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REVIEW 9 18.12.2019, 08:00

(Dynamit, RH 392, 2019)

APOCALYPTICA - Cell-0

Musik besteht aus Noten. Metal aus Verzerrung und Leidenschaft. Die Band, die beides meisterhaft zusammenführen kann, sind APOCALYPTICA. Nun werden viele lachen, mit dem Kopf schütteln oder ihr Abo kündigen. Meinetwegen, hatten wir alles schon. Es stimmt auch, dass APOCALYPTICA in den letzten Jahren viel Bockmist verzapft haben, widerliche Anbiederung an das US-Publikum inklusive. Die Kollaboration, die mir ein „Date“ mit Nina Hagen verschaffte, bei dem Eicca Toppinen und der Interviewer (natürlich) nicht zu Wort kamen, war allerdings grandios. Genauso wie die Show im Libanon kurz vor dem Bombardement durch Israel und die Biere in der Sauna der finnischen Botschaft in Berlin. Ich bin bei APOCALYPTICA also nicht vollkommen neutral - aber die Jungs werden unterschätzt. Persönlich und musikalisch sowieso. „Cell-0“ ist die Scheibe, die nach Album Nummer vier, „Reflections“, hätte kommen müssen. Im Titel ist eine Null, eine Art Neustart also? Man war mit dem Metallica-Cover-Debüt auf Tour und entdeckte noch einmal die Kraft des Instrumentalen, nur mit dem Unterschied, dass Toppinen & Co. heute wesentlich reifere Musiker sind. „Cell-0“ erzeugt Bilder im Kopf und ist nur für Soundtrack-People, die genau das mögen. Es ist der überfällige Fick aus Moderne und klassischer Konservatoriumsausbildung, den diese Typen schon lange in sich tragen, aber nie verwirklichen konnten, durften oder wollten. Die Kompositionen sind gefühlvoll, manchmal radikal, oft sentimental (Finnen halt...) und im Großen und Ganzen wunderschön und mit viel Liebe zum Detail inszeniert. Ständiger Wechsel von Technik, Sound, Tempo, Spielart. Schöner die Celli nie schluchzten, möchte man sagen. Anspieltipp: das zehnminütige Titelstück.

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