen („The Wake“), aber auch der genialen Endachtziger/Frühneunziger-Inkarnation mit „Nothingface“ und „Angel Rat“. Natürlich ist das in seinem Gestus und Habitus tendenziell alles ziemlich prätentiös, in der aktuellen Situation mit Cocooning als Gesellschaftsauftrag wirkt´s sogar wie aus der Zeit gefallen, aber wer weiß schon, was kommt und welches Wasteland musikalisch untermalt werden muss, es kann nicht schaden, für alle Gegebenheiten den passenden Soundtrack zu haben. Und ja, meinetwegen funktioniert „Mercy Machine“ am Ende auch einfach nur als Song-Album, in erster Linie hinten raus, wenn die Melodien Oberhand gewinnen, bei ´Lost Boys´ oder vor allem ´Senseless´, das in seiner Zerbrechlichkeit das Zeug zum Hit hat, beim Roadburn nachts um drei, wenn die Küsse noch nach Bier und Dope schmecken, aber ein kleines bisschen auch nach Abschied.

REVIEW 8 27.05.2020, 08:00

(Dynamit, RH 397, 2020)

HORISONT - Sudden Death

HORISONT kommunizieren im Plattenfirmen-Info Einflüsse von Siebziger- und Achtziger-Acts wie The Babys, LeRoux, Airrace, Dakota und Lawrence Gowan - Namen, bei denen jeder eingefleischte Melodiker mindestens mit der Zunge schnalzt, die man zugegebenermaßen aber auch einfach nur aus Distinktionsgründen wie eine Monstranz vor sich hertragen kann. Die Schweden lassen den Worten auf „Sudden Death“ allerdings stets Taten folgen, bereits der sehr gute Opener 'Revolution' verknüpft ELO-Sounds mit Cheap-Trick-Harmonien, Early-Kiss-Gesang sowie ein paar Rush-Gitarren, 'Into The Night' eröffnet mit einem genialen Saxofon und zollt danach Toto Tribut, und die Sound-Authentizität von z.B. 'Free Riding', 'Pushin' The Line' oder dem zurückhaltenden 'Standing Here' ist so ausgeprägt, dass sie sogar die gar nicht mal so auffälligen Refrains überdeckt. Dazu gibt's diesmal ein wenig Prog: Der achtminütige instrumentale Rauswerfer 'Archaeopteryx In Flight', der das sechste Album der Band in die Überlänge befördert, hat bei aller angenehmen Noblesse ein bisschen was von einer soundästhetischen Fingerübung, 'Gråa Dagar' erinnert in erster Linie wegen der schwedischen Lyrics dagegen spontan erst mal an die kauzigsten Opeth-Momente, orientiert sich in Wirklichkeit aber natürlich eher an den Originalen, an November und Fläsket Brinner, sogar an Kebnekaise oder Bo Hansson. Alles in allem machte mir der 2017er Vorgänger „About Time“, das damit nach wie vor stärkste Album von HORISONT, einen lockereren Eindruck, es klang vielleicht frecher und gleichzeitig unaufgeregter; irgendwie habe ich den Eindruck, „Sudden Death“ ist am Ende (auch) ein wenig das Ergebnis von allzu großen Ambitionen. Indes zweifellos ein Ergebnis, das nach wie vor große Teile der Konkurrenz deutlich hinter sich lässt und in einer Liga mit dem The-Night-Flight-Orchestra-Katalog bestehen kann.

REVIEW 8,5 22.04.2020, 08:00

(Dynamit, RH 396, 2020)

