Review

Reviews 10.0

THRESHOLD

March Of Progress

Ausgabe: RH 304

Nuclear Blast/Warner (69:09)

Dass THRESHOLD auf „March Of Progress“ die kompakt-luftige, songdienliche Ausrichtung der Andrew-McDermott-Ära (R.I.P., Mac!) mit dem epischen Bombast der frühen Damian-Wilson-Scheiben verbinden, liest sich erst mal nicht übermäßig spektakulär. Doch spätestens nach zwei-, dreimaligem Reinschnuppern (und ich bin mittlerweile ungelogen bei über 100 Komplettdurchläufen angekommen) offenbart sich eine kompositorische, atmosphärische und textliche Genialität, die alle bisherigen, größtenteils fabelhaften THRESHOLD-Platten in einen kilometerlangen Schatten stellt. Hier hat jedes der knallharten Metal-Gitarrenriffs, für die selbst ein John Petrucci heutzutage beide kleinen Finger opfern würde, genauso Refrain-Charakter wie die erhabenen, farbenprächtigen Keyboard-Klangkathedralen, die beseelten Saiten/Tasten-Soli und jede einzelne der von Wilson auf der absoluten Höhe seiner Schaffenskraft gesungenen Silben. Jeder Ton, jede Note dieser 69 Minuten ist pure Magie, und das Allerfaszinierendste: Man hört dem Album seine progressive Komplexität zu keiner Sekunde an. Songs, die wie kurze Ohrwürmer anmuten, entpuppen sich bei genauerem Hinhören als zehnminütige Megaepen, die von der phänomenalen Rhythmusabteilung mit einem lässigen Groove vorangetrieben werden, wie ihn im Prog-Metal-Sektor keine andere Band auch nur ansatzweise erreicht. Von den heftigen Hyperhymnen ´Ashes´ und ´Don´t Look Down´ über die Spannungsbogen-Wundertüten ´Return Of The Thought Police´ (superbe Lyrics!), ´Staring At The Sun´ (kongeniales Drumming!), ´Liberty Complacency Dependency´ (was für ein Songaufbau!), ´Colophon´ (Gitarrenriffs zum Niederknien!) und ´Coda´ (mehr Variantenreichtum geht in fünf Minuten nicht!) bis zur Queen-goes-Metal-Göttergabe ´The Hours´ (die Gesänge!), der völlig kitschfreien Pomp-Halbballade ´That´s Why We Came´ und dem alles wegblasenden 500.000-Tonnen-Sternenkreuzer ´Rubicon´ gibt es nichts Verkopftes, nichts Überambitioniertes und trotzdem genug begnadeten Input, um den Hörer auf Monate hinaus bis in die Haarspitzen und Fußnägel zu elektrisieren.

Man muss es so dick aufgetragen sagen: Diese angenehm modern produzierte Scheibe steht auf einer Stufe mit den großen Dream-Theater- und Fates-Warning-Heiligtümern und ist für mich das beste Metal-Album seit Dream Theaters ´99er Überflieger „Scenes From A Memory“.

Diskografie (nur Studioalben):

Wounded Land (1993)
Psychedelicatessen (1994)
Extinct Instinct (1997)
Clone (1998)
Hypothetical (2001)
Critical Mass (2002)
Subsurface (2004)
Dead Reckoning (2007)
March Of Progress (2012)

Line-up:

Damian Wilson (v.)
Karl Groom (g.)
Pete Morten (g.)
Steve Anderson (b.)
Richard West (keys)
Johanne James (dr.)

Wer bei Threshold im siebten Prog-Himmel schwebt, dürfte bei den folgenden Bands seine Flughöhe halten können:

Dream Theater * Queensryche * Fates Warning * Rush * Arena * Pendragon * Marillion * Shadow Gallery * Kamelot * Psychotic Waltz * Vauxdvihl * Symphony X * Royal Hunt * Riverside * Ayreon * Star One * Vanden Plas * Savatage

Autor:
Michael Rensen

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