Suche

Durch das Setzen eines Bandnamens in Anführungszeichen sind detailliertere Ergebnisse möglich.

REVIEW 9.0 25.09.2019, 08:00

(Album, RH 389, 2019)

IQ - Resistance

„Resistance“ ist anders als das erste große IQ-Doppelalbum „Subterranea“ keine Konzeptplatte, die elf Songs sind aber dennoch perfekt miteinander verzahnt. ´A Missile´ bildet mit seinen überraschend harten Gitarrensalven, den sehr markanten Synth-Fanfaren (manchmal lässt Tony Banks grüßen) und der überwältigenden, wohlig-düsteren Atmosphäre den idealen Einstieg. ´Rise´, das von peitschenden Gitarrenriffs angetriebene ´Stay Down´ und ´Shallow Bay´ reihen sich mit ihrer Mischung aus federleichten, tanzbaren (!) Grooves und melancholischem, jederzeit unaufgeregtem und kitschfreiem Klangbombast ebenfalls problemlos in die lange Reihe der IQ-Klassikernummern ein und stimmen kongenial auf den 15-Minüter ´For Another Lifetime´ ein, der sich nach psychedelisch-schrägem Akkordeon-Beginn zu einem von grandiosen Melodien gekrönten Monumentalepos aufschwingt. Auf der zweiten CD werden die Spannungsbögen dann anders, aber genauso wirkungsvoll gesetzt: Die Longtracks ´The Great Spirit Way´ (fast 22 Minuten) und ´Fallout´ (20 Minuten), die mit ihrem enormen emotionalen Tiefgang, ihren superben Hooks und den niemals in Angeberpeinlichkeiten abrutschenden instrumentalen Zaubereien für ganz großes Kopfkino sorgen, rahmen ´Fire And Security´ und ´Perfect Space´ ein, zwei kompaktere Ohrenschmeichler voller cleverer Wendungen. Im Vergleich zum Vorgängeralbum „The Road Of Bones“ sind die Vocals auf „Resistance“ nicht ganz so dominant, dafür erzeugen die Gitarren mehr Dynamik, die Keyboards entführen in exotischere Traumwelten, und das Songwriting ist noch ein bisschen hochwertiger. Klassischer Progrock steht wie selbstverständlich neben Film-noir-Soundtracks, umwerfender Trance-Rock neben fast schon bei Threshold anklopfenden Ohrwurm-Wundertüten. Selbst die auf den ersten Hör etwas cheesige Drumcomputer-Ballade ´If Anything´ ist bei näherem Hinhorchen besser als fast alles, was in den letzten Monaten sonst so durchs Prog-Universum gewuselt ist. Ein Weltklasse-Album!

REVIEW 9.0 23.06.2004

(Dynamit, RH 206, 2004)

IQ - Dark Matter

(52:20) Die wirklich genialen Alben des Progrock-Sektors leben nicht von Überschall-Soli oder Zappelbreaks im Nanosekundentakt, sondern von begnadetem Songwriting und dem perfekt ausbalancierten Zusammenspiel oft völlig gegensätzlicher Akteure. In jeder der großen Seventies-Bands trafen scheinbar nicht zueinander kompatible Einzelkämpfer aufeinander und erschufen zusammen Kunstwerke, die weitaus größer waren als die Summe ihrer Bestandteile. Auch IQ, die mit "Dark Matter" eines der wunderbarsten Alben ihrer über 20-jährigen Karriere eingespielt haben, gehören zu den ganz Großen des Genres, jenen Gruppen, deren kreative Sternstunden man nur mit dem Wort "magisch" beschreiben kann. In einer Zeit, in der traditioneller Prog fast nur noch als blasser Wiederholungs-Loop drei Jahrzehnte alter Erinnerungsfetzen in Erscheinung tritt, gelingt es den fünf Briten, erneut die Tore in jene zeitlosen Lande aufzustoßen, die seit den frühen Genesis, Yes und Marillion kaum noch eine Band betreten hat - jene idyllischen, aber auch immer ein wenig bedrohlichen Welten, die Autoren wie C.S. Lewis, George MacDonald oder zuletzt James Stoddard für uns Normalsterbliche kartographiert haben. Martin Orfords unfassbar kathedralische Orgelsounds und federleichte Sphärenklänge erzeugen zusammen mit Peter Nicholls? samtiger Stimme epischen Fantasy-Zauber mit Wohlfühl-Garantie, doch die eigenwillige, nie nach widerhakenfreier Harmonie strebende Rhythmus-Abteilung und Mike Holmes? düstere Gitarren-Soundscapes verhindern jederzeit das Abdriften in zahnlosen Bombast oder klebrigen Kitsch. "Dark Matter" ist wie ein gutes Märchenbuch für Erwachsene: warmherzig genug, um Geborgenheit zu schenken, und gleichzeitig so aufwühlend, dass man nie völlig den Bezug zur Wirklichkeit verliert - ein Meisterwerk, wie man es so kompakt und makellos nur alle paar Jahre mal zu hören bekommt.

REVIEW 8.5 21.02.2001

(Dynamit, RH 166, 2001)

IQ - The Seventh House

(56:53) Was Arena nach ihrem "The Visitor"-Glanzstück nicht geglückt ist, schaffen die Londoner Kollegen von IQ: einem makellosen Progressive-Rock-Meisterwerk einen (fast) gleichwertigen Nachfolger hinterherzuschicken. Abgesehen von der minimal geringeren Quote an Gänsehaut-Refrains hat "The Seventh House" alles, was auch schon den Doppeldecker "Subterranea" auszeichnete. Peter Nicholls warme Stimme klingt beinahe so beeindruckend wie die des jungen Peter Gabriel, Tasten-Zwerg Martin Orford rollt einmal mehr Dutzende von zutiefst atmosphärischen, farbenprächtig bestickten Synthie-Soundteppichen aus (der Mittelteil von 'Zero Hour' hat allerfeinstes Hollywood-Soundtrack-Niveau), und die übrigen drei Musiker zimmern ein wasserdichtes, erstaunlich massives und mit haufenweise überraschenden Harmoniewechseln und originellen Melodien bestücktes Fundament für die Kunststückchen der beiden Hauptakteure. Gitarrist/Ambient-Freak Michael Holmes unterfüttert den ansonsten leicht Mittsiebziger-Genesis-lastigen Sound dabei ebenso unauffällig wie effektiv mit diversen topmodernen Klangelementen, die "The Seventh Hour" von jeglichen Retro-Vorwürfen freisprechen dürften. Hier treffen erstklassiges Songwriting, exzellente spielerische Fähigkeiten, glasklare Arrangements und eine völlig zeitlose Produktion aufeinander. Aber was erzähl' ich noch, sämtliche Prog-Freunde sind eh schon seit mindestens anderthalb Sätzen im Schweinsgalopp auf dem Weg zum nächsten Außenposten des Tonträgerhandels...

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos