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REVIEW 8.0 29.08.2018

(Album, RH 376, 2018)

SINSAENUM - Repulsion For Humanity

PLUS-MINUS „Keine kommerziellen Kompromisse“ versprach Dragonforce-Bassist Frédéric Leclercq im Vorfeld der „Repulsion For Humanity“-Veröffentlichung. Der Mann soll Recht behalten. Zusammen mit Joey Jordison (Vimic/ex-Slipknot), Stéphane Buriez (Loudblast), Heimoth (Seth) und den Frontern Sean Zatorsky (Dååth, Chimaira) und Attila Csihar (Mayhem) lebt Leclercq bei SINSAENUM seine Death-Metal-Leidenschaft aus. Auch das Zweitwerk ist von der Deicide-Vorliebe von Leclercq und Jordison geprägt, lässt aber mehr Platz für Stil-Variationen und -Experimente als das Debüt „Echoes Of The Tortured“. ´Final Resolve´ kommt nicht nur mit einem melodischen Solo daher, das auf „Symbolic“ von Death stehen könnte, sondern integriert zusätzlich das Ölfass-Geklöppel der von Sepultura bekannten Percussion-Truppe Tambours Du Bronx. ´I Stand Alone´ klingt hingegen, als hätten Chimaira einen Pantera-Song in die Mangel genommen, während ´Manifestation Of Ignorance´ nach der dritten Minute überraschend von Doom in Hochgeschwindigkeit wechselt. Auf die nervigen Zwischenspiele des Debüts hat man hingegen verzichtet, dafür gibt es in ´Forsaken´ ein paar Orchester-Samples zu hören. „Repulsion For Humanity“ ist ein ausgeklügeltes, variables, aber dennoch brutales Death-Metal-Werk, das sowohl Old-School-Heads als auch Fans der neuen Schule ansprechen dürfte. Ronny Bittner 8 Schon die vorangegangene EP war nach dem richtig guten SINSAENUM-Debüt nicht der wahre Jakob, und dieser Trend setzt sich nun fort. Was Ronny als Experimentierfreude erkennt, kann man auch Stückwerk auf dem Globus verstreut lebender Musiker nennen, die jeweils für sich coole Ideen haben, diese aber ums Verrecken nicht mehr stimmig zusammenfügen können. Gemeinsam zu proben und Konzerte zu geben, würde helfen, doch bis das mal passiert (falls überhaupt jemals), wird die Band keine solche, sondern bleibt ein typisches Projekt mit allen Kinderkrankheiten eines solchen. Bis ihr Label einen Schlussstrich zieht, ist es nur eine Frage der Zeit. Als Erzeugnis gestandener Szenegrößen sticht das Material zwar immer noch viel Artverwandtes aus, berührt aber nicht im Geringsten. Andreas Schiffmann 6

REVIEW 7.5 25.07.2018

(Album, RH 375, 2018)

WE ARE SENTINELS - We Are Sentinels

Die gute Nachricht: Matt Barlows Stimme erstrahlt bei WE ARE SENTINELS genauso mächtig wie zu besten Iced-Earth-Zeiten. Die schlechte Nachricht: Mit Metal hat „We Are Sentinels“ rein gar nichts zu tun. Pyramaze-Keyboarder Jonah Weingarten legt auf dem Debüt einen Piano-Teppich mit dezenten Orchesterklängen aus, der gänzlich auf eine Metal-Instrumentierung verzichtet. Als Inspirationsquellen nennt Weingarten u.a. Hans Zimmer, Enya und Apocalyptica, und dementsprechend klingt das Material sehr flächig und Soundtrack-artig, verlässt dabei aber nur selten die im Pop und Rock etablierten Songwriting-Muster. Wer Matts schmachtenden Gesang bei den Iced-Earth-Balladen mochte, sollte dringend in „We Are Sentinels“ reinhören. Allen anderen sei gesagt, dass der Löwe lediglich in ´Life, Death, Rebirth´ und ´Battle In Winter´ vereinzelt brüllt und das Album auf Dauer etwas Dynamik vermissen lässt. Das Dio-Cover ´Holy Diver´ ist demnach die schmissigste Nummer. Ronny Bittner 7 Guter Cop, böser Flop: Gottes durch 9/11 vom Metal-Saulus zum Polenten-Paulus geläuterte Stimme und ein Möchtegern-Moroder (den mit Hans Zimmer zu vergleichen, nur weil er Synthesizer bedienen kann, so dreist ist, als würde sich dieser Schreiber nur seiner Schreibe wegen Schriftsteller nennen) sind WE ARE SENTINELS, Wächter des schlechten Geschmacks. Matt „has set his own“ Barlow bittet mit Jonah „nur die Zarten kommen in den“ Weingarten zu Keksdosen-Klassik und Wintertee, denn die Welt ist kalt und gemein, vor allem aus der Sicht des kleinen amerikanischen Mannes. Zwei davon machen hier aus ihrer Paranoia Pathos und flüchten sich genauso in Scheinwelten wie jeder, der mit seiner Jugendfreundin ´I Died For You´ hörte und ihr nun diesen Schwulst vorsetzt, um alte Liebe aufzuwärmen. Dios Hologramm ist genauso künstlich, dürfte wegen ´Holy Diver´ aber trotzdem vor Zorn flackern. Andreas Schiffmann 4,5 (PLUS-MINUS)

REVIEW 7.5 25.07.2018

(Album, RH 375, 2018)