AXEL RUDI PELL - Sign Of The Times

Lange nichts Rock'n'Rolligeres gesehen als das total bananige „Arsch lecken!“-Bandfoto im Booklet des 18. (!) AXEL RUDI PELL-Studioalbums: null Inszenierung, unmotiviert gereckte Daumen, Sweden-Rock-Backstage-Pässe um den Hals und Frontmann Johnny Gioeli in Joggingbuxe mit Hand in der Tasche - total geil! Genauso unprätentiös, allerdings wesentlich durchdachter klingt dann auch wieder die Musik: ARP halten das sehr hohe Niveau des Vorgängers „Knights Call“, changieren zwischen Üblichem wie diversen Hardrock/Melodic-Metal-Hit-Schoten ('Bad Reputation', 'The End Of The Line'), Epischerem wie dem Titeltrack und 'ner top arrangierten Ballade ('As Blind As A Fool Can Be'), haben aber auch 'ne Handvoll Aufhorch-Momente (ich will jetzt nicht übertreiben und von „Überraschungen“ reden...) in der Pipeline, die das Album tatsächlich alle bereichern; das fängt beim sehr ausführlichen, durchkomponierten, ohrwurmigen Gitarrensolo des Top-Openers 'Gunfire' an und endet bei den paar „moderneren“ Sounds des Rausschmeißers 'Into The Fire', und dazwischen freut man sich über den Verzicht der üblichen 'Kashmir'-Huldigung und entdeckt stattdessen Schlenker gen 'D'yer Mak'er' ('Living In A Dream') und vor allem 'Purple Haze' ('Wings Of The Storm'). Natürlich kann man die Homogenität in Axels Schaffen als Einfallslosigkeit schlechtreden, machen ja 'ne Menge Leute, man kann aber auch an dieser Stelle noch mal mit Nachdruck feststellen: Nur kein Neid, wer kann, der kann, bessere Songs im klassischen Sinne als AXEL RUDI PELL schreibt kaum eine Band!

REVIEW 8.0 18.03.2020, 08:00

(Album, RH 395, 2020)

THEN COMES SILENCE - Machine

Ein paar wenige metallischere Grenzgänger wie Tribulation oder Idle Hands sprechen mittlerweile ein gewaltiges Wörtchen in der Szene, insgesamt bleiben Post-Punk und Gothrock, vor ein paar Jahren als neuester alter Trend ausgerufen, aber Underground-Phänomene, selbst die als Heilsbringer gestarteten Beastmilk alias Grave Pleasures verharren ja immer noch unter ihresgleichen, so richtig vorwärts geht´s nicht. Die Schweden THEN COMES SILENCE durften ihr letztes Album „Blood“, ihr viertes seit 2012, 2017 sogar über den Quasi-Major Nuclear Blast veröffentlichen, genützt hat´s indes nichts (oder zumindest nicht viel). Im Gegenteil ließ ihre Indie-Rückbesinnung „Machine“ nun ungewöhnlich lange auf sich warten, entpuppt sich dafür aber immerhin als erneut hörenswertes Album, auf dem zwar sicher nicht alles Genre-Gold ist, das leidlich glänzt (die B-Seite fällt ab), das mit dem The-Cure-lastigen Opener ´We Lose The Night´, dem lethargisch-lasziven ´I Gave You Everything´ oder dem Hit der Platte, ´Devil´, allerdings diverse Duftmarken hinterlässt, die nicht nur in ihrem Bereich, sondern auch im Kontext aller Veröffentlichungen des Monats deutlich Eindruck schinden. Ziemlich fies tönt dagegen ´Apocalypse Flare´, eine Nummer mit exzessiven Ohrwurm-Anwandlungen, die Gott sei´s geklagt so deutlich jenseits der Cheese-Grenze platziert wurde, dass die eigene Qualitätskontrolle Mühe hat, sie schlussendlich durchzuwinken. Schließlich ist das hier keine Musik, bei der man die Contenance verliert. Es ist Musik, bei der man traurig auf seine Schuhe starrt.

REVIEW 10 18.03.2020, 08:00

(Album des Monats, RH 395, 2020)

