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REVIEW 28.06.2017

(Dynamit, RH 362, 2017)

ATLANTEAN KODEX - The Annihilation Of Bavaria

Ván/Soulfood (100:12) Aller guten Dinge sind drei? Jepp, in diesem Fall definitiv: Nach der Veröffentlichung der nur in kleinen Stückzahlen erhältlichen Live-Auslesen „The Annihilation Of Koenigshofen“ (2009, 89 (!) Kopien auf Vinyl) und „The Annihilation Of Nürnberg“ (2010, 300 Kopien auf Kassette) legen ATLANTEAN KODEX mit „The Annihilation Of Bavaria“, ihrem bisher umfassendsten Livealbum, nach. Aufgezeichnet im Kultur-Schloss des bayrischen Örtchens Theuern am 6. und 7. November 2015, kommt der Release als schick aufgemachte Doppel-LP bzw. nicht minder hübsches Zwei-CD-Digipak jeweils mit beiliegender Konzert-DVD. Dass die Tracklist über alle Zweifel erhaben ist, versteht sich von selbst: Wer Zeit seiner Karriere ausschließlich Göttergaben wie „The Golden Bough“ oder „The White Goddess“ veröffentlicht hat, kann in dieser Hinsicht ja auch gar nichts falsch machen, und der neue Track ´Kodex Battalions´ reiht sich stimmig ins Gesamtbild ein. Und mal ganz ehrlich: Wer bei Songs wie ´Pilgrim´, ´Heresiarch´ oder ´Sol Invictus´ nicht zumindest ein bisschen Freuden-Pipi in den Augen hat, der ist vermutlich ohnehin tot. Es bleibt also dabei: ATLANTEAN KODEX sind eine unumstößliche Macht, die mit Sicherheit beste Epic-Metal-Band Deutschlands, vermutlich sogar der ganzen Welt. Wer das bisher verpasst hat, sollte allerspätestens jetzt einsteigen. So. Sagt also später nicht, wir hätten´s euch verschwiegen...

REVIEW 10.0 25.09.2013

(Album des Monats, RH 317, 2013)

ATLANTEAN KODEX - The White Goddess

Cruz Del Sur/Soulfood (55:54) Selten, ganz selten erscheinen Platten, die aus dem Wust so deutlich herausragen, dass sie kaum mit normalen Maßstäben zu messen sind und sich eigentlich gar nicht in Konkurrenz befinden mit den ganzen profanen Durchschnittsveröffentlichungen - und seien diese „objektiv“ auch noch so gut. „The White Goddess“ ist eine solche Platte, eine Platte, die sich nicht an Meilensteinen wie Manowars „Into Glory Ride“ und „Hail To England“, Bathorys „Hammerheart“ und „Twilight Of The Gods“, Warlords „Deliver Us“ und Fates Warnings „Awaken The Guardian“ orientiert oder „abarbeitet“, sondern die auf einer Stufe steht und selbstbewusst aus jeder Pore Relevanz und großes, ungefiltertes Gefühl schwitzt, so, als wäre Musik kein Hobby oder Interesse, sondern schlicht und einfach der einzige Weg, das Leben, diese uns hingeworfene, geschenkte, überfordernde Großartigkeit und Herkulesaufgabe, irgendwie zu verstehen. „The White Goddess“ brüllt hier vor schierer Kraft, das Album stirbt dort beinahe in Melancholie, und es tut das immer mit einer nicht zu begreifenden Chuzpe, mit einem immensen Stolz, der der Dunkelheit, die beinahe orthodoxen Death- und Black-Metal-Regionen entstammt, stets mehr als einen Funken Hoffnung und gesunden Fatalismus entgegensetzt. Welchen der fünf Epic-Metal-Giganten auf dieser Platte man als den allergrößten ansieht, spielt keine Rolle: Der auf unserer letztmonatigen Lauschangriff-CD enthaltene Opener ´Sol Invictus´ ist sicherlich das Maximum an Eingängigkeit, das die Bayern anzubieten bereit sind, und ´Twelve Stars And An Azure Gown´ traut sich streckenweise in sehr zurückhaltend instrumentierte Gefilde, um das Wort „balladesk“ zu vermeiden. Dafür erschlagen den Hörer ´Heresiarch´ und ´Enthroned In Clouds And Fire´, dessen Großartigkeit Worte nicht nahe kommen können, mit ihrer immensen, fast gewalttätigen Härte, und wenn Manowars ´Bridge Of Death´ jemals einen Nachfolger bräuchte, ´White Goddess Unveiled´ stünde Gewehr bei Fuß. Nein, man muss es so schreiben: Etwas Besseres als dieses Album hat man im Heavy Metal in den letzten zehn, wahrscheinlich 20 Jahren nicht gehört. LINE-UP Markus Becker (v.) Manuel Trummer (g.) Michael Koch (g.) Florian Kreuzer (b.) Mario Weiß (dr.) DISKOGRAFIE Vestal Claret/Atlantean Kodex (Split-12“, 2007) The Pnakotic Demos (EP, 2007) A Prophet In The Forest (EP, 2008) The Annihilation Of Koenigshofen (Live-LP, 2009) The Golden Bough (2010) The Annihilation Of Nürnberg (Live-Tape, 2010) Goddess Rising Demo (Tape, 2012) The White Goddess (2013) DIE PATEN Dieses Album könnte euch gefallen, wenn ihr auf eine (oder mehrere) der folgenden Bands steht: Bathory * Manowar * Solstice * Fates Warning * Manilla Road * Cirith Ungol * Warlord * Brocas Helm * Doomsword * Heavy Load * Pagan Altar * Gatekeeper * Procession * Ereb Altor * Scald

