Review

Reviews 6.0

RUNNING WILD

Shadowmaker

Ausgabe: RH 300

Plusminus:

Steamhammer/SPV (50:16)

Das groß angekündigte RUNNING WILD-Comeback ist eine halbherzige Angelegenheit. Der stark von Billy Idol „inspirierte“ Opener ´Piece Of The Action´ ist noch ganz okay, und die folgenden beiden Nummern ´Riding On The Tide´ und ´I Am Who I Am´ sind sogar richtig gut - aber dann geht´s leider steil bergab. Hier und da noch ein gelungenes Riff, auch die eine oder andere brauchbare Hookline - aber weit und breit nichts, was würdig gewesen wäre, auf den RUNNING WILD-Klassikeralben der Vergangenheit zu landen. Und dann diese dünne Produktion! Die Gitarren sind weit davon entfernt, ähnlichen Druck wie früher zu machen, und das „Schlagzeug“ klöppelt genauso traurig vor sich hin wie auf „The Brotherhood“ (2002) und „Rogues En Vogue“ (2005). Selbst für ein Soloprojekt, das RUNNING WILD ja schon lange sind, reicht das nicht. Apropos: Die (unfreiwillige) Ironie eines Songtitels wie ´Me & The Boys´ (die übelste Nummer, die Rolf je geschrieben hat; Poison lassen grüßen!) fällt hier so deutlich ins Auge, dass man fast glauben könnte, Rolf Kasparek mache sich bewusst zum Kasper (nein, das dumme Wortspiel verkneif ich mir hier).

Als alter RUNNING WILD-Fan, der ich nach wie vor bin, muss man „Shadowmaker“ trotz der genannten besseren Songs als große Enttäuschung empfinden. Gerade nach den großspurigen Ankündigungen im Vorfeld („eines der stärksten Alben, die ich je geschrieben habe!“) bleibt nur Ernüchterung. RUNNING WILD hätten mit einem echten Bandalbum, aufgenommen in einem vernünftigen Studio, tatsächlich noch einmal triumphieren können. Nun aber sind sie endgültig tot.

Götz Kühnemund 6

Nach den beiden mäßigen Vorgängern war die Auflösung 2009 nur konsequent. Als Grund für die jetzige Wiederbelebung gibt Mastermind Rolf an, dass die Inspiration und der Spaß beim Songwriting zurückgekehrt seien. Das finde ich durchaus glaubwürdig, weil er sich von der Erwartungshaltung der Old-School-Zielgruppe bewusst frei gemacht hat: Kein Andreas-Marschall-Cover, lediglich zwei Piraten-Texte und kein enges musikalisches Korsett. Songs wie ´Riding On The Tide´, ´I Am Who I Am´, ´Dracula´ oder die überragende Doublebass-Hymne ´Shadowmaker´ sind zwar typischer RW-Stoff, aber darüber hinaus gibt es eben auch gelungene Variationen des bekannten Stils wie den Opener ´Piece Of The Action´, der ein typisches Rolf-Riff in einen groovigeren Rock-Kontext setzt, oder die offensichtliche Slade-Verbeugung ´Me & The Boys´. (Nix für ungut, Götz, aber Poison kennst du doch nur vom Weghören, oder?) „Shadowmaker“ kann mit Klassikern wie „Death Or Glory“ sicher nicht mithalten, ist aber ein abwechslungsreiches Album, das deutlich frischer als die letzten Scheiben klingt und durchaus Laune macht, sofern man das Dogma mal unter Deck lässt.

Marcus Schleutermann 8

Autor:
Marcus Schleutermann
Götz Kühnemund

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