Suche

Durch das Setzen eines Bandnamens in Anführungszeichen sind detailliertere Ergebnisse möglich.

REVIEW 20.04.2005

(Album, RH 216, 2005)

BÖHSE ONKELZ - Live in Hamburg

(150:48) Nicht nur die Verpackung von „Live in Hamburg“ („achtseitiges“ Digipack, zwei Booklets mit je 20 Seiten und weiteren Gimmicks) überzeugt: Auch der Mitschnitt des Abschlusskonzerts der „La Ultima“-Tour wird höchsten Ansprüchen gerecht. Auf zwei randvoll gepackten Silberlingen - aus Platzgründen sind einige Ansagen und Publikumsreaktionen dem finalen Schnitt zum Opfer gefallen - gibt´s einen gelungenen Querschnitt durch die mit Highlights gespickte Onkelz-Discografie. Vom brutalen Opener ´Hier sind die Onkelz´ bis hin zum letzten Song ´Ihr hättet es wissen müssen´ und den Outro-Klängen von ´A.D.I.O.Z.´ bietet das hervorragend produzierte und echtes (!) Live-Feeling versprühende Doppelalbum eine emotionale Achterbahnfahrt, die dem Hörer vor der heimischen Stereoanlage wahlweise Gänsehaut oder eine Träne im Knopfloch bescheren dürfte. Deswegen geht „Live in Hamburg“ als der bisher vielleicht beste Output der Frankfurter über die Ziellinie. Ganz sicher aber beweist er, was hunderttausenden Fans schon seit langem klar war: Die Onkelz sind die beste und vor allem authentischste Rock´n´Roll-Band, die Deutschland bisher hervorgebracht hat. Dass sie selbst am Ende ihrer Karriere noch gegen die Borniertheit einiger Moralapostel ankämpfen (das ursprüngliche Konzert-Intro wurde von den Urhebern für das Album nicht freigegeben und musste durch eine neu eingespielte, abgewandelte Version ersetzt werden), ist da nicht mehr als eine Fußnote der Geschichte. Manche lernen´s eben nie...

REVIEW 8.5 18.08.2004

(Album, RH 208, 2004)

BÖHSE ONKELZ - Adios

(57:04 & Bonus-DVD) In allerletzter MInute erreichte uns das neue ONKELZ-Album - zu spät leider, um es noch in die „Richterskala“ nehmen zu können. Dabei hätten die Frankfurter diesmal richtig gute Chancen gehabt, weit vorne zu landen, denn „Adios“ ist nicht nur der erwartet runde Abschied der Herren von der Studio-Welt, sondern darüber hinaus das musikalisch reifste ONKELZ-Album überhaupt geworden. Weitestgehend reduziert auf Gitarre, Drums, Bass und Gesang, ist „Adios“ gleichermaßen Rückbesinnung auf das Wesentliche wie auch Blick nach vorne. Trotz der bodenständigen (guten) Produktion enthält die Scheibe auch deutliche Einflüsse „moderner“ Gitarrenrock-Bands, die normalerweise eher Herrn Himmelstein begeistern als mich. Die ONKELZ haben aber nicht den Fehler gemacht, zu weit über den Tellerrand hinaus zu blicken, sondern neue Einflüsse lediglich so weit integriert, dass der typische Bandsound - anders als noch bei „Dopamin“ - nicht verloren geht. So gibt es mit dem furiosen Opener ´Feuer´, dem Ohrwurm ´Superstar´, der ironischen Nazi-Abrechnung ´Hass-tler´, dem etwas an the Knack (´My Sharona´) erinnernden ´Immer auf der Suche´ oder dem Uptempo-Rocker ´Fang mich´ genügend ONKELZ-typische Hits - andererseits aber auch melancholischere, groovigere oder experimentellere Momente. Auffällig ist, wie sehr sich die Band - allen voran Drummer Pe und Basser Stephan - spieltechnisch verbessert hat, ohne dabei ihren Gossen-Charme zu verlieren. Kevins Stimme klingt halt, auch wenn sie melodischer eingesetzt wird, immer dreckig, fies und vor allem authentisch. Um „Adios“ als Gesamtkunstwerk präsentieren zu können (s.a. die Erklärungen zum Artwork in unserer Juli-Titelstory), wurde noch eine Bonus-DVD mit Interviews, Making-of-Sequenzen, einem Videoclip zur Single ´Onkelz vs. Jesus´ sowie einem 5.1-Mix des gesamten Albums mit Animationen dazugepackt. Klasse!

