Review

Reviews 7.5

ROYAL HUNT

Cast In Stone

Ausgabe: RH 372

Northpoint (49:33)
´Fistful Of Misery´ eröffnet „Cast In Stone“, seines Zeichens das sage und schreibe 14. Album der dänischen Bombast-Prog-Pioniere, und führt einen auf eine ziemlich falsche Fährte. Dieser leicht swingende Ohrwurm repräsentiert eher nicht den Rest des Albums, der zum Komplexesten gehört, das ROYAL HUNT bislang aufgenommen haben. Also, nicht dass es den acht langen Songs an feinen Melodien mangeln würden. Dafür ist schon D.C. Coopers Stimme zu samtig und André Andersen als Komponist zu erfahren. Jedoch braucht es einen Moment, bis man sich durch die vielschichtigen, ausgedehnten Arrangements gegraben hat und zu den subtilen Hooks gelangt, die in Mini-Epen wie ´The Last Soul Alive´ warten und dem Album seine Langzeit-Wirkung verleihen. Nicht einfach macht es einem auch der Sound: Der ist zwar sehr organisch, was in von sparsamer Sterilität geprägten Zeiten grundsätzlich begrüßenswert ist, dafür aber auch ein wenig undifferenziert. Menschen, die ROYAL HUNT noch entdecken dürfen, sei neben den alten Klassikern als Einstieg das zugänglichere „XIII“ ans Herz gelegt, alle anderen dürfen sich einfach weiterhin über diese in ihrer kompetenten, ausdauernden Beständigkeit ziemlich spektakuläre Band freuen.


3 Fragen an ROYAL HUNT-Bandleader/Keyboarder André Andersen:

André, das Album klingt sehr dicht, organisch und roh. Was war die Philosophie hinter dem Sound?

»Wir lieben es einfach, live zu spielen. Ganz egal also, wie komplex unsere Arrangements scheinen, am wichtigsten ist uns die Energie. Was die technische Seite angeht, lieben wir analoges Aufnehmen. Wir benutzen alte Röhren-Amps, analoge Mischpulte, Tape Recorder... Klar benutzen wir auch Computer, 90 Prozent unseres Sounds entstehen aber komplett analog. Rock´n´Roll klingt so einfach am besten. Es entsteht echte Magie, wenn du Schlagzeug, Gitarren und Bass durch Vintage-Mikros jagst und den Aufnahmeknopf drückst.«

Gibt es kompositorische Momente, auf die du besonders stolz bist?

»Zunächst ´Fistful Of Misery´: Das Ding ist eine echte Rock-Hymne, die wir mit Sicherheit oft live spielen werden und die über einen fantastischen Groove, einen eingängigen Chorus und eines meiner Lieblingssoli von Jonas (Larsen, g. - tb) verfügt. ´The Last Soul Alive´ hat auch einiges für sich mit seinem Siebziger-Riff, dem Shred-Fest in der Mitte und der großartigen Performance von DC (Cooper, v. - tb). Außerdem noch ´The Wishing Well´, das einfach alles hat, was einen ROYAL HUNT-Song ausmacht - viele Tempo-, Tonart- und Stimmungswechsel, eine Wahnsinns-Instrumental-Leistung und einen fetten Refrain. Hör nur mal, was Andreas (Passmark, b. - tb) und Habo (dr. - tb) da spielen! Die beiden haben einen Spitzenjob abgeliefert.«

Wie wichtig ist es dir, dich nach all den Jahren mit ROYAL HUNT noch herauszufordern?

»Man muss sich herausfordern, um sich weiterzuentwickeln. Ich wollte nie ein „Rockstar“ werden, schon als kleiner Junge wollte ich immer ein arbeitender Musiker und Songwriter sein. Ich bin also sehr kritisch mit mir selbst und kann froh sein, dass die Jungs in meiner Band das auch so sehen. Mit jedem neuen Album versuchen wir, uns zu verbessern, ansonsten würde es auch keinen Spaß machen. Wir wollen uns nie wiederholen, sondern immer neue Wege finden, unsere Ideen musikalisch auszudrücken. Ich hoffe, unsere Fans bemerken die Experimentierfreude, mit der wir an „Cast In Stone“ herangegangen sind, ohne unserem Stil untreu zu werden. Das Wichtigste sind aber die unglaublich talentierten Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten darf: Andreas, Jonas, DC und Habo geben den Songs ihre ganz eigene Seele, die auch für mich immer unberechenbar bleibt.«

Autor:
Tobias Blum

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