DOOL - Summerland

Ich habe mich bislang nicht zum Tod von Neil Peart geäußert, und ich wollte es eigentlich auch nicht tun, das Ganze war mir - obwohl ich Peart nicht persönlich kannte; er hat ja so gut wie nie Interviews gegeben - einen Moment lang zu „privat“ und die Gefahr, ins Pathetische abzudriften, zu groß. Mit ernsthafter „Trauer“ um ihn hatte das ohne direkten menschlichen Bezug natürlich nichts zu tun, sondern lediglich mit mir selbst, mit mehr als drei Dekaden des intensiven Musikhörens, in denen Rush für mich eben immer der Fixstern waren, das alles Überschattende, eine Konstante selbst in Zeiten, in denen ich die Band noch nicht mal besonders oft gehört habe. Ich habe (spätabends) von Pearts Tod erfahren, und die einschneidenden Erlebnisse der letzten 30 Jahre in MEINEM Leben liefen danach an mir vorbei, eben weil Rush mich gerade in Extremsituationen immer begleitet haben, weil ich irgendwie alles Existenzielle mit ihnen verbinde, es war zumindest kurz so, als hätte sich ganz plötzlich ein Kreis geschlossen und Musik ihren Sinn für mich verloren, nachdem sie mit „Hold Your Fire“ und „A Show Of Hands“ einst einen ernsthaften bekommen hatte. Warum das hier hingehört? Weil es neue Platten danach tatsächlich nicht leichter hatten in meinen Ohren - und weil mich trotzdem schon lange kein Album mehr so angefasst hat wie die zweite DOOL. „Summerland“ stellt das Einlösen des Versprechens dar, das das Debüt „Here Now, There Then“ 2017 gegeben hat, vom Rohdiamant zum Juwel, dringlich, aber nicht aufdringlich, emotional, aber nicht übergriffig, Schwächen zulassend, aber nicht jämmerlich, traurig wie euphorisch zugleich, am Abgrund marschierend und doch mit absoluter Sicherheit die Balance haltend. Das Fiebrige der Anfangszeit ist dementsprechend einem nachhaltigeren Selbstbewusstsein gewichen, die Sounds sind offener geworden, von mir aus „post-punkiger“ und „waviger“, und wenn man noch mal hören möchte, wie „Postrock“ Relevanz verliehen wird, verliert man sich einfach im Ausklang 'Dust & Shadow', kongenialer Counterpart des ebenfalls am Limit komponierten Openers 'Sulphur & Starlight'. Keines der überdies hervorragend klingenden neun Lieder ist zu viel, jede Verschnaufpause gewollt, das Rotterdam-Kollektiv setzt die Reize perfekt - Heavy Rock 2.0. „Can you relate to me?“, fragt Ryanne van Dorst in 'God Particle'. Ist natürlich rhetorisch gemeint.

REVIEW 9 19.02.2020, 08:00

(Album des Monats, RH 394, 2020)

PSYCHOTIC WALTZ - The God-Shaped Void

„So geil wie früher!“ oder „Braucht kein Mensch mehr!“? Nun, man muss und kann „The God-Shaped Void“, das erste Studiowerk der Progressive-Metal-Großmeister PSYCHOTIC WALTZ seit 24 Jahren, nicht auf eine Stufe mit den Maßstäbe setzenden (und sicherlich nur im zeitlichen Kontext in voller Gänze funktionierenden) „A Social Grace“ von 1990 und „Into The Everflow“ von 1992 stellen, es wäre auch kontraproduktiv, aber diese Platte hier hat nach mindestens zwei Dutzend (zum Teil sehr konzentrierten) Hördurchläufen nichts von einem müden Alterswerk, sie ist kein schlechterer Abklatsch vergangener Großtaten, kein typischer „Höre ich es mir eben schön“-Anwärter, kein unterproduziertes, uninspiriertes „Machen wir halt noch mal ein Album“-Produkt, keine Fortführung irgendeines Sideprojects oder Band-Nachfolgers (wie Deadsoul Tribe) unter anderem Namen und auch kein kläglicher Versuch, „moderne Zeiten“ zu antizipieren, um neue, eh nicht affine Fans zu erreichen, die verunsicherten Midlife-Crisis-Männern am Ende sowieso nur mit einem Achselzucken begegnen. „The God-Shaped Void“ stellt schlicht und einfach eine Ansammlung von hervorragenden, zeitlosen Songs dar, die mindestens (!) das Niveau der Errungenschaften der Alben drei und vier, „Mosquito“ von 1994 und „Bleeding“ von 1996, erreichen, dabei wie aus einem Guss wirken, emotional packen und letzten Endes auch die erhofften Ingredienzien (die Flöte, die überirdisch schönen gedoppelten Gitarren...) enthalten - ohne sich darauf auszuruhen. Dass sich die Höhepunkte auf „A God-Shaped Void“ abwechseln, ist zudem keiner schwammigen Masse an Tracks, bei denen dann ja oft doch der letzte Kick fehlt, geschuldet, sondern dem Transportieren ganz unterschiedlicher Stimmungen, die bewundernswerterweise alle gleich gut eingefangen wurden. Meine Faves zumindest beim Schreiben dieser Rezension: der sofort packende Opener 'Devils And Angels', das partiell balladeske 'The Fallen' sowie das (auch) mit mordsguten Strophen versehene 'While The Spiders Spin'.

