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REVIEW 8.5 22.03.2017

(Album, RH 359, 2017)

DEEP PURPLE - inFinite

Wenn man sich vergegenwärtigt, dass Ian Gillan und Roger Glover mittlerweile 71 Jahre alt sind und selbst Bandküken Steve Morse letzten Juli seinen 62. Geburtstag feierte, kann man nur staunen über die geistige wie körperliche Frische, mit der DEEP PURPLE nach fünf Dekaden immer noch ebenso originelle wie anspruchsvolle Musik aus dem Hut zaubern. Ein so bissfestes, vielseitiges Album wie „inFinite“ bekommt heutzutage keine einzige andere Band aus der Ursuppe des Hardrock mehr auf die Kette - und die meisten jüngeren Acts auch nicht. Bereits im harten Opener ´Time For Bedlam´ mit seinem sakralen Sci-Fi-Touch brennt das Quintett ein Ideen-Feuerwerk ab, das bei anderen Acts für einen kompletten Longplayer reichen würde, im von grandiosen Gitarren- und Keyboard-Leads gekrönten Breitwandepos ´All I Got Is You´ jagt ebenfalls ein Musenkuss den nächsten, und die verschachtelten, atmosphärischen Wunderwerke ´The Surprising´ und ´Birds Of Prey´ brennen dem Hörer eine Dauergänsehaut auf den Pelz. Aber auch wenn die Filigrantechniker wie in ´Hip Boots´ oder ´One Night In Vegas´ vergleichsweise schnörkellos drauflosgrooven, verbreiten sie eine einzigartige Magie, die selbst nach 19 überwiegend ähnlich famosen Studiowerken nichts von ihrem mitreißenden Charme verloren hat. Jedes Riff ist handverlesen, jeder Beat elektrisierend, fast jede Gesangslinie eine Ohrenweide - live long and prosper, Purple!

REVIEW 22.02.2017

(DVD - Musik, RH 358, 2017)

DEEP PURPLE - California Jam 1974

(Earmusic/Edel) Alter Wein in neuen Schläuchen? Das könnte man so sehen. Aber: Wenn es einen Auftritt gibt, der das Attribut „legendär“ verdient, dann ist es sicherlich die Performance der damals noch sehr jungen Mark-III-Besetzung von DEEP PURPLE am 6. April 1974 auf dem Gelände des Ontario Motor Speedway vor rund 200.000 Zuschauern. Allein aus diesem Grunde verdient der Konzertfilm „California Jam 1974“ schon das royale Reissue-Treatment: Das Filmmaterial (Bildformat: NTSC 4:3, Audio: Dolby Digital 2.0) inklusive wohldosiert eingesetzten Split-Screen-Spielereien wurde nicht nur aufwendig restauriert, sondern auch mit einem neuen Schnitt von Stephan Lier versehen. Die Linernotes warten dank eines aktuellen Interviews mit Glenn Hughes mit der einen oder anderen unbekannteren Backstage-Schmonzette auf. Auf der Bühne laufen Purple zu absoluter Hochform auf. Blackmores Gitarren-Improvisationen bei ´Mistreated´ sind reinste Magie. Die damaligen Neuzugänge Coverdale und Hughes teilen sich nicht nur die Leadvocals, sondern auch die Ansagen brüderlich und harmonieren dabei tadellos. Am Ende, bei der ausufernden ´Space Truckin´´-Jam, zerkloppt der „Man In Black“ nicht eines, nicht zwei, sondern gleich drei seiner geliebten Saiteninstrumente – Nummer zwei landet dabei mit voller Wucht direkt in der Linse des ABC-Kameramannes – und ein paar Amps und Monitorboxen gleich mit. Die raumgreifende Regenbogen-Deko auf der Bühne des „California Jam“ soll Ritchie Blackmore übrigens der Sage nach später bei der Taufe seines „Soloprojekts“ inspiriert haben. Das kompakte Bonus-Segment der DVD besteht aus von der Crew auf Super 8 gefilmten Backstage-Impressionen.