REVIEW 8.0 22.05.2002

(Album, RH 181, 2002)

BÖHSE ONKELZ - Dopamin

Das Wichtigste vorweg: „Dopamin“ wird polarisieren wie kaum ein ONKELZ-Album zuvor. Und diesmal dürften nicht - wie bei früheren Diskussionen - die Texte der Frankfurter im Mittelpunkt stehen, sondern die musikalische Ausrichtung des mittlerweile 15. Studioalbums der Bandgeschichte. Weidner und Co. hätten es sich leicht machen, zum x-ten Mal ihren ureigenen erfolgreichen Sound kopieren können - dass man stattdessen einen Schritt weitergeht und mit manchen Songs stilistisches Neuland betritt, verdient Respekt. Zumal die „typischen“ ONKELZ-Trademarks natürlich immer noch vorhanden sind, nur weitaus subtiler als auf den Vorgängerscheiben zum Einsatz kommen. Wie die erste Singleauskoppelung ´Keine Amnestie für MTV´bereits angedeutet hat, ist das Songmaterial diesmal um einiges melodischer ausgefallen, aber trotzdem redet die Band Klartext, kotzt sich über die politische Lage aus (´Macht für den, der sie nicht will´), prangert den Sextourismus in Städten der Dritten Welt an (´Wie kann das sein´), schreckt aber auch vor einem augenzwinkernden Text wie ´Die Firma´ nicht zurück. Anno 2002 haben es die BÖHSEN ONKELZ nicht mehr nötig, sich in Pathos und Selbstmitleid zu suhlen, stattdessen kommt verstärkt eine gehörige Portion (Selbst)Ironie zum Vorschein, die ein für alle Male beweist, dass die Band über die letzten Jahre enorm gereift ist. Und wenn die Stimmungswelt im Lot ist, wirkt sich das natürlich auch auf das Songmaterial aus: Kevins melodischer Gesang ist auch darauf zurückzuführen, dass man den einen oder anderen musikalischen Schlenker wagt, ihm aber genügend Freiraum für schlüssige Melodien gelassen hat und nicht jedes Soundloch gnadenlos zuhämmert. Aus diesem Grund geht „Dopamin“ problemlos als bisher reifstes Album der ONKELZ-Discographie über die Ziellinie und versteht es zudem, neue Akzente zu setzen. Ein unbeschwert rockender Song wie ´Ich weiß, wo du wohnst´ oder die witzig-melancholische Nummer ´Nur wenn ich besoffen bin´ machen einfach gute Laune und sind der perfekte Sommer-Soundtrack. Wer jetzt was von zu wenig Härte und zu wenig Aggression faselt, hat die Band nicht verstanden und kann sich bis an sein Lebensende am Backkatalog der ONKELZ berauschen.

REVIEW 16.01.2002

(Album, RH 177, 2002)

BÖHSE ONKELZ - Best Of Box: Gestern war heute noch morgen/Tour 2000/20 Jahre - Live in Frankfurt

