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REVIEW 9.5 18.03.2020, 08:00

(Album, RH 395, 2020)

BÖHSE ONKELZ - Böhse Onkelz

Die BÖHSEN ONKELZ sind erwachsen geworden. Ein bisschen zumindest, wie das nach dem von Ben Becker gesprochenen Prolog einsetzende, augenzwinkernde ´Kuchen und Bier´ beweist. Nach einer nun 40-jährigen Bandkarriere kann man sich schon mal ´nen ironischen Blick in den Rückspiegel erlauben und mit einem Vers wie „Es war vor langer Zeit, damals waren wir noch Kinder, die Zeit der großen Kämpfe, großes Maul und nichts dahinter“ in die grauen Anfangstage zurückblicken. Aber natürlich, und auch das ist man von den Frankfurtern gewohnt, ist das selbstbetitelte, inzwischen 18. Studioalbum keine durchgängig selbstironische Werkschau, sondern widmet sich ebenfalls aktuellen (Fehl-)Entwicklungen. Alkoholismus (´Saufen ist wie Weinen´), Umweltzerstörung (´Rennt!´), Ausgegrenztheit (´Der Hund den keiner will´) oder der generelle Zustand der Gesellschaft (´Du hasst mich! Ich mag das!´) werden textlich mit der notwendigen Ernsthaftigkeit bedacht, dabei aber in leichtfüßige Rock´n´Roll-Songs verpackt. „Böhse Onkelz“ hat Drive und Swing, und Kevin Russell hatte absolut Recht, als er in der Titelstory der letzten Ausgabe behauptete, dass dieses Album „onkeliger“ ausfällt als sein Vorgänger „Memento“. Selten hat eine Platte der Frankfurter so stimmig geklungen, große Melodien von Stadion-Rock-Format werden mit dem notwendigen Dreck und Härte kombiniert. Wenn „Böhse Onkelz“ ein Blick in die musikalische Zukunft ist, dann bitte gerne mehr davon. Auf die nächsten 40 Jahre!

REVIEW 28.06.2017

(Album, RH 362, 2017)

BÖHSE ONKELZ - Live in Dortmund II

Matapaloz/Tonpool (114:31) Fast auf den Tag genau 20 Jahre nach der Veröffentlichung von „Live in Dortmund“, das die BÖHSEN ONKELZ endgültig als ernstzunehmende Rockband etablierte, erscheint nun der zweite Teil des akustischen Liebesbeweises an die schönste Stadt des Ruhrgebiets. Vielleicht ist es ein Dank an die Stadt, die neben Frankfurt die erste war, die den Aufstieg des Vierers zum Arena-Act ermöglichte und deren Publikum sich auch auf der „Memento“-Tour genauso euphorisiert zeigte wie zu (gefühlt) grauen Vorzeiten, vielleicht ist es auch einfach eine typische Onkelz-Nummer, denn die Band hätte es sich deutlich einfacher machen können, als mit dem zweiten Livealbum aus Dortmund die reflexartig einsetzenden Vergleiche der beiden Tonträger heraufzubeschwören. Futter für die Nörgler wird frei Haus geliefert, doch es ist typisch für das Quartett, dass ihm diese Reaktionen, mit denen man ganz sicher gerechnet hat, einmal mehr am Allerwertesten vorbeigehen. Gut so, denn zum einen unterstreicht das die eigene Kompromisslosigkeit, und zum anderen präsentiert „Live in Dortmund II“ eine Band, die über die Jahre deutlich gereift ist und sich mittlerweile voll und ganz auf das eigentliche Kernthema, nämlich die Musik, beschränkt. Was den BÖHSEN ONKELZ ziemlich gut zu Gesicht steht, wie man nach Einfuhr der Doppel-CD festhalten kann. Diverse Klassiker wurden auf der letzten Tour (leicht) umarrangiert, sieben (!) Songs des aktuellen Studioalbums „Memento“ haben ihren Weg in die Setlist gefunden, funktionieren im Gesamtkontext (abgesehen vom seltsam sperrigen ´Irgendwas für nichts´, das mir einfach nicht reinlaufen will), und die Überschneidungen mit der Setlist von „Live in Dortmund“ sind nicht besonders groß. Dazu kommen eine druckvolle, zeitgemäße Produktion und die Erkentnis, dass die Frankfurter nicht nur als Menschen, sondern auch als Musiker gewachsen sind. Selbst wenn dieses Album aufgrund seines Titels und der Tatsache, dass Stephan Weidner ständig die Stadt Dortmund in seinen Ansagen erwähnt, in einem kleinen Nachbardorf, dessen Einwohner in Kürze ihr 60-jähriges Jubiläum als Schalenlose begehen, wohl auf den Index geraten wird, dürfte der Erfolg vorprogrammiert sein.

REVIEW 8.5 23.11.2016

(Album, RH 355, 2016)

BÖHSE ONKELZ - Memento

Matapaloz/Tonpool (58:24) Wenn die Band darauf hinweist, dass einige Songs auf dem heiß erwarteten Comeback-Album nicht auf Anhieb zünden, sondern ihre Wirkung erst nach mehrmaligem Hören entfalten, ist das keine Schutzbehauptung, sondern entspricht der Erfahrung des Rezensenten. Der griffige Opener ´Gott hat ein Problem´ und das nachfolgende ´Frei´ machen den Einstieg leicht und schlagen den Bogen zur Bandvergangenheit, ehe das anfangs sperrige ´Markt und Moral´ musikalisch und textlich fordert. Aber die Kombination aus Altbekanntem und neuen Ansätzen – stellvertretend sei das an einen fiesen Bar-Blues erinnernde, überlange ´Der Junge mit dem Schwefelholz´ genannt – funktioniert und präsentiert die Band anno 2016 deutlich gereift – was logisch ist und nur Hardcore-Fans überraschen dürfte, die immer noch der „Heilige Lieder“-Phase hinterhertrauern. „Memento“ ist weniger Pathos, weniger Herumreiten auf der Außenseiter-Rolle und vor allem weniger Testosteron als bei früheren Veröffentlichungen, dafür aber mehr musikalische Finesse, was angesichts der Band-Entwicklung Sinn macht. Selbst in der Rock-Hard-Redaktion begrüßt man sich schließlich schon seit geraumer Zeit nicht mehr mit einer zünftigen Kopfnuss oder berichtet von den Ausschweifungen des vergangenen Wochenendes (Herrn Peters lassen wir ausdrücklich außen vor…), sondern hat sich einen leidlich zivilisierten Umgangston angeeignet (das sagt ausgerechnet Zompf „Urschrei“ Kupfer... - Red.). Und ein endgültiger Bruch mit der ONKELZ-Vergangenheit ist „Memento“ auch nicht, denn die Ballade ´Wo auch immer wir stehen´ oder die beiden Rausschmeißer ´Auf die Freundschaft´ und ´52 Wochen´ hätten auch auf früheren Alben stehen können und sind perfekte Bindeglieder zur Zeit vor dem Bandsplit. Dass die BÖHSEN ONKELZ nun den nächsten Schritt gehen, ist mutig, nachvollziehbar und absolut alternativlos. „Memento“ würde sonst nicht polarisieren, sondern sich in Beliebigkeit suhlen.

REVIEW 28.01.2015

(DVD - Musik, RH 333, 2015)

BÖHSE ONKELZ - Nichts ist für die Ewigkeit

DVD DES MONATS (Tonpool) Halbe Sachen waren noch nie ihr Ding: Als sich die BÖHSEN ONKELZ im letzten Jahr wiedervereinigten und zwei Comeback-Konzerte am Hockenheimring ankündigten, waren beide Shows binnen weniger Minuten ausverkauft. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen erlebten je 100.000 Zuschauer den wohl größten Aufschlag, den je eine deutsche Rockband zelebriert hat. Wichtiger als alle technischen Superlative (die größte Bühne Europas, der Welt, des Universums?; mehr Lautstärke als bei einem Formel-1-Rennen; mehr Strom und Licht, als eine durchschnittliche Kleinstadt in einem Jahr verbraucht...) war aber der Umstand, dass an diesem emotionalen Wochenende tatsächlich vier Musiker zusammen auf die Bühne gingen, die mit sich und ihrer Vergangenheit im Reinen waren, glaubwürdig rüberbrachten, das Comeback nicht aus finanziellen Gründen auf den Weg gebracht zu haben, und so ganz nebenbei ein dreistündiges Konzert mitsamt Gastauftritten und Orchesterbegleitung dazu nutzten, einen gelungenen Abriss ihrer bisherigen musikalischen Karriere zu liefern. Die atemberaubende Bühne mit der nicht minder atemberaubenden Kulisse im Hintergrund kann man sich nun als extrem wertiges Doppel-DVD/Blu-ray-Paket auf die heimische Flimmerkiste beamen, dabei im 24-seitigen Booklet stöbern und sich an der 70-minütigen Dokumentation erfreuen, bei der die Band sprichwörtlich die Hosen herunterlässt. Von den ersten Proben nach der Wiedervereinigung über Arbeitsbesprechungen mit Technikern und eine kleine, schnuckelige Geheimshow bis hin zur ersten Geländebegehung des Hockenheimrings wird nichts ausgespart und gezeigt, dass die Band weit besser in Form ist als bei ihrer Auflösung vor zehn Jahren. Manchmal kommen sie wieder? Aber so was von...

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