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REVIEW 8.5 20.04.2005

(Album des Monats, RH 216, 2005)

CANDLEMASS - Candlemass

(58:33) Eure schnieken Heimaltäre dürfen freigeräumt werden: die leeren Bierflaschen bitte in die Kiste, die Kippen in den Müll, die Pornosammlung unter die Matratze. Die nächste Kerzenmesse steht an, und wer sich weigert, fleißig mitzusingen und den Messias zu preisen, muss ohne Abendbrothostie ins Bett. „Candlemass", die erste Scheibe der Band mit Frontstampfer Messiah Marcolin seit dem 1990er On-Stage-Doppeldecker „Live", ist das wohl am sehnsüchtigsten erwartete Comeback des Jahres, und bereits nach dem überraschend schnellen Power-Metal-Opener ´Black Dwarf´, der auch auf dem unterbewerteten „Chapter VI"-Rundling hätte stehen können, ist Entwarnung angesagt: Die Epic-Doom-Legende CANDLEMASS hat nichts verlernt und ihren urtypischen Achtziger-Sound mit leichten Modifizierungen im Gitarrenbereich ins nicht mehr ganz so neue Jahrtausend gerettet. Klar, für die überirdische Klasse von „Ancient Dreams" und vor allem „Nightfall" fehlen der toll produzierten Scheiblette etwas die ganz großen, nie mehr aus dem Hirn verschwindenden Hooks - lediglich das überragende ´Seven Silver Keys´ ist ein Über-Classic. Mit dem dritten Marcolin-Output „Tales Of Creation" kann sich „Candlemass" aber durchaus messen lassen. Wer also jetzt, Ende April, Anfang Mai, schon wieder sehnsüchtig auf den fiesen Herbst wartet und gute Laune eh für ´ne saublöde Erfindung hält, sollte sowieso schleunigst Stappert-like in den nächsten CD-Shop doomen und diese supergeile Stunde Musik verhaften. Und wer das Ganze nicht so eng sieht und zwischen zwei auf sich warten lassenden Snare-Schlägen auch schon mal genre ´ne Runde grinst oder sogar lacht, darf natürlich ebenfalls zuschlagen. Muss ja keiner erfahren... Line-up Messiah Marcolin (v.) Mats Björkman (g.) Leif Edling (b.) Lars Johansson (g.) Jan Lind (dr.) DISCOGRAFIE Epicus Doomicus Metallicus (1986) Nightfall (1987) Ancient Dreams (1988) Tales Of Creation (1989) Live (Live, 1990) Chapter VI (1992) Sigge Fürst (Single, 1993) As It Is, As It Was (Best-of, 1994) Dactylis Glomerata (1998) From The 13th Sun (1999) Diamonds Of Doom (Compilation, Vinyl only, 2003) Doomed For Live - Reunion 2002 (Live, 2004) Essential Doom (Compilation, 2004) Candlemass (2005) Die Paten Wer „Candlemass" mag, dürfte auch an den folgenden Bands Gefallen finden: Solitude Aeturnus * Beyond Twilight * Doomsword * Count Raven * Black Sabbath * Doomshine * Memento Mori * Trouble * Thunderstorm * Mirror Of Deception * Dio Das sagt Leif Edling zum aktuellen Album: »Wir fühlen uns von der Tatsche, dass unsere neue Scheibe zum „Album des Monats" im Rock Hard gekürt wurde, sehr geehrt. Es ist verdammt schwierig, ein Comeback-Album zu schreiben, und es ist ein noch härterer Job, die alten CANDLEMASS-Fans zufrieden zu stellen. Wenn die Fans - und die schwer zu begeisternden Jornalisten - diese Platte mögen, freue ich mich wie ein kleines Kind über Geschenke zu Weihnachten, und ich weiß, dass die anderen Bandmitglieder ähnlich fühlen. Die Platte repräsentiert die Essenz von CANDLEMASS: Sie ist hart, sie ist heavy - sie ist Metal! Für mich ist sie der Beginn einer neuen Dekade des Doom Metal. Vielen Dank, dass ihr sie mit uns teilt!

