Review

Reviews 8.5
Progressive

PORCUPINE TREE

Closure/Continuation

Label: Music For Nations/Sony
Dauer: 48:03
Erscheinungsdatum: 25.06.22
Ausgabe: RH 421

Nach drei, ähem, sagen wir mal gewöhnungsbedürftigen Soloalben klangzaubert Steven Wilson wieder in Sphären, in denen ihn die Progger unter seinen Fans am liebsten sehen dürften. Das über mehrere Jahre entstandene elfte PORCUPINE TREE-Album „Closure/Continuation“ setzt da an, wo PT 2009 mit „The Incident“ aufhörten und wo Wilson 2013 mit „The Raven That Refused To Sing“ den bisherigen Höhepunkt seiner cinematografischen Schaffenskraft erreichte. Die Opener ´Harridan´ und ´Of The New Day´ gefallen mit detailfreudig entworfenen, originellen Klanglandschaften, die trotz eher unauffälliger Hooklines eine intensive Atmosphäre durchweht. Wilsons magische musikalische Bildsprache, seine unkonventionellen und dennoch schlüssigen Songstrukturen, die bei aller technischen Exzellenz berührenden, oft melancholischen Emotionen - alles noch da und im 2022er Gewand nie fahler Retro-Chic, sondern immer vorwärts gerichtet. In ´Herd Culling´ lassen Wilson, Gavin Harrison (dr.) und Richard Barbieri (keys) garstigen Tool-Drive auf elektronische, hypnotische Ambient-Trance-Elemente treffen, im überwiegend ruhigen, elegisch-harmonischen ´Dignity´ kommen PT sogar an die großen Ohrwürmer von Alben wie „Lightbulb Sun“ heran. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass geniale Melodien auf „Closure/Continuation“ ansonsten recht rar gesät sind. Nach hinten raus mäandert das Album durch etwas ziellose Nummern, und das rhythmisch großartige Schachtelriff-Stück ´Rats Return´ bleibt letztlich vor allem Rechenschieber-Rock. Dennoch: unterm Strich besser als alles, was uns Wilson seit „Hand. Cannot. Erase.“ in die Abspielgeräte geschoben hat.

Autor:
Michael Rensen

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