2001 war ein teures Jahr für die vielen Fans der Hessen. Neben der völlig überflüssigen "Buch der Erinnerung"-Compilation des alten ONKELZ-Labels Bellaphon hauten Weidner & Co. mit der Triple-Best-of "Gestern war heute noch morgen", der "Tour 2000"-DVD und der DVD/CD "20 Jahre - Live in Frankfurt" selber gleich drei Veröffentlichungen raus. Von Ausverkauf kann trotzdem keine Rede sein, wird mit dem vorliegenden, beidseitig abspielbaren Doppeldecker (wodurch auch Leute mit einem simplen CD-Player zumindest akustisch auf ihre Kosten kommen) doch selbstverständlich wieder geklotzt statt gekleckert. So wurde die aufgrund des schweren Autounfalls von Sänger Kevin Russell um ein knappes halbes Jahr verschobene Jubiläumsshow des Quartetts in der "guten Stube" Frankfurts, der Festhalle, mit einem gigantischen technischen Aufwand für die Ewigkeit festgehalten. Zwar enthalten die beiden Silberlinge "nur" 23 der am 3. März intonierten 31 Songs (u.a. fehlen 'Der nette Mann', 'Gehasst, verdammt, vergöttert' & 'Dunkler Ort'), doch wenn ich die Anweisungen zum ROM-Part der Zwillings-Scheibe richtig verstehe, kann man die Digital Video Discs mittels eines sogenannten DVDconnectors nach und nach aktualisieren, d.h. sich Extramaterial runterladen. Natürlich nur gesetzt den Fall, man nennt einen PC mit einem DVD-ROM-Laufwerk und einen Internetzugang sein Eigen... Fazit: Für Die-hard-Supporter der Combo ist dieses edel aufgemachte Teil, das es auf eine Spielzeit von einer Stunde und 43 Minuten (Film) respektive 1:39:31 (Musik) bringt, selbstverständlich Pflicht. Nicht ganz so fanatische Freunde und Sympathisanten der ONKELZ werden ihre sauer verdienten Kröten vermutlich lieber in das in Kürze erscheinende neue Studioalbum der Band und die vom Rock Hard präsentierte Tour im Mai/Juni investieren. Zumal 30 Euro und mehr kein Pappenstiel sind und keine Livekonserve der Welt den Besuch einer ONKELZ-Show ersetzen kann.

REVIEW 25.04.2001

(DVD - Musik, RH 168, 2001)

BÖHSE ONKELZ - Tour 2000

Nun ist er also im Kasten, der seit längerem angekündigte Tourfilm der BÖHSEN ONKELZ, der diese Bezeichnung völlig zu Recht trägt. Im Gegensatz zu regulären Live-Videos bietet dieser knapp zweistündige Streifen (DVD 1) einen ungewöhnlich intimen, hochinteressanten und oft witzigen Einblick in das (Tour-)Leben der vier Bandmitglieder, die in zahlreichen Interview-Sequenzen selbst zu Wort kommen. So erfährt man Wissenswertes über die Geschichte der ONKELZ, über die Philosophie hinter der Band und über die Produktion dieser Tour. Man beobachtet die Crew bei der Arbeit, lernt die wichtigsten Leute aus dem Bandumfeld kennen, erhält Einblick in den Security-Bereich - und ist gleichzeitig Konzertbesucher. Zwar umspannt der Film kein vollständiges ONKELZ-Konzert, dafür aber die meisten Highlights der 2000er Show. Cool auch die Tatsache, dass man der Tour-Vorband Suprasod ein kurzes Kapitel widmet und die Rocker-Problematik (ihr erinnert euch: Hells Angels trafen in Dortmund auf Bandidos) nicht ausklammert. Die zweite DVD enthält fünf weitere, seltener gespielte Songs (zum Teil auch mit Multi-Angle-Funktion) sowie den Video-Clip zu ´Dunkler Ort´ und das zugehörige Making-of als Bonus. Und der dritte Silberling (bzw. die Rückseite der zweiten DVD) schließlich ist eine knapp 80-minütige Audio-CD mit Live-Aufnahmen. Ich wüsste wirklich nicht, wie man eine Tour noch vollständiger dokumentieren kann. Klasse!

REVIEW 8.0 15.03.2000

(Album, RH 155, 2000)