REVIEW 19.03.2003

(DVD - Musik, RH 191, 2003)

CANDLEMASS - Documents Of Doom

(ca. 150 min.) Einen leckeren Doppel-Whopper hat uns die schwedische Doom-Legende da ins Nest gelegt. DVD numero eins ist für den Die-hard-Fan zwar unerheblich, da es sich um den Livemitschnitt aus dem "Fryshuset" von 1990 handelt, der seinerzeit bereits als Live-CD und Live-Video erschienen ist und kein nennenswertes Extramaterial enthält. Haben die CANDLEMASS-Lunatics sowieso im Schrank, ist aber für Neueinsteiger sicher nicht uninteressant, da Bild- und Tonqualität völlig in Ordnung gehen. Die zweite Disc hingegen ist mit zahllosen Leckerlis vollgepackt. Hier gibt´s jede Menge private Videoaufnahmen aus dem Bandarchiv zu sehen, wobei der Schwerpunkt auf der Zeit nach der Reunion liegt. Glücklicherweise hat man das schwedische Gelaber der Jungs mit englischen Untertiteln versehen, so dass die Jokes für jedermann verständlich sind. Dazu gibt´s Handycam-Mitschnitte von den letztjährigen Auftritten auf den Sweden-Rock-, Bang-Your-Head- und Wacken-Open-Airs, Live-Schnipsel aus Oslo, London und Griechenland (die Fans dort sind echt der Hammer!) und Aufnahmen von der ersten gemeinsamen Bandprobe nach dem Split. Doch damit nicht genug: Die zweite Hälfte der DVD bietet noch jede Menge rare Aufnahmen aus den späten Achtzigern und frühen Neunziger, wie z. B. von einem Auftritt bei einer ganz schlechten schwedischen TV-Show mit höchst peinlichem Moderator, oder einen kleinen Ausschnitt vom allerersten CANDLEMASS-Gig aus dem Jahre 1987. Nicht zu vergessen die kleinen Einschübe von Tourneen rund um den Globus, wo man den guten Messiah stagediven sehen (die Menge fängt ihn sogar auf - die waren echt mutig!) oder Solitude Aeturnus dabei zuhören kann, wie sie ´Solitude´ live spielen. Und auch der unvergessene, viel zu früh verstorbene Atheist-Bassist Roger Patterson taucht hier auf - Ehre, wem Ehre gebührt. Kurzum: Eine wirklich unterhaltsame Sache!

REVIEW 8.0 29.04.1998

(Album, RH 132, 1998)

CANDLEMASS - Dactylis Glomerata

Mit den CANDLEMASS, die Ende der Achtziger mit "Epicus, Doomicus, Metallicus", "Nightfall", "Ancient Dreams" und "Tales Of Creation" vier absolute Doom Metal-Klassiker veröffentlichten, bevor sich die Combo nach dem Ausstieg von Frontmann Messiah Marcolin (nun Memento Mori) mit dem schwachen "Chapter VI"-Album ihr eigenes Grab schaufelte (sorry, Buffo, aber speziell diese Scheibe ist ein reichlich unterschätzter Klassiker... - mb), hat diese Formation nicht mehr viel gemein. So zählt mit dem ehemaligen Bandleader Leif Edling (b.) nur noch ein Mucker der Originalbesetzung zum aktuellen Line-up der Schweden, weshalb "Dactylis Glomerata" ursprünglich als Zweitwerk von Leifs Nachfolgeprojekt Abstrakt Algebra deklariert werden sollte. Daß die Scheibe nun doch mit dem Logo von CANDLEMASS versehen wurde, hat wohl primär was mit marketing- und promotiontechnischen Überlegungen und nur sekundär mit dem überraschend doomigen Charakter des Rundlings zu tun. Zumal man sich trotz des hohen Doom-Faktors nur höchst selten an alte CANDLEMASS-Zeiten erinnert fühlt. Dafür fehlt der Stimme von Sänger Björn Flodqvist das theatralische Element, das die Vocals von Messiah seit jeher auszeichnet. Aber auch in puncto Sound unterscheidet sich "Dactylis Glomerata" ganz entschieden von Scheiben wie "Nightfall" oder "Tales Of Creation", die besonders durch ihre hymnenhaften, epischen Arrangements glänzten. So klingt die Band anno '98 phasenweise ziemlich abgefahren und spacig ('Dustflow', 'Abstrakt Sun', 'Apathy', Lidocain God'), was sicher bis zu einem gewissen Grad auch an dem ehemaligen Carcass-Riffmaster Mike Amott (Spiritual Beggars & Arch Enemy) liegt, der Mr.Edling im Studio tatkräftig unter die Arme griff, während die restlichen Tracks ein wenig an klassischen Doom ('Wiz', 'I Still See Black', 'Karthago') der Marke Vitus, Obsessed & Co. erinnern. Anspieltips: der straighte Uptempo-Doomer 'Wiz', das tonnenschwere 'I Still See Black' und die monumentale, ein wenig an David Bowie (!) erinnernde Spacerock-Ballade 'Dustflow', die es auf eine Spielzeit von mehr als neun Minuten bringt.

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