HALESTORM - Vicious

HALESTORM sind eigentlich immer dann am besten, wenn sie ihren Power-Rock mit Arena-Refrains, Pop-Appeal und Metal-Riffing ausstaffieren, während Lzzy Hale einen schicken Spagat zwischen Rock-Röhre und sexy Pop-Sternchen hinlegt. Wo sich das letzte Studioalbum „Into The Wild Life“ leider auf die Pop-Einflüsse der Band fokussierte, rückt „Vicious“ wieder einiges gerade. In der Summe ist der vierte Longplayer gar die härteste Scheibe der Band geworden. Die schmissige Single ´Uncomfortable´ bewegt sich auf den Spuren des Megahits ´Love Bites (So Do I)´, während ´Skulls´ so klingt, als hätte man Britney-Spears-Pop ins Metal-Genre hinübergerettet. ´Do Not Disturb´ besticht mit einer Unanständigkeit, die an The Pretty Reckless erinnert, während bei ´Conflicted´ einige coole Hole-Einflüsse zum Tragen kommen. Zusammen mit ´Buzz´ und ´Black Vultures´ ergibt das eine sehr stimmige A-Seite, deren Niveau die Band auf der B-Seite jedoch nicht halten kann, weil man hier kompositorisch leider etwas ins Beliebige abdriftet. Die stilistische Stoßrichtung stimmt aber diesmal, was sich auch darin zeigt, dass nur im abschließenden ´The Silence´ in den Schmusemodus geschaltet wird. Ronny Bittner 7,5 Nichts Neues aus der Materialforschung: Der Werkstoff HALESTORM bleibt Kunststoff mit Stahlglanz für Verkleidungen, akustischer Metallschaum zum Aufstylen grauer Alltage, authentisch wie die ab Werk zerfetzte Jeans von H&M und redundant wie AC/DC-Shirts von Aldi. „Vicious“ ist ein Baukastensystem mit Weichspüler, Wasserenthärter und Schonwaschmittel, also in keiner Weise dreckig im Sinne des Anrüchigen. Pop, Pop, Pop, schreibt Ronny gleich dreimal, aber Pose, Pseudo und Popozeigen statt -treten passen besser. Die belanglose Musik der Band, deren Erfolgsstrategie scheinbar auf Britney Spears´ Cover von ´I Love Rock´n´Roll´ beruht, damit sich Lzzy ein „i“ für ihren Namen leisten kann, wirkt weiterhin ebenso frech kalkuliert wie versiert umgesetzt - glatter als Teflon und eine bloße Oberfläche, an der man sich stoßen mag, aber nicht wehtun kann. Andreas Schiffmann 5,5 (PLUS-MINUS)

REVIEW 8.0 27.06.2018

(Album, RH 374, 2018)

DORIAN SORRIAUX - Hungry Ghost

Mit „Hungry Ghost“ traut sich der schüchterne DORIAN SORRIAUX aus seiner Komfortzone als gefeierter Blues- und Hardrock-Gitarrist von Blues Pills. Auf den vier Tracks seiner Debüt-Solo-EP, die komplett ohne elektrische Verzerrung auskommt, lebt Dorian seine Vorliebe für düstere, psychedelische Folk-Musik aus und zeigt, dass er auch als Singer-Songwriter keine schlechte Figur macht und sich textlich mit düsteren Themen (´Hungry Ghost´ behandelt die menschliche Gier nach mehr) auseinanderzusetzen vermag. Man darf auf das Debütalbum gespannt sein! 3 Fragen an Dorian Sorriaux: Dorian, du wirst für deine E-Gitarren-Künste geschätzt. War es eine große Umstellung für dich, auf „Hungry Ghost“ Akustikgitarre zu spielen und auch noch zu singen? »Nein, das ging mir recht leicht von der Hand, weil ich schon seit meinen Teenager-Tagen Folk-Musik höre und langsam damit anfing, Songs auf der Akustikgitarre zu schreiben. Aber es ist mit dem Finger-Picking und den verschiedenen Stimmungen schon eine andere Art des Gitarrespielens, mit der ich mich vor einem Jahr näher auseinandersetzte. Es fühlt sich also immer noch neu und frisch an, auch wenn es eine natürliche Entwicklung war. Das Gleiche gilt für das Singen. Ich stand vorher noch nie singend mit einer Akustikgitarre auf einer Bühne, aber es bereitet mir sehr viel Spaß.« Wirst du in Zukunft weiterhin als Solokünstler Musik veröffentlichen? »Ja, das ist mein Plan. Ich habe ein komplettes Album geschrieben und genieße es, mein Material live zu spielen. Meine Solo-Songs geben mir eine neue Perspektive auf die Musik von Blues Pills, und so kann ich noch mehr schätzen, was wir geschaffen haben.« Wird der Stil von „Hungry Ghost“ einen Einfluss auf das Songwriting von Blues Pills haben? »Ich denke nicht, dass das eine große Rolle spielen wird, denn „Hungry Ghost“ ist von vorne bis hinten mein Ding, während Blues Pills eher eine Kollaboration von vier Musikern mit Elin (Larsson, BP-Sängerin - rb) und Zack (Anderson, BP-Bassist - rb) als Hauptsongwriter darstellen. Aber ich denke, dass ich über das letzte Jahr als Komponist selbstbewusster geworden bin, wodurch ich mich in Zukunft bestimmt besser ausdrücken kann, wenn wir mit der Band an neuen Songs arbeiten. Das muss aber nicht heißen, dass das nächste Blues-Pills-Album in die Richtung von „Hungry Ghost“ gehen wird. Ich vermute, dass es im Vergleich zum letzten Longplayer eine rauere, aufs Nötigste reduzierte Produktion geben wird. Stilistisch wird sich das Material wahrscheinlich irgendwo zwischen „Lady In Gold“ und dem Debüt bewegen, versehen mit einigen neuen Inspirationen.«

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