BÖHSE ONKELZ - Ein böses Märchen aus 1000 finsteren Nächten

Oha. "Ein böses Märchen..." präsentiert die ONKELZ rundum erneuert - und es funktioniert sogar! Schon der Opener 'Onkelz 2000' (trotz des Titels keine allzu selbstherrliche Klischee-Hymne) ist eine Abkehr von alten, ausgetretenen Pfaden. Zwar heißt die Basis immer noch Hardrock, aber der Rose Tattoo-Einschlag vergangener Tage ist zeitgemäßeren Klängen gewichen. Wer jetzt erschrocken an Trendanbiederung & Co. denkt, kann sich allerdings gleich wieder beruhigen: Nichts erinnert auf diesem Album an irgendwelche Eintagsfliegen, die heute die Charts erobern und morgen wieder von der Bildfläche verschwunden sind. Die ONKELZ wirken - im Gegenteil - zeitloser denn je, weil sie es ganz einfach geschafft haben, runde, gut arrangierte Songs mit starken Refrains zu schreiben. Das trifft nicht nur auf den Opener 'Onkelz 2000' und die aktuelle Single 'Dunkler Ort' (die ja inzwischen jeder kennen dürfte), sondern ebenso auf den atmosphärischen Rocker 'Exitus', die mächtige Midtempo-Nummer 'Schutzgeist der Scheiße', den mitreißenden Ohrwurm 'Lüge', das melancholische 'Zuviel' und die düstere Ballade 'Knast' zu. Erst gegen Ende der Scheibe schleichen sich ein paar schwächere Nummern ein (der leicht an Slade erinnernde, aber viel zu kitschige Mitgröler 'Danke', der Durchschnittsrocker 'Gesichter des Todes' und das langatmige Instrumental 'Panamericana'), auf die die Welt nicht unbedingt gewartet hat. Erfreulich dagegen ist die Tatsache, daß die ONKELZ ihre beiden abgegriffensten Trademarks (die selbstmitleidige Märtyrer-Nummer und die scheinheilige Presseschelte) aus dem Programm gestrichen haben. Dafür und für den Mut zur musikalischen Erneuerung Respekt!

REVIEW 8.5 30.09.1998

(Album, RH 137, 1998)

BÖHSE ONKELZ - Viva Los Tioz

Zwei Jahre nach dem letzten Studioalbum "E.I.N.S." legen die ONKELZ nach: "Viva Los Tioz" läutet eine neue Ära in der Bandkarriere ein, soviel wird schon nach dem ersten Durchlauf klar. Nein, keine Angst, die ONKELZ haben sich nicht angepaßt oder sind irgendwelche Kompromisse eingegangen. Sie gehen lediglich etwas subtiler als in früheren Zeiten zu Werke. Die Band wirkt gereift, hat verstärktes Augenmerk auf die Arrangements gelegt und schreckt auch vor dem Einsatz von Samples nicht zurück. Dem einen oder anderen mag das spanisch vorkommen (vor allen Dingen nach dem Genuß des Intros 'Matapalo', das unweigerlich Erinnerungen an Tarantinos Kultstreifen "From Dusk 'Till Dawn" aufkommen läßt), aber dieser Schritt verdient Respekt, denn ein Album im Stile der Vorgänger-Scheiben 'rauszuhauen, wäre für die Frankfurter vermutlich das leichteste der Welt gewesen... Sie sind - mal wieder - den anderen Weg gegangen, und so dominieren in Songs wie dem bereits von der Single bekannten 'Weit weg' oder in dem zweiten Teil der Nummer 'Der Platz neben mir' Synthie-Klänge und ruhigere Passagen, die man in dieser Form von den ONKELZ nicht erwarten konnte. Die Überraschung ist gelungen, und da die bisherigen Markenzeichen der Band nach wie vor reichlich vorhanden sind, ist dieser Spagat zwischen Altbewährtem und neueren Klängen durchaus geglückt. ONKELZ Hardcore-Fans werden mit dem sehr guten Titelsong und Tracks wie 'Terpentin', 'Leere Worte' oder 'Das Geheimnis meiner Kraft' gut bedient, denn bei diesen Stücken demonstrieren die Frankfurter einmal mehr ihr Gespür für eingängige Rock'n'Roll-Songs. Daß auch textlich so manch heißes Eisen angepackt wird, hat bei der Band Tradition, und diesmal dürfte besonders die Nummer 'Ohne mich'(in der die ONKELZ sowohl Stellung gegen blinde Antifa-Eiferer als auch gegen Nazis beziehen) für Zündstoff sorgen. Ist also - abgesehen von einigen Soundspielereien - alles beim alten geblieben? Nicht ganz, denn die ONKELZ sind erwachsen geworden. GroßONKELZ sozusagen. Aber BÖHSE sind sie immer noch...

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos

Diese Seite verwendet Cookies. Erfahrt in unserer Datenschutzerklärung mehr darüber, wie wir Cookies einsetzen und wie Ihr Eure Einstellungen ändern und Cookies deaktivieren könnt. Darüber hinaus verwenden wir Cookies Dritter für die Einbindung audiovisueller Inhalte durch Youtube, Spotify und Soundcloud. Dem könnt ihr hier zustimmen oder dies ablehnen. Datenschutzerklärung ansehen.