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REVIEW 9.0 22.06.2016

(Album des Monats, RH 350, 2016)

GOJIRA - Magma

Roadrunner/Warner (43:20) In Teilen der deutschen Metal-Community gelten GOJIRA immer noch als „die neuen Voivod", was vor allem eines ignoriert: GOJIRA sind weltweit bereits seit langem größer und erfolgreicher, als es ihre famosen kanadischen Brüder im Geiste jemals waren, „The Way Of All Flesh" und „L´Enfant Sauvage" haben die sowieso schon immer eigenwillige Band noch unabhängiger gemacht, nicht nur in der französischen Heimat drückt man Business und „Szene" mittlerweile seinen eigenen Stempel auf - und nicht umgekehrt. Wenn die beiden Vorgänger „Dimension Hatröss" und „Nothingface" waren, ist „Magma" nun „The Outer Limits" („Angel Rat" wird ignoriert): ein Komprimieren des in der Vergangenheit Erarbeiteten aus Thrash-, Death-, Prog- und Modern Metal zu einem noch konzentrierteren Signature-Sound, der nicht weniger kompromisslos oder „kommerzieller" ist als das Bisherige, der aber tatsächlich mehr Raum lässt für „Nachvollziehbares", das nicht nur Die-hard-Musikhörer mit Plattensammlungen groß wie Warenhäuser mitnimmt. Interessant ist dabei nicht nur, dass GOJIRA mehr denn je dieselben Pink-Floyd-Alben wie - und noch mal - Voivod bevorzugen (in erster Linie der Titelsong und ´Low Lands´ zeugen davon), sondern auch, dass die groovigsten Tracks hier gleichzeitig die melodischsten sind: Das betrifft das durchaus schnelle ´Silvera´, vor allem aber das übermächtige ´Stranded´, das in der Live-Situation für komplette Eskalation sorgen dürfte. Der beinahe doomige Opener ´The Shooting Star´ und das abschließende Akustik-Instrumental ´Liberation´ (Letzteres nicht ganz so stark wie die kurze Cliff-Burton- und ´Iron Man´-Hommage ´Yellow Stone´) dienen hier als Klammer für 34 weitere Minuten, von denen jede einzelne ein absoluter Hochgenuss ist - und zwar für Herz UND Hirn. DISKOGRAFIE (Studioalben) Terra Incognita (2001) The Link (2003) From Mars To Sirius (2005) The Way Of All Flesh (2008) L´Enfant Sauvage (2012) Magma (2016) LINE-UP Joe Duplantier (v./g.) Christian Andreu (g.) Jean-Michel Labadie (b.) Mario Duplantier (dr.) DIE PATEN Wer die folgenden Acts mag, wird auch bei „Magma" durchdrehen: Voivod * Vektor * Coroner * Obscura * Meshuggah * Textures * Lamb Of God * Sepultura * King Crimson * Pink Floyd * Pantera * Gorguts * Metallica * Death * Atheist

REVIEW 9.0 27.06.2012

(Dynamit, RH 302, 2012)

GOJIRA - L´Enfant Sauvage

Roadrunner/Warner (52:47) Nein, GOJIRA gehören wirklich nicht zu den beinahe unzähligen Acts, bei denen man immer wieder auf die Frühwerke zurückgreifen will, ganz im Gegenteil: Diese Band wird immer besser, und mittlerweile ist sie beängstigend gut. Auf ihrem fünften vollen Album besteigen die Franzosen endgültig den Thron, und wem Voivod - die Combo, die früher das war, was GOJIRA heute sind - spätestens seit „Negatron" ein bisschen zu sehr ohne wirkliches Ziel rumeiern, wird sich über diese Zepterübergabe auch keineswegs ärgern. Als was man GOJIRA dabei beschreibt, ist relativ nebensächlich: Althergebrachtes wie Prog, (Techno-)Thrash und Death Metal legieren, das Ergebnis ist moderner, anspruchsvoller Metal für Herz UND Hirn, diese Musik lässt einen vor der Bühne begeistert das Leben umarmen, sie bleibt aber auch unter dem Kopfhörer mehr als spannend und wirft dabei (unbequeme) Fragen auf. Dass die Band zudem technisch zu den großartigsten, versiertesten, beeindruckendsten weltweit zählt (es gibt z.B. nur sehr, sehr wenige Metal-Drummer, die Mario Duplantier das Wasser reichen können), verkommt fast schon zur Randnotiz, wenn man sich auf die Songs konzentriert: Vor allem der Titeltrack, ´The Axe´, ´Liquid Fire´ und ´The Gift Of Guilt´ sind mit ihrer Mischung aus absoluter Härte, unglaublichem Groove sowie gottgegebenen Melodien und Harmonien (diese Gitarren!) ohne jeden Zweifel die 2012er Messlatte nicht nur in ihrem Bereich. Das „Wolfskind" („L´Enfant Sauvage") kann ohne Zweifel sehr, sehr nett sein - aber es ist auch eine wilde, bissige, gar tollwütige Bestie, die Respekt einfordert.

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