REVIEW 8,5 19.02.2020, 08:00

(Album des Monats, RH 394, 2020)

THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA - Aeromantic

Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen und eine eigentlich superpositive Kritik mit Gemäkel zu beginnen: Es ist mir - wie schon in der Vergangenheit - ein Rätsel, warum THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA, gerade mit ihrem sehr songorientierten Stil, ihre Alben derart aufblähen, dass sie an der Stunden-Grenze kratzen, denn erstens hält heutzutage (leider!) kaum noch jemand so lange durch, und zweitens finden sich so auch immer ein paar verzichtbare Geht-so-Schoten unter den (diesmal: 13) Kompositionen; im Falle von „Aeromantic“ hätte man vor allem hinten raus kürzen können, von der letzten Handvoll Tracks gehört nur das abschließende 'City Lights And Moonbeams' zu den Highlights des Albums. Nichtsdestotrotz düst auch der fünfte Longplayer des Schweden-Quintetts (plus Peters' Top-Selling-Point, den beiden Backing-„Stewardessen“ Anna und Anna; die Lust am Genuss lässt sich unser Schmecklecker, für den sich „gender“ selbst 2020 noch auf „tender“ reimt, nämlich nicht nehmen...) nachhaltig genug durch die Lüfte, um sowohl alteingesessene AOR- und Melodic-Rock-Aficionados als auch stilbewusste Szene-Hipster abzuholen, die Single 'Divinyls' gibt einen ersten Eindruck, wird vom unwiderstehlichen Ohrwurm 'This Boy's Last Summer', der Toto-Verneigung 'Curves' oder dem ruhigen 'Golden Swansdown' aber noch überholt, und die besten Momente sind dann nach wie vor nicht erwähnt: Der zuerst durchaus zähe (und überlange) Opener 'Servants Of The Air' gewinnt immer mehr dazu, das zwischen Yacht Rock und Synthwave pendelnde, später mit 'ner so amüsanten wie ernsthaft geilen Kansas-Geige gepimpte 'Transmissions' darf gerne als Ausblick auf die Zukunft gelten, und 'If Tonight Is Our Only Chance' schließlich schreit nicht nur sofort nach einem exponierten Mixtape-Platz, sondern wurde als authentische Abba-Anlehnung konzipiert, ein Experiment, das neben Ghost tatsächlich nur Björn Strid & Co. unfallfrei wagen können. Send 'em my love again!

REVIEW 20.11.2019, 08:00

(Demo-Review, RH 391, 2019)

SIJJIN - Angel Of The Eastern Gate

Wenn ein integrer Ausnahmemusiker wie Malte Gericke ankündigt, seine Band, in diesem Falle Necros Christos, zu Grabe zu tragen, muss man das erst mal akzeptieren, aber man darf sich schon fragen, wohin die Kreativität denn jetzt fließen soll. Nun, sie fließt in Maltes neues Betätigungsfeld SIJJIN - inklusive Necros-Christos-Drummer Iván Hernández und dessen Extinction/Legen-Beltza-Kollege Ekaitz Garmendia an der Gitarre (Malte bedient neben dem Mikro jetzt den Bass). Natürlich scheinen Necros Christos an allen Ecken und Enden durch, dennoch umweht SIJJIN eine eigene Aura, ein Hauch von Durchatmen und ja: auch der Geschmack des Neustarts. Die größte Verbindung zu Necros Christos ist hier tatsächlich die große Liebe zu Morbid Angel, vor allem „Altars Of Madness“ (man fällt beim Opener ´Vorago Of Adullam´ bestimmt nicht unbeabsichtigt sofort mit der Tür ins Haus), aber auch ansonsten werden - immer mit eigenem Geschmäckle - die Anfänge des Death Metal ins Hier und Jetzt befördert, die Eckpfeiler heißen Death, Autopsy, Incubus, Master und Massacre, aber auch Possessed, Slaughter und Slayer (´Remnants Of Cambrian Evil´!). Das liest sich im ersten Moment vor allem für Fans, die sich am liebsten drei Wochen in eine neue Necros-Christos-Platte reingefuchst haben, vielleicht nicht spektakulär, ist es letztendlich aber: Im Vergleich zu großen Teilen der Konkurrenz machen SIJJIN nämlich einfach so gut wie alles besser, die Riffs sind toll, die Harmonien eingängiger, die Brutalität ist größer, und die Breaks sitzen da, wo sie Sinn ergeben. Aus dem Stand heraus die Death-Metal-Newcomer des Jahres! * Das eigenproduzierte Fünf-Song-Demotape „Angel Of The Eastern Gate“ ist erhältlich unter sepulchralvoice.de, man kann die Tracks via sijjin.bandcamp.com aber natürlich auch digital erwerben.

