Review

Reviews 7.5

VENOM

From The Very Depths

Ausgabe: RH 333

Spinefarm/Universal (51:49)
Der Titel des sechsten Songs der neuen VENOM-Platte, ´Long Haired Punks´, teilt ´ne Menge über das Selbstverständnis der NWOBHM-Protagonisten und Black-Metal-Erfinder mit, keine andere Band hat jemals eine vergleichbare Mischung aus ernsthaft Verstörendem, vertontem Arschlecken, neckischem Spaß und schillerndem Vaudeville-Theater gezockt. In Kölle würde man wohl sagen: VENOM sind nicht nur ´ne Band, VENOM sin e Jeföhl (und live übrigens nach wie vor ein echtes Erlebnis, zu sehen auf dem nächsten Rock Hard Festival). Über die Bedeutung von „Welcome To Hell“, „Black Metal“, „At War With Satan“ und (mit Abstrichen) „Possessed“ muss man nicht ernsthaft diskutieren, über Aussagen, dass danach gar nix Gescheites mehr gekommen ist, sehr wohl, denn „Cast In Stone“ von 1997 zum Beispiel oder auch „Fallen Angels“ (2011) waren mehr als ordentliche Platten, die lediglich am legendären Frühwerk gescheitert sind. Eine ähnliche Qualität erreicht „From The Very Depths“, Studioalbum Nummer 14: Von einer überraschend tollen, weil knackharten, aber differenzierten Produktion getragen, hat sich das Trio infernale (Cronos, Dante und Rage) mit vor allem dem eröffnenden Titelsong, ´The Death Of Rock N Roll´ und ´Grinding Teeth´ diverse zwingende Ab-nach-vorne-Schoten aus den Rippen geleiert, die vom Midtempo-Material meistens ordentlich flankiert werden (´Smoke´, ´Crucified´, ´Evil Law´). Ein kompletter Verzicht auf die Ausfälle ´Temptation´, ´Stigmata Satanas´ und ´Rise´, die in erster Linie mit ihren unangenehmen Refrains nerven, hätte „From The Very Depths“ gutgetan, aber auch so verbleibt man hier durchaus mit anerkennendem Kopfnicken, ähem, Headbangen.

Autor:
Boris Kaiser

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