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REVIEW 25.10.2017

(DVD - Musik, RH 366, 2017)

BLUES PILLS - Lady In Gold - Live In Paris

Diese auf DVD und Doppel-CD festgehaltene Show aus Paris stammt vom gleichen Tour-Zyklus wie die letztjährige Rock-Hard-Festival-Show. Wir erinnern uns: Es gab Stimmen, die BLUES PILLS seien keine würdigen Headliner und überhaupt „´ne öde Blues-Band, die auf einem Metal-Festival nichts zu suchen hat“. Ja, „kompetente“ Meinungen auf Facebook sind ein Kapitel für sich. Wer vor Ort war, konnte erleben, wie der Fünfer Hardrock-Vollgas gab, und das nicht zu knapp. Frontfrau Elin Larsson schrie sich die Seele aus dem Leib, Drummer André Kvarnström knüppelte mit jugendlicher Frische durch den Set, und mit der Hinzunahme von Keyboarder/Gitarrist Rickard Nygren sind die BLUES PILLS nun wirklich ganz schön laut. Vor allem bewahrheitet sich, dass die Songs von ihrem nicht allzu doll klingenden Zweitwerk (´Little Boy Preacher´, ´Won´t Go Back´, ´Elements And Things´) im Live-Kontext mächtig abgehen. Wie gewohnt klingt alles energetischer und facettenreicher, beim Debüt war es nicht viel anders. Die BLUES PILLS sind eine fantastische Liveband, die noch die Improvisationskunst beherrscht und vielleicht wirklich einmal das Format haben wird, den großen klassischen Bands der Siebziger nachzufolgen. Das Talent ist da, die Songs kommen Album für Album. Einziger Kritikpunkt: Man sollte dem Publikum mal ein bisschen mehr Zeit zum Luftholen lassen. Es ist zwar das gute Recht von Mittzwanzigern, alles in Grund und Boden zu rocken, aber ein paar Pausen hätten dem Set – insbesondere in der ersten Hälfte – gut getan. Schon beginnt man die Zeiten zu vermissen, in denen das Gitarrenwunderkind Dorian Sorriaux schüchtern im Alleingang die Massen verzauberte oder die Stimme von Elin genügte, um gestandene Kerle zu Tränen zu rühren. Erst im Zugabenblock, wenn Elin alleine am Keyboard ´I Felt A Change´ singt, spielt man diese Trümpfe auch mal konsequent aus. Die BLUES PILLS tun gut daran, sich diese Magie nicht von der eigenen Soundwand zertrümmern zu lassen, nur um dem Durchschnittsfan zu gefallen. Ansonsten gibt es an der DVD wenig zu meckern, Sound (weniger) und Bild (mehr) entsprechen heutigen Standards. Ein mitreißendes Dokument einer Band, die zweifelsohne auf dem Weg nach ganz oben ist.

REVIEW 9.0 27.07.2016

(Album des Monats, RH 351, 2016)

BLUES PILLS - Lady In Gold

Nuclear Blast/Warner (40:09) Das Genörgel zuerst, bevor die Kritik zu diesem Klassealbum noch mit einem negativen Unterton endet? Okay, here we go: Der Sound des zweiten BLUES PILLS-Drehers, für den wie beim Debüt Don Alsterberg (u.a. auch Graveyard und Horisont) verantwortlich zeichnet, wird dem großen Ganzen nicht gerecht - was weniger an der leicht „muffigen" Produktion liegt, die die Band sicherlich so haben wollte und ihr auch steht, sondern vor allem am leider missratenen Mix (und Mastering?), der nicht nur Dorian Sorriaux´ Wundergitarre zu weit in den Hintergrund rückt, sondern die Platte auch komprimierter klingen lässt als so manche Metalcore-Wand. Dass unter diesem Review dennoch eine Neun steht, heißt also, dass man sich ansonsten gerne im Minutentakt verbeugen möchte, denn die schwedisch-amerikanisch-französische Allianz hält sämtlichem Druck stand und stellt ihrem sowohl künstlerisch als auch kommerziell unfassbar erfolgreichen Erstling einen ebenbürtigen Nachfolger an die Seite, bei dem einige Supporter der ersten Stunde die harscheren, mittlerweile keine bestimmende Rolle mehr spielenden Blues-Schemata sicherlich vermissen werden, dessen souligere Herangehensweise aber noch mehr Platz lässt für zwar stets unaufdringliche, aber gerade deshalb äußerst nachhaltige Hooklines, denen sich Elin Larsson mit bewundernswerter Leidenschaft widmet. Die etwas generischere B-Seite ist inklusive des einfallsreichen Tony-Joe-White-Covers ´Elements And Things´ vom etwas kruden ´Bad Talkers´ abgesehen superunterhaltsam, als schlicht überragend präsentieren sich die BLUES PILLS allerdings auf der A-Seite: ´Lady In Gold´, ´Little Boy Preacher´ und ´Burned Out´ sind ein Vorfreude auf die nächsten Konzerte aufkommen lassender Einstieg nach Maß (Hit-Garantie!), der sanfte Abschluss mit dem mutig arrangierten ´Gone So Long´ und vor allem der Piano/Keyboard-Ballade ´I Felt A Change´, vielleicht Larssons bisher bester Leistung auf Platte, der süchtig machende Höhepunkt. Emotional, aber nicht kitschig, selbstbewusst, aber nicht prätentiös, den Traditionen verpflichtet, aber nicht rückwärtsgewandt: „Lady In Gold" ist - dieses Kreisklasse-Wortspiel sei mir bei diesem Champions-League-Album gestattet - einfach Gold wert. DISKOGRAFIE Black Smoke (7", 2012) Bliss (EP, 2012) Devil Man (EP, 2013) Live At Rockpalast (EP, 2014) Blues Pills (2014) Blues Pills Live (2015) Lady In Gold (2016) LINE-UP Elin Larsson (v.) Dorian Sorriaux (g.) Zack Anderson (b.) André Kvarnström (dr.) DIE PATEN Wer die folgenden Acts mag, wird auch bei „Lady In Gold" durchdrehen: Frumpy * Graveyard * Horisont * Rival Sons * Zodiac * Scorpion Child * Kadavar * The Vintage Caravan * The Temperance Movement * Samsara Blues Experiment * The Tower * Janis Joplin * Led Zeppelin * Orchid * Witchcraft * Free * Bad Company