REVIEW 8.0 23.10.2019, 08:00

(Album, RH 390, 2019)

SCREAMER - Highway Of Heroes

So schlecht ist es für die Generation der „jungen Wilden“, die der Szene Ende der nuller und Anfang der zehner Jahre einen veritablen Arschtritt verpasst haben, nicht gelaufen: Klar, ein paar Truppen hat´s dahingerafft (In Solitude, Black Trip, Slingblade...), dafür sind Ghost (im Rahmen des heute Möglichen) Superstars und Atlantean Kodex zumindest künstlerisch eine der wichtigsten Bands überhaupt geworden. Der Rest macht einfach immer weiter, und das relativ unaufgeregt sowie auf beachtlichem Niveau, neben Bullet, Enforcer, Portrait oder den neuerdings etwas trägen High Spirits eben auch die Schweden SCREAMER, deren viertes Album „Highway Of Heroes“, das erste, das sie nicht für High Roller aufgenommen haben, erwartungsgemäß zwar keine nennenswerten neuen Akzente setzt, das mit u.a. ´Shadow Hunter´, ´Rider Of Death´, ´Towers Of Babylon´ oder dem Titeltrack aber diverse schlicht (sehr) gute Heavy-Metal-Songs enthält, die im positiven Sinne in erster Linie als wunderbare Unterhaltung dienen, als Soundtrack in den angenehmen Momenten des Lebens, in denen man einfach nur ´ne ordentliche Platte hören möchte, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Der Rest ist Diskussionsstoff für Nerds: Die (gelungene) Produktion lag diesmal in den Händen von Bullet-Drummer Gustav Hjortsjö, und das komplett sinnbefreite Artwork findet zumindest der Schreiber dieser Zeilen mindestens so „schön“ wie das des Vorgängers „Hell Machine“.

REVIEW 8.5 23.10.2019, 08:00

(Dynamit, RH 390, 2019)

ANGEL WITCH - Angel Of Light

Das selbstbetitelte 1980er ANGEL WITCH-Debüt mag auf „Neuankömmlinge“ zuerst ein wenig spröde wirken (vom sofort killenden Titelsong abgesehen), hat den „test of time“ aber so gut bestanden wie kaum ein zweites Album: Man kann sich an dieser Platte einfach nicht satthören, auch nicht nach fast 40 (!) Jahren. Die späten Nachfolger „Screamin´ N´ Bleedin´“ (1985) und „Frontal Assault“ (1986) stellen dagegen - vor allem wegen ebendieser ersten Visitenkarte sowie ihrer ansehnlichen Schäbi-Metal-Artworks - lediglich (recht teuer gewordene) Sammlerstücke dar, erst mit dem 2012er Comeback „As Above, So Below“ war man in der Lage, stilistisch und qualitativ an den Erstling anzuknüpfen. Ich habe zwar nicht das Gefühl, dass dem Ding ein besonders großer kommerzieller Erfolg zuteilgeworden ist, aber es hat die Band zumindest wieder ins Rampenlicht gerückt - auch live. „Angel Of Light“ rundet das klassische Triple weitere sieben Jahre später nun brillant ab, Mainman Kevin Heybourne präsentiert nicht nur einen der immer noch besten Gitarrensounds der Szene, sondern auch eine erneut schlicht zwingende Mixtur aus unnachahmlichen Signature-Riffs, sinnigen Solo-Ausflügen sowie einem unaufgeregten Songwriting mit diesen typischen Halb-Refains, die man am Anfang gerne mal „überhört“, die sich aber im Ohr einnisten wie Willi Wurm. Zwei der insgesamt acht Songs sind unspektakulär (´We Are Damned´, ´I Am Infamy´), der Rest changiert zwischen richtig gut (´Window Of Despair´, Titeltrack) und verdammt brillant - mit dem kleinen Hit ´Comdemned´ und dem zurückhaltenden ´The Night Is Calling´, das Bootlegger bereits seit den Achtzigern kennen und das in seiner aktuellen Inkarnation stark an Black Sabbath zu „Headless Cross“-Zeiten erinnert, an der Spitze. Nach wie vor: „You´re the angel I adore!“

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