Review

Reviews 9.0

SUN WORSHIP

Pale Dawn

Ausgabe: RH 349

Golden Antenna/Broken Silence (37:00)
Dass sich SUN WORSHIP genauso von Mayhem wie von Manuel Göttsching (Ash Ra Tempel, The Cosmic Jokers) beeinflusst sehen, hört man aufgrund einer nahezu kompletten Abwesenheit „elektronischer“ Musik nicht sofort, aber nach dem ersten Durchlauf von „Pale Dawn“ weiß man, was das Trio meint, noch nicht mal das im Presse-Info benutzte, nicht ganz unprätentiöse Strawinsky-Zitat „Music is just notes - what you speculate beyond that is pure nonsense“ steht dem entgegen: Die Berliner, deren 2014er „Elder Giants“-Debüt so fabelhaft war, dass es sogar in orthodoxen Elite-Kreisen (heimlich) gehört und bewundert wird, denken nämlich eher das große Ganze als in klassischen Songstrukturen - und offerieren mit dem Nachfolger, man kann das einfach halten, nicht nur ein noch besseres Gesamtergebnis, sondern tatsächlich das beeindruckendste Black-Metal-Album seit MGLAs  unantastbarem Dauerbrenner „Exercises In Futility“. Dass SUN WORSHIP optisch und ideologisch nur wenig mit der alten Schule gemeinsam haben und auch nicht in die aktuelle Wald-und-Wiesen-Strömung von Misþyrming über Alda bis Murg passen, ist (zumindest mir) dabei komplett egal: Die unbändige, knochentrockene Raserei in den vier überlangen Songs dieses Albums, mit dem Opener und Titeltrack als Anspieltipp (grandiose Harmonien!), verwaltet das Erbe der (vor allem) norwegischen Legenden weit beeindruckender, als diese das (ausnahmslos!) selbst tun, und sorgt damit für eine Erhabenheit, wie sie zwar oft behauptet, aber eben nur selten erreicht wird. Ergo: Worship SUN WORSHIP now!

Autor:
Boris Kaiser

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