Review

Reviews 8.0

THE DEVIL'S BLOOD

III: Tabula Rasa Or Death And The Seven Pillars

Ausgabe: RH 314

Ván Records (64:59)

Das Vermächtnis dieser großartigen Band, das dritte vollständige Album, ist eigentlich nur ein Demo. Zu hören sind Selim Lemouchi (Gitarren, Bass, vereinzelte Vocals) und seine Schwester Farida (Gesang), die das neue Material in einer Vorproduktion zusammen aufnahmen. Ein Drummer aus Fleisch und Blut kam nur bei zwei Songs zum Einsatz - was auch gleich mein größter Kritikpunkt an „Tabula Rasa“ ist. Ein Drumcomputer, egal wie dezent er eingesetzt wird, passt eben nicht zum organischen, warmen Sound dieser Band, die in nur rund fünf Jahren so viel mehr geschafft hat als unzählige andere in einem Vierteljahrhundert.

Das Herz von THE DEVIL´S BLOOD waren aber eh immer Selims unglaublich intensives, gefühlvolles Gitarrenspiel und Faridas einzigartiger, sehr dominanter Gesang. Beide Elemente bestimmen auch „Tabula Rasa“, obwohl manches - das muss ich zugeben - unfertig klingt. Mit etwas Fantasie kann man sich als TDB-Fan aber vorstellen, welches Potenzial in den neuen Songs steckt, die noch sphärischer, noch ausladender als das bisherige Material gehalten sind. Der 22-minütige Opener ´I Was Promised A Hunt´, der auch inhaltlich - unbeabsichtigt? - so etwas wie ein Resümee der Bandkarriere ist, wäre sicher ein ganz, ganz großes Highlight gewesen. Erstmals singt auch Selim mehr als nur Backings und schafft mit verschiedenen Stimmen (allesamt klasse!) sehr viel Atmosphäre, Farbe, Licht und Schatten. Davon hätte ich gerne mehr gehört.

Die Gitarren in ´...If Not A Vessel?´ sind nicht von dieser Welt, schier unglaublich und auch in dieser rohen, nackten Demoform absolut ergreifend. Schon der Ton der Gitarre ist so einzigartig, dass man einen TDB-Song auch ohne Faridas Gesang sofort identifizieren könnte.

Bevor ich mich hier zu sehr der Magie dieser Band (und nicht etwa des „alles verschlingenden Urchaos“) ausliefere, sei aber auch angemerkt, dass es sich eben „nur“ um ein Demo handelt und dass „Tabula Rasa“ deshalb nicht an „Come, Reap“, „The Time Of No Time Evermore“ und „The Thousandfold Epicentre“ heranreicht. Man muss mehr Geduld mitbringen und tiefer in die Materie (nein, nicht ins Urchaos) eintauchen, um den Geist der Platte zu erfassen. Ist man dann schließlich bis zum Kern vorgestoßen, begreift man aber doch, dass „Tabula Rasa“ ein würdiger und logischer Abschluss eines gigantischen Stücks Rockgeschichte geworden wäre. Falsch: geworden ist. R.I.P.!

Autor:
Götz Kühnemund

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