REVIEW 21.10.2015

(DVD - Musik, RH 342, 2015)

DEEP PURPLE - From The Setting Sun... – In Wacken ...To The Rising Sun – In Tokyo

(EarMusic/Edel) Es gibt keine schwachen DEEP PURPLE-Shows, doch der Wacken-Gig 2013 gehört eindeutig zu den wenigen „nur guten“ Konzerten der ewig jungen britischen Hardrock-Legende. Die Band agiert für ihre Verhältnisse ein wenig verkrampft, optisch wird nullkommanix geboten – bei Tageslicht kann man sich eine Lichtshow natürlich auch schenken, aber hinter den Musikern hängt nicht mal ein Purple-Backdrop –, das nicht übermäßig enthusiastische Publikum ist klanglich wie räumlich weit weg, und der dünne, undifferenzierte Mix lässt die typische DEEP PURPLE-Magie nur ansatzweise rüberkommen. Das einzige wirkliche Ausrufezeichen des 95-minütigen Sets ist der Gastauftritt von Uli Jon Roth bei ´Smoke On The Water´. Die ein Dreivierteljahr später im Budokan in Tokio aufgezeichnete Show – beide sind jetzt in separaten Digipaks mit je einer DVD, zwei CDs und einem ansprechenden Foto-Booklet veröffentlicht worden – präsentiert die Band hingegen fast zwei Stunden lang so, wie die Fans sie kennen und lieben: Roger Glover und Ian Paice grooven, wie sonst niemand im Rockzirkus groovt, die bescheidenen Giganten Steve Morse und Don Airey (Letzterer traut sich mittlerweile, live so imposant in die Tasten zu hauen wie die frühen Wakeman und Emerson) spielen sich kongenial die Bälle zu, ein sichtlich entspannter Ian Gillan holt aus seinen Stimmbändern alles raus, was mit 70 Jahren noch rauszuholen ist, und die Licht- und Videoelemente runden das exzellent abgemischte Spektakel perfekt ab. Auf der Setlist stehen neben den üblichen Klassikern auch fünf Stücke des aktuellen Sahnealbums „Now What?!“, darunter die Wundertüten ´Vincent Price´, ´Above And Beyond´ und ´Après Vou´, was „...To The Rising Sun“ auch für Purple-Liebhaber interessant macht, die schon öchzig Live-Gigs ihrer Helden in ihrer Schatzkammer stehen haben. Die Wacken-Rutsche können hingegen auch Sammelwütige guten Gewissens ignorieren.

REVIEW 23.10.2013

(RH 318, 2013)

DEEP PURPLE - Perfect Strangers

Nach einer neunjährigen Pause, in der sich die Mitglieder der verschiedenen DEEP PURPLE-Besetzungen vor allem mit Rainbow, Whitesnake und Gillan, aber auch in kurzlebigeren anderen Projekten austobten, folgte 1984 das, was eh seit Mitte der Siebziger immer wieder im Raum stand: die Reunion der Herren Blackmore, Glover, Gillan, Lord und Paice. Die gigantischen Erwartungen der internationalen Szene wurden mit „Perfect Strangers“, einem der großen Eckpfeiler der DP-History, sogar übertroffen. Das lupenreine, von Roger Glover meisterhaft produzierte Sophisticated-Hardrock-Album war vom Opener 'Knocking At Your Back Door' bis zum abschließenden 'Not Responsible' ein Beweis dafür, dass immer noch eine besondere Magie in der Luft lag, wenn sich die fünf prominentesten Bandmitglieder in einem Studio trafen. Blackmore und Lord klangen inspiriert wie seit „Machine Head“ nicht mehr, und Ian Gillan legte die letzte Weltklasse-Gesangsleistung seiner Karriere hin. Es folgte eine ebenso umjubelte Welttournee, bevor sich besagte Magie wieder verabschiedete und nach dem enttäuschenden '87er Album „The House Of Blue Light“ die alten Grabenkämpfe zwischen Blackmore und Gillan das Bandgefüge erneut zerstörten. Glover, Lord und Paice schlugen sich diesmal auf Blackmores Seite (was sie bis heute bereuen), nahmen ein weiteres Album - das sehr Rainbow-lastige „Slaves And Masters“ - mit Joe Lynn Turner als Sänger auf, bevor sie Ian Gillan 1993 für „The Battle Rages On“ zurückholten. Das Ergebnis war ein gutes Album, dem allerdings der Zauber von „Perfect Strangers“ fehlte. Gillan und Blackmore stritten munter weiter, Blackmore warf das Handtuch, der Ex-Dixie-Dregs/Kansas-Gitarrist Steve Morse ersetzte ihn, und 1996 ging es mit „Purpendicular“ (siehe „Geheimtipps“) weiter. Seitdem gehören die ständigen bandinternen Turbulenzen der Vergangenheit an, was DEEP PURPLE scheinbar dazu ermutigt, immer wieder aufs Neue für Michael Rensen auf Tour zu gehen.

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