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REVIEW 9.0 24.03.2004

(Dynamit, RH 203, 2004)

GRIP INC. - Incorporated

(48:15) Was erwartet man von GRIP INC., nachdem man von der Tatsache überrascht worden ist, dass die Band ihren Sarg verlassen hat? Eigentlich hatte ich das Gefühl, dass Waldemar Sorychta, Dave Lombardo und Gus Chambers mit ihrem dritten und bis dato letzten Album „Solidify“ (1999) alles gesagt hätten. Also: Klappe zu, Affe tot. Insofern war ich skeptisch, ob vier Jahre später „Incorporated“ überhaupt sein muss. Dennoch steht unter dieser Kritik eine Neun. Denn alles ist anders: Erstmals beanspruchte die globale Dreierbande komplette künstlerische Freiheit, ließ sich nicht von stilistischen Ketten fesseln, ignorierte Erwartungen und setzte Musik mit einem grenzenlosen Kosmos gleich. Hauptsongschreiber Sorychta denkt mehrdimensional. Denn so einfach, straight und brutalmetallisch das Grundgerüst seiner Songs auch erscheinen mag, so abenteuerlich und verwoben schmückt er die Stücke aus. Ein Orkan an Akustikgitarren, Synth-Teppichen, leichtfüßigen Flamenco-Spielereien, Sitar- und Cello-Klängen und Chören. Natürlich hämmert das Duo Sorychta/Lombardo auch zwei, drei Slayer-Attacken auf dieser Platte. Nur: Früher waren diese straighten Thrasher die Highlights, heute stehen sie allerhöchstens auf gleicher Höhe, wenn nicht sogar im Schatten des groß angelegten Ausbruchs aus gängigen Schemata. Nix mit Strophe/Refrain/Strophe-Einerlei. Und nix mit platter Aggression. Subtil ist es, clever ist es, unglaublich ambitioniert ist es, dieses neue Album. Das gilt auch für den Gesang: So facettenreich, ausdrucksstark und souverän klang Gus Chambers nie zuvor. „Incorporated“ bebt in der Seele. Respekt, meine Herren!

REVIEW 8.5 27.01.1999

(Album des Monats, RH 141, 1999)

GRIP INC. - Solidify

Um Experimente waren die Herren Lombardo, Sorychta und Chambers noch nie verlegen. Der Schritt vom auf Nummer Sicher angelegten und mächtig Slayer-beeinflußten Erstling zum wesentlich variabler gestalteten Kracher "Nemesis'' war demnach nur logisch und allenfalls für Außenstehende ein gewagtes Unterfangen. Unter ähnlichen Voraussetzungen schickt man nun den dritten Rundling ins Rennen, der mit dem allzu offensichtlich durch nerviges Gitarrengefiepe auf modern getrimmten 'Isolation' etwas unglücklich startet. Gottlob wird im direkten Anschluß mit 'Amped' gleich die erste Keule aufgefahren (Lombardo at his best plus Killerrefrain), bevor man den Fuß vom Gaspedal nimmt, um das düstere, treibende 'Lockdown' nachzuschieben. Die atmosphärisch dicht inszenierte Beinahe-Ballade 'Griefless' zeigt dann endgültig auf, daß man keine Scheu hat, musikalische Grenzen zu verschieben. Im Gegensatz zu anderen lehnen sich GRIP INC. nie zu weit aus dem Fenster, weshalb "Solidify" trotz manch modern klingender Passage nie die Thrash-Roots der Band leugnet. Kracher wie 'Vindicate', 'Stresscase' und 'Verräter (Betrayer)' bieten stets das notwendige Maß an urwüchsiger Old School-Power auf. The best of both worlds sozusagen - und dieser Ansatz erweist sich als richtig. Mit der bisher abwechslungsreichsten Scheibe sprengen GRIP INC. endgültig die Fesseln des Eindimensionalen, was durch das mit Flamenco-Einlagen versehene Instrumental 'Bug Juice' unterstrichen wird. Abgesehen davon, daß man all den Acts, die mittlerweile dem bloßen Reiz stumpfer, brachialer Härte erlegen sind, haushoch überlegen ist, haben die Jungs ihre beste Zeit zweifellos noch vor sich. In diesem Sinne: Get a grip now!

REVIEW 9.5 29.01.1997

(Album des Monats, RH 117, 1997)

GRIP INC. - Nemesis

Holy shit! Nach dem umjubelten Debüt 'The Power Of Inner Strength' legen GRIP INC. mit 'Nemesis' nach - und zwar gewaltig! Gab es auf dem Vorgänger noch vereinzelt Parts, die manchen Leuten 'zu Slayer-mäßig' klangen (was natürlich in erster Linie an Dave Lombardos Power-Drumming lag), so hat die Band mit dieser zweiten Scheibe ohne Wenn und Aber ihren Stil gefunden. Der nämlich basiert zu gleichen Teilen auf Daves nach wie vor charakteristischer Schießbudenarbeit, Waldemar Sorychtas vollkommen eigenständiger Gitarre und Gus Chambers' stark verbesserten, weil flexibleren Vocals. Vor allem Gus hat einen beachtlichen Satz nach vorne gemacht und klingt in puncto Coolness irgendwie wie 'Dave Mustaine mit Stimme': Er brüllt, shoutet, singt - und versprüht dabei ein Charisma, das auf 'The Power Of Inner Strength' noch längst nicht so ausgeprägt war. Auch stilistisch setzen GRIP INC. verstärkt auf Abwechslung und atmosphärische Dichte ('Scream At The Sky', 'The Summoning', 'Code Of Silence'), obwohl die typischen Nackenbrecher der Band (zum Beispiel das auf der neuen Rock Hard-CD enthaltene 'Rusty Nail', der druckvolle Opener 'Pathetic Liar' oder das schnelle 'War Between One') nach wie vor den Hauptteil des Materials ausmachen. Selten ist mir ein Fazit so leicht gefallen: 'Nemesis' ist das unumstrittene Album des Monats und der Beweis dafür, daß Metal gleichzeitig innovativ und mitreißend wie vor zehn Jahren sein kann. Das einzige Manko, die zu kurze Spielzeit von knapp 38 Minuten, übersieht man in einem solchen Fall gerne.

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