REVIEW 9.0 20.10.2010

(Album des Monats, RH 282, 2010)

ATLANTEAN KODEX - The Golden Bough

Ohne an dieser Stelle genauer auf ihre Philosophie einzugehen (ein ausführliches Interview findet ihr im nächsten Heft): Die Bayern ATLANTEAN KODEX sind mit ihrem regelrecht orthododoxen Heavy Metal zwischen Epic (mehr) und Doom (weniger) einer der wichtigsten Gegenpole zur fortschreitenden Ballermannisierung der Szene und rufen vor allem eines ins Gedächtnis: Diese Musik, hier zum ersten Mal im Full-length-Format, ist nicht nur unbändiger Spaß, sondern auch bitterer Ernst. Die zutiefst melancholischen Hymnen der Band führen das fort, was die Großen einst erschaffen haben: Bathory mit „Hammerheart“ und „Twilight Of The Gods“, Fates Warning mit „Awaken The Guardian“, Manowar mit „Into Glory Ride“ und „Hail To England“, Candlemass mit „Nightfall“, Solstice mit „New Dark Age“, Manilla Road mit „Crystal Logic“. (Kollege Kühnemund hört zudem viel Warlord raus, aber die waren - trotz eines vergleichbaren Gitarrensounds - wesentlich ätherischer, zerbrechlicher.) Kaum ein Ton ist überflüssig auf dieser guten Stunde, gerade extrem ausufernd komponierte Epen wie ´A Prophet In The Forest´ (15 Minuten), ´Fountain Of Nepenthe´ (zehn Minuten) oder das zutiefst berührende, mit einer klassikerwürdigen Chorus-Melodie gesegnete ´Pilgrim´ (gut elf Minuten - inklusive John-Arch-meets-´Child In Time´-Gedächtnispart) gehen mit ihrer Hingabe unter die Haut und sprechen die Sinne so an, wie es nur Kunst schafft, aber bloße Unterhaltung niemals. Wenn ATLANTEAN KODEX-Sprachrohr Manuel Trummer immer wieder betont, dass er es nicht gutheißen kann, wenn Metal intellektualisiert wird, dann ist seine Intention ehrenhaft und nachvollziehbar. Aus der Falle raus kommt er aber nicht so einfach, denn ATLANTEAN KODEX selbst sind für diese Aussage eigentlich viel zu reflektierend und „intellektuell“, sie erschaffen extremst ausgearbeitete Bilder, sie haben eine Botschaft (und wenn es nur die ist, keine zu haben und eskapistisch zu sein), und sie positionieren sich zudem als Personen mit klaren, begründeten Meinungen. Aber genau das macht „The Golden Bough“ zur besten Metal-Platte seit While Heaven Wepts „Vast Oceans Lachrymose“. DISKOGRAFIE Vestal Claret/Atlantean Kodex (Split-EP, 2007) The Pnakotic Demos (EP, 2007) A Prophet In The Forest (12“, 2008) The Annihilation Of Koenigshofen (Live-LP, 2009) The Golden Bough (2010) LINE-UP Markus Becker (v.) Manuel Trummer (g.) Michael Koch (g.) Florian Kreuzer (b.) Mario Weiß (dr.) DIE PATEN Wer folgende Bands mag, steht auch auf ATLANTEAN KODEX: Bathory, Manowar, Solstice, Fates Warning, Candlemass, Manilla Road, Cirith Ungol, Warlord, Brocas Helm, Medieval Steel, Ereb Altor, Doomsword, Heavy Load, Pagan Altar, Solitude Aeturnus, Cloven Hoof Und das sagen Gitarrist Manuel Trummer und Sänger Markus Becker zu „The Golden Bough“: Manuel: »In musikalischer Hinsicht ist „The Golden Bough“ die logische Fortsetzung unserer „Pnakotic Demos“. Der entscheidende Fortschritt ist, dass jeder einzelne Aspekt - vom Sound über die Songs bis zum textlichen Überbau - mächtiger, schlüssiger, abwechslungreicher, schlicht größer klingt.« Markus: »Wenn „The Golden Bough“ erreicht, dass sich die Hörer intensiv mit einem Album, seiner Musik und seinem Konzept beschäftigen, statt es nur wie Metal-Beamte in die Sammlung einzutragen und danach im CD-Regal verstauben zu lassen, sind wir zufrieden. Denn „The Golden Bough“ steht auch als trotziges Statement gegen die Schnelllebigkeit und Oberflächlichkeit unserer Zeit.«

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