REVIEW 9.0 23.07.2014

(Album des Monats, RH 327, 2014)

BLUES PILLS - Blues Pills

Nuclear Blast/Warner (42:46) „Bei BLUES PILLS bin ich mir nicht sicher, ob die Musik mit hässlicher Sängerin noch genauso gut wäre", schrieb mir vor ein paar Wochen ein hochgeschätzter Kollege (er heißt Jan Wigger), aber ein einziger Durchlauf des Debütalbums, das nun ENDLICH vorliegt, genügt, um alle Zweifel zu zerstreuen. Machen wir uns nichts vor: Es ist schwierig, bei dieser Band die sehr natürliche und gerade deswegen umwerfende Optik von Elin Larsson außen vor zu lassen - aber das Aussehen steht wohl selbst bei den größten Machos nie im Mittelpunkt. Was staunen lässt, ist das Selbstbewusstsein der jungen Schwedin, ihre eigene Art, die Errungenschaften der Großen aus Rock, Blues und Soul anzunehmen und daraus - schon jetzt - einen eigenen Ausdruck zu kreieren, der in den harten, kurz vor dem Überschlagen stehenden Momenten ähnlich beeindruckend anmutet wie in den ruhigen, nachdenklichen, vielleicht noch schwierigeren Passagen. Ob das wirklich einen Vergleich mit Janis Joplin zulässt, wie er oft zu lesen ist: geschenkt. Mich erinnert Elins Herangehensweise sowieso mehr an die der zu ihren Hochzeiten unglaublich guten Inga Rumpf, ihres Zeichens u.a. Frontfrau von Frumpy, deren vier Siebziger-Alben für Genrefans unverzichtbar sind. Aber „Blues Pills" offeriert noch viel mehr als Larssons Gesang: Alleine der offene, geschmackvolle Gitarrensound des französischen Wunderknaben Dorian Sorriaux, der gerade sein Abi macht, ist das Geld wert, und dann haben wir noch nicht über die Songs gesprochen. Wenn man feststellt, dass das an neunter Stelle platzierte ´Gypsy´, ein Chubby-Checker-Cover, eher verzichtbar wirkt, ist das keine Kritik, sondern es zeigt, wie umwerfend der komplette Rest ist. Von den energetischen Stücken (und wir reden hier in der Tat von HARDrock!) stellt das bereits jedem bekannte ´Devil Man´ nicht mal den Fixpunkt dar, denn der Opener ´High Class Woman´ wird sich als noch langlebiger entpuppen, und ´Ain´t No Change´ (hört es LAUT!) hat die beste Hookline der bisherigen (zugegebenermaßen noch überschaubaren) Bandgeschichte. Die zurückhaltenderen Songs, die von alten Seelen in jungen Körpern künden, gehen dagegen sehr zu Herzen: ´River´, ´No Hope Left For Me´ oder ´Astralplane´ sind mehr als „nur" gelungene, nun ja, Balladen, es sind Talentproben, nein: Meisterbriefe, die diese Band auch im Mainstream richtig, richtig erfolgreich machen könnten. „It´s better to burn out than to fade away"? Vielleicht. Noch größer wäre es allerdings, einer ganzen Szene dauerhaft Licht zu spenden. Eine Mammutaufgabe liegt vor euch, BLUES PILLS! DISKOGRAFIE Bliss (EP, 2012) Black Smoke (Single, 2012) Devil Man (EP, 2013) Live At Rockpalast (Live-EP, 2014) Blues Pills (2014) LINE-UP Elin Larsson (v.) Dorian Sorriaux (g.) Zack Anderson (b.) Cory Berry (dr.) DIE PATEN Ihr solltet „Blues Pills" anchecken, wenn ihr auf folgende Bands steht: Frumpy * Graveyard * Horisont * Rival Sons * Zodiac * Scorpion Child * Kadavar * The Vintage Caravan * The Temperance Movement * Samsara Blues Experiment * The Tower * Janis Joplin * Led Zeppelin * Orchid * Witchcraft * Free * Bad Company

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