Review

Reviews 9.0

SLAYER

Christ Illusion

Ausgabe: RH 232

(38:34)

Seit zwölf Jahren, also seit dem Album „Divine Intervention“, konnte die fieseste, extremste und glaubwürdigste Metalband der Welt den fanatischsten Fans der Welt nur noch gute Platten, aber kein Meisterwerk mehr entgegenkotzen. Genannte ´94er Scheibe war ein Sicherheitsding ohne Wagnisse und Überraschungen, mit „Diabolus In Musica“ verzettelte sich der Vierer in der Moderne, und „God Hates Us All“ offenbarte neben superben Folterkammersongs zu viele Füller.

Doch nun ist alles vergeben und vergessen, selbst wenn das einige Soundchecker vermutlich etwas anders sehen: „Christ Illusion“ offenbart pure Gewalt, abgrundtiefen Hass, tiefste seelische Abgründe, transportiert stete Negativität und Beklemmung, ständig ist man angespannt, man bekommt zu keinem Zeitpunkt ein wohliges Gefühl. All dies und der eiskalte Schauer, den man beim Hören empfindet, zeigen überdeutlich, dass diese Band nach wie vor das Nonplusultra im extremen Metal ist. Bis auf wenige griffige Midtempo-Ausnahmen schmettern die Totschläger im Hochgeschwindigkeitsrausch. Das Duo Kerry King/Jeff Hanneman schleudert mit brillanten, regelrecht gemeingefährlichen Riffs nur so um sich, immer unverwechselbar und immer rasiermesserscharf. Die Gitarrenarbeit in den fantastischen Stücken ´Fleshstorm´, ´Catalyst´, ´Eyes Of The Insane´, ´Jihad´, ´Skeleton Christ´ und ´Cult´ ist dermaßen mörderisch, dass es einem die Sprache verschlägt. Und wenn Tom Araya all diese unheimlichen Texte in aller Schärfe herausschreit - oder hin und wieder auch singt -, überkommt dich Frost. Einen Füller gibt es nicht wirklich, allerhöchstens mal etwas schwächere Songparts, die allerdings wegen Dave Lombardos Außerirdischen-Drummings auf hohem Level gehalten werden.

Fazit: Seit „Seasons In The Abyss“ war das Gesamtniveau eines SLAYER-Albums nicht mehr so hoch. Niederknien!

Autor:
Wolf-Rüdiger